Die Ruhe nach dem Sturm

Abgelegt unter: Schreib-Kraft, Alles, Geschichten — Buchstabenwiese at 4:34 pm on Donnerstag, März 4, 2010

Sonnenuntergang © Martina Hildebrand 2009

Die Ruhe nach dem Sturm

 

Die Sonne verschwand glühend hinter den Bergen. Ein langer Tag neigte sich dem Ende zu. Es war still geworden. Der Orkan, der tagelang auf ihrer kleinen Insel gewütet hatte, war vorüber. Friedliche Stille senkte sich auf das verwüstete Land und deckte es mit Erinnerungen zu.

 

Sabrina stand inmitten dieser Verwüstung, einsam und verloren. Sie konnte es nicht fassen. Der Sturm hatte sie hin- und hergerissen, ihr heftige Wunden zugefügt.

Es gab Momente, in denen sie glaubte, sie würde fortgerissen.

Momente, in denen sie sich dem Sturm wütend entgegenwarf und ihm zurief: „Hier hast du mich, nimm mich und trag mich davon. Dann hast du, was du willst. Aber hör endlich auf. Ich will und kann nicht mehr.“

Und dann gab es Momente, in denen sie sich vom Sturm willenlos treiben ließ, Momente, in denen sie einfach aufgab.

 

Doch der Sturm wollte sie nicht ganz. Er verschonte sie nicht, nein, bei Gott nicht. Er packte, schüttelte, missbrauchte sie aufs schändlichste, aber er nahm sie nicht mit.

 

Als er endlich von ihr abließ, fielen Angst, Wut und Trauer für einen Moment von Sabrina ab. Es war vorbei und sie hatte überlebt. Für einen Moment durchströmte sie Euphorie. Sie war erfüllt von einer unglaublichen Energie. Sie fühlte sich frei, glaubte fliegen zu können…

 

Doch dann stürzte sie hinab und schlug hart auf dem Boden auf. Jetzt erst sah, begriff sie das Ausmaß der Zerstörung.

Geliebte Menschen waren im Sturm verloren gegangen, ihr Haus, ihr Heim war zerstört, Bäume waren umgeknickt oder mit ihren Wurzeln aus der Erde herausgerissen worden. Sie selbst hatte tiefe Verletzungen davongetragen, von denen sie nicht wusste, wie sie jemals heilen sollten.

 

Die Erleichterung darüber, dass es vorbei war, wich einer unendlichen Leere. Sie hatte nichts mehr, außer ihr Leben.

 

Ihr Leben… dafür sollte sie dankbar sein. Sie wusste das, doch ihr Herz und ihre Seele konnten das nicht empfinden. Erschöpft sank sie inmitten der Verwüstung zu Boden. Unfähig sich zu bewegen, unfähig auch nur einen Gedanken zu fassen.

Sie war so müde, so unendlich müde…

 

Morgen, ja, morgen vielleicht, dachte sie und schloss die Augen…

 

Martina Hildebrand

34 Kommentare »

Kommentar von Erdbeere

4. März 2010 @ 17:13

Hi Martina,

von Dir? Kompliment! Eine ergreifende Erzählung. Gibt’s die schon bei Amazon? ;-) Würde sofort einen Platz in meinem Amazon Widget erhalten!

Erdbeere mit beeindruckten Gruß

Kommentar von Eveline

4. März 2010 @ 18:05

Klasse geschrieben, chapeau!!

Griassle, Eveline

Kommentar von Lilie

4. März 2010 @ 18:52

Liebe Martina,
diese Doppeldeutigkeit - hervorragend und erschütternd zugleich. Eine Geschichte wie ein Spiegel der Seele … mehr Worte bedarf es nicht.
Lass’ dich umarmen
Iris

Kommentar von Frau Wolkenlos

4. März 2010 @ 21:08

Liebe Martina,
das ist sehr tiefgründig und beschreibt das auf und ab der Gefühle die nur ein Mensch zu empfinden vermag.
Phantastisch geschrieben.
LG

Kommentar von Sabine

5. März 2010 @ 08:34

Schön geschrieben, liebe Martina
:-)
Viele Grüße
Sabine

Kommentar von Katinka

5. März 2010 @ 11:31

Liebe Martina,
das ist so ergreifend und nachvollziehbar geschrieben, toll!
Das Leben eben, ein Auf und Ab….

Und der Sonnenuntergang (-aufgang?) ist herrlich!

Ich knuddel Dich mal und lass Dir liebe Grüße zum Wochenende hier.
Katinka

Kommentar von Buchstabenwiese

5. März 2010 @ 14:05

Liebe Erdbeere,

ja, die kleine Szene ist von mir. Freut mich, dass sie dir gefällt. :-) Bei Amazon? *lach* nee, leider nicht. Aber ich habe sie auch erst vor zwei Tagen geschrieben. Also, wer weiß… ;-)

Liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Buchstabenwiese

5. März 2010 @ 14:05

Danke schön, liebe Eveline. *freu*

Liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Buchstabenwiese

5. März 2010 @ 14:07

Liebe Iris,

gut erkannt. ;-)
Danke für die liebe Umarmung, das tut gut.

Liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Buchstabenwiese

5. März 2010 @ 14:08

Danke schön, liebe Frau Wolkenlos.
Freut mich sehr, was du schreibst.

Liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Buchstabenwiese

5. März 2010 @ 14:09

Danke, liebe Sabine. :-)

Liebe Grüße an dich,
Martina

Kommentar von Buchstabenwiese

5. März 2010 @ 14:14

Es ist ein Sonnenuntergang, liebe Katinka.

Für Sonnenaufgänge stehe ich meist zu spät auf. ;-)
Sonnenuntergänge lassen sich hier aber auch besser fotografieren, da kann ich von hier aus aufs freie Feld gucken. Noch, jedenfalsl. Für einen gescheiten Sonnenaufgang müsste ich mich tatsächlich erst aufmachen, ansonsten habe ich immer die Häuser dazwischen. Und das ist doch meist so früh. Im Winter ist es zwar nicht soo früh, aber sooooooooooo kalt. ;-)

Freut mich sehr, dass dir die kleine Szene gefällt. Schön geknuddelt zu werden. :-)

Ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende.
Liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Gänseblümchen

5. März 2010 @ 15:30

Wunderschön! Sowohl die Geschichte, als auch das Bild!
Ich bin begeistert!

Werde dich mal favorisieren bei mir - dein Blog gefällt mir!

Liebe Grüße, das Gänseblümchen

Kommentar von Buchstabenwiese

5. März 2010 @ 22:19

Liebes Gänseblümchen,

danke schön. :-)
So viel Begeisterung lese ich aus deinem Kommentar. *freu*

Gänseblümchen erinnern mich immer an meine Kindheit, ich liebe diese Blümchen. Ich bin schon neugierig auf deinen Blog.

Liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Gänseblümchen

6. März 2010 @ 12:04

Liebe Martina,

vielen Dank und auch für die tollen Kommentare bei mir: Hab mich riesig gefreut!

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende,
und bis bald wieder!

Herzliche Gänseblümchengrüße

Kommentar von Buchstabenwiese

6. März 2010 @ 20:36

Liebes Gänseblümchen,

ich wünsche dir auch ein wunderschönes Wochenende.

Liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Arven (Michaela)

6. März 2010 @ 22:50

Einfach nur wunderschön, sehr berührend…
Genau das richtige an einem ruhigen Abend.

Liebe Grüsse und dicke Umarmung, Michaela

Kommentar von Helmut

7. März 2010 @ 00:22

Liebe Martina,

ganz große KLASSE, deine Kurzgeschichte. Ich konnte mir die Frau mit all ihren Gefühlen gut vorstellen.
Ja, so kann das Leben sein. Ich bin dankbar für jeden Tag, den ich gesund erleben darf. Seine Gesundheit kann man nicht für alles Geld der Welt kaufen. Und das ist gut so.

Ich wünsche dir eine gute Zeit, drück dich ein wengerl. Weist scho wie ich’s meine…

Lieben Gruß
Helmut

Kommentar von Cmdr. b0b

7. März 2010 @ 00:54

Uiii, das is aber schön geschrieben. Und das Bild is auch toll. Selbst geschossen oder von woanders.

Gruß, b0b

Kommentar von Andrea

7. März 2010 @ 10:24

Liebe Martina,
wunderschön, macht nachdenklich und berührt ….
Liebe Grüße
von Andrea

Kommentar von Buchstabenwiese

7. März 2010 @ 13:25

Danke schön, Michaela.
Tut gut. :-)

Liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Buchstabenwiese

7. März 2010 @ 13:30

Ja, ich weiß es, danke dir, lieber Helmut.

Freut mich sehr, dass der Text so gut ankommt.
Gesundheit, physisch wie psychisch, ist das Wichtigste, das sehe ich auch so.

Liebe Grüße an dich,
Martina

Kommentar von Buchstabenwiese

7. März 2010 @ 13:35

Hallo b0b,

danke schön und herzlich willkommen. :-)
Ja, das Bild habe ich selbst geschossen.

Na, da muss ich doch gleich mal gucken, wer b0b ist. ;-)

Liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Buchstabenwiese

7. März 2010 @ 13:36

Danke schön, liebe Andrea.

Liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Elisabeth

7. März 2010 @ 19:56

Liebe Martina,
zu deiner ergreifenden Geschichte kommen mir gerade ganz viele Gedanken… so vielschichtig… es braucht Zeit, der Schock sitzt tief… Aber das Leben ist da, und es ist so kostbar, so wertvoll - in manchen Momenten sieht man das allerdings nicht, kann es gar nicht sehen…
Es geht wieder bergauf… Am Ende ist alles gut… ich glaube daran…
Herzlichst Elisabeth

Kommentar von Traveller

7. März 2010 @ 21:39

da wird man ja durchgeschüttelt wie beim Sturm *daumenhochreck*

lieben Gruß
Uta

Kommentar von Buchstabenwiese

8. März 2010 @ 09:07

Ganz bestimmt, liebe Elisabeth.
Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht zu Ende. :-)

Liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Buchstabenwiese

8. März 2010 @ 09:07

Danke schön, liebe Uta.

Liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Katinka

8. März 2010 @ 11:02

Huhu liebe Martina,
treibt Pepper Dich nicht irgendwann aus dem Bett? Oder ist er ein Langschläferhund? :-)

Neuer Untermieter? Klar bin ich jetzt neugierig, erzähl doch mal ;-)
Wer Sturt ist, habe ich heute enträtselt….

Und wegen dem Wunderland: Es sieht ganz gut aus, also brauche ich die Grinsekatzen-Puschen wohl dafür nicht mehr ;-)
Seid Ihr schon gewesen?

Hab einen schönen Wochenstart, liebe Grüße
Katinka

Kommentar von Buchstabenwiese

8. März 2010 @ 12:58

Liebe Katinka,

so ist es, Pepper ist ein Langschläferhund. Er ist der letzte von uns, der aufsteht. :-)

Den neuen Untermieter stelle ich noch vor. Schon mal ein Tipp: Er ist aus Stoff, mag es etwas kälter und hat keine Kniescheiben. ;-)

Habe bei dir schon gestern nacht kurz reingelinst und Stuart entdeckt. Echt süß. Kommi kommt heute, war mir heute nacht zu spät. :-)

Cool, dann geht ihr auch in den Film. :-) Wir waren noch nicht, da wir am Donnerstag schon etwas Schönes gesehen haben, wo ich den neuen Untermieter her habe und wir am Dienstag auch schon wieder zu einer Show sind. Daher wollten wir uns den Film noch etwas aufheben.

Ich wünsche dir auch einen schönen Wochenbeginn und liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Ika (Dornen)

8. März 2010 @ 22:06

Liebe Martina,
einfach nur:
DANKE
Liebe Grüße
Ika

Kommentar von Buchstabenwiese

9. März 2010 @ 10:42

Dann sage ich einfach mal Danke und Bitte, liebe Ika.

Liebe Grüße,
Martina

Kommentar von Wally

10. März 2010 @ 11:12

Liebe Martina

Mal wieder eine deiner so herrlich zweideutigen Geschichten, die mag ich sehr :-) . Und mit deinem Text kann ich mich momentan auch voll identifizieren, ich fühle mich auch mal wieder wie vom Sturm durchgeschüttelt, bin auch `unfähig mich zu bewegen, und müde, so müde … ´ . Hab keinen Bock schon wieder aufzustehen, schon wieder die Trümmer beiseite zu räumen, neu aufzubauen. Wo ist der Prinz, der mich aufhebt und davonträgt aus diesem Trümmerland? - Keiner da. Aber aufgeben ändert auch nichts, also, hoch, auf die Beine, und retten, was noch zu retten ist *seufz*stöhn*

Liebe Grüße,
Wally

Kommentar von Buchstabenwiese

11. März 2010 @ 00:09

Liebe Wally,

ich kann dich so gut verstehen. Immer und immer wieder. Irgendwann ist die Kraft verbraucht. Manchmal möchte man einfach liegen bleiben, aufgeben. Aber was genau bedeutet das, aufgeben? *seufz*

Ich habe in dem Text einfach geschrieben, wie ich mich fühle. Vielleicht sollte man das öfter tun, diese Gefühle in Geschichten umwandeln. Am Ende schreiben wir dann doch noch einen Bestseller. ;-)

Liebe Grüße,
Martina

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