HERRlich…
Ein Rätsel, Männer und ihre Macken Jacken und warum ich heute gleich dreimal an einem Ort war, wo ich sonst nie hinkomme…
Was unsere Nachbarn wohl von mir dachten, als sie folgende Szene heute Nachmittag beobachteten?
Endlich Zuhause. Mein Schatz und ich stiegen lachend und gutgelaunt aus dem Auto, ich mit einer Flasche Sekt in der einen und mit einer prall gefüllten Handtasche in der anderen Hand. (Kaum zu glauben, es passen tatsächlich zwei kleine Flaschen Sekt in meine Handtasche!) Wie gesagt, ich stieg aus dem Auto und bekam erst mal einen Lachkrampf. Gleichzeitig verspürte ich noch ein anderes, dringendes Bedürfnis, was durch das hemmungslose Lachen noch gefördert wurde. Lachend ließ ich mich daher zurück auf den Beifahrersitz fallen, um Schlimmeres zu verhindern…
„Geht’s?“, fragte mein Schatz mich lachend.
„Nein“, war alles was ich herauspressen konnte, bevor mir vor Lachen die Tränen herunter liefen. Und das alles mit einer Flasche Sekt in der Hand und zwei kleinen Sektflaschen in der Tasche, die ja Gott sei Dank keiner sehen konnte.
Warum ich so lachen musste und was das mit der Überschrift zu tun hat? Ich erzähle es euch:

Zunächst mal, mein Schatz hat ja heute Geburtstag. Jawohl. Sein erster Geburtstag als Ehemann. Und weil er heute Geburtstag hat, haben meine Schwiegereltern uns zum Essen in ein gutes Restaurant eingeladen.
Mmmmmmmm, das Essen war wirklich lecker, mein Gläschen Rotwein war prima und das Ambiente dort war mehr als ansprechend. Auch die Bedienung war aufmerksam, zuvorkommend und super freundlich. Dann kamen noch die Sternsinger ins Restaurant, sangen ihr Liedchen und sprachen einen wirklich schönen Segen aus. Alles war perfekt und wir waren alle rundum zufrieden.

Wir zogen in der Garderobe unsere Jacken an, bekamen von der Restaurantchefin jeder eine kleine Flasche Sekt zum Neuen Jahr geschenkt und wurden mit Handschlag verabschiedet. Ja, so was habe ich heute auch das erste Mal erlebt. Wie gesagt, es passte einfach alles.

Bei meinen Schwiegereltern angekommen, fasste mein Schwiegervater in die Jackentasche und holte einen Schlüssel und eine Brille heraus.
„Was ist das denn?“, irritiert starrte er auf seine Ausbeute.
Wir guckten ihn an.
„Das ist nicht von mir…“
Stille.
„Habe ich die falsche Jacke an?“

Ehrlich gesagt wusste das keiner so genau, auch mein Schwiegervater nicht. Klar war nur, dass ihm der Tascheninhalt nicht gehörte.
Sollte man nicht wenigstens seine eigene Jacke kennen? Nun gut, was hilft das philosophieren, wenn wir so nur Zeit verlieren. Mein Schatz und ich fuhren also wieder zu dem Restaurant hin. Denn wenn das nicht die Jacke meines Schwiegervaters war, müsste die richtige Jacke eigentlich noch da hängen. Und da sich in der Tasche der falschen Jacke auch ein Autoschlüssel befand, konnte der Besitzer dieser Jacke ja auch nicht wegfahren… Soweit die Theorie.

Am Restaurant angekommen schilderten wir der Bedienung das Problem und suchten in der Garderobe nach einer Jacke, die so aussah wie die, die wir mitgebracht hatten. Doch da war keine Jacke, die dieser ähnlich war. Wir telefonierten mit meiner Schwiegermutter, ob irgendwelche Schildchen innerhalb der Jacke angebracht waren, die uns bei der Suche helfen konnten. Oh ja, gab es. Nur das das alles auf die mitgebrachte Jacke zutraf, auf keine andere.
Nun kam mein Schatz auf den Gedanken, dass der Besitzer des Autoschlüssels, versehentlich die Schlüssel sowie die Brille in die Tasche jener Jacke gesteckt haben könnte, die wir hier in der Hand hielten. Es gab also den Verdacht, dass die mitgebrachte Jacke, doch die Jacke vom Schwiegervater sein könnte. Denn hätte der andere Mann nicht bemerken müssen, wenn er die falsche Jacke angezogen hätte? Ja, so musste es sein. Doch sicher waren wir nicht. Woher auch sollten wir so genau die Jacke meines Schwiegervaters kennen, wenn er sie nicht mal selbst zu kennen scheint?
Es stellte sich heraus, dass mein Schwiegervater beim Anziehen der Jacke meinen Schatz gefragt hatte, also von MANN zu MANN, ob das auch seine Jacke sei. Was ja schon höchst verdächtig ist, wie ich als Frau finde. Mich hätte das dazu veranlasst, noch mal in der Garderobe nachzusehen, um sicher zu gehen. Nicht so mein Schatz. Er sah sich die Jacke an und meinte: “Ja, das ist deine.”

Was nun? Wir hatten eine Jacke, von der KEINER wusste, ob es nun die Jacke vom Schwiegervater war oder nicht, nicht mal mein Schwiegervater selbst. Und den unbekannten Autoschlüssel und die Brille. Die Restaurantbedienung hatte dezent jene Leute befragt, die zur gleichen Zeit wie wir da waren, ohne Erfolg. Keiner vermisste seinen Autoschlüssel. Eine vergleichbare Jacke zum Austausch war auch nicht da. Es konnte also die falsche Jacke sein, was bedeuten würde, dass ein anderer mit der Jacke meines Schwiegervaters nach Hause gegangen ist, es konnte aber auch sein, dass diese hier die richtige Jacke mit falschem Inhalt war.

Genau genommen wussten wir also nichts. So ließen wir die Jacke erst mal da, hinterließen die Telefonnummer meiner Schwiegereltern und fuhren zurück.
In der Zwischenzeit hatte das Restaurant bei meinen Schwiegereltern angerufen, dass die Jacke von meinem Schwiegervater nun auf dem Weg zurück ins Restaurant sei. Na prima.

Mein Schatz und ich machten uns schließlich zum dritten Mal auf den Weg zum Restaurant, um die Jacke abzuholen. Über eine Stunde sind wir also heute hin- und hergefahren, nur wegen einer vertauschten Jacke! Und als Entschädigung gab es eine Flasche Sekt von meiner Schwiegermutter.

Man stelle sich vor, ein Mann hängt SEINE Jacke in die Garderobe. Ein anderer Mann hängt SEINE Jacke ebenfalls in die Garderobe, vermutlich direkt daneben. Das Unglück will, dass die Jacken sich ähnlich sind, obwohl bei nachträglicher, fraulicher (!) Betrachtung, immerhin das Innenfutter völlig anders aussieht. Der eine Mann zieht die falsche Jacke an, bemerkt es nicht. Der andere Mann zieht auch die falsche Jacke an und bemerkt es auch nicht. Nur ein Autoschlüssel und eine Brille führen dazu, dass der ungewollte Tausch überhaupt bemerkt wird.

Was sagt mir das?
Jeder Mann sollte etwas in seine Jackentasche stecken, von dem er genau weiß, dass es ihm gehört. Vielleicht sollten Männer immer einen Zettel mit ihrem Namen und ihrer Adresse und Telefonnummer in der Tasche haben. So kann weder die Jacke, noch der Mann verloren gehen.

Nur über eine Sache spekuliere ich noch:
Wie konnte der Mann ohne Autoschlüssel nach Hause fahren?
Martina Hildebrand