Irgendwann - Mein Hängezeit-Beitrag
Irgendwann…
Stellt euch vor, ich stehe unter der Dusche…
*räusper* Die Männer machen gefälligst die Augen zu!
…und was mir einfällt ist dies hier:
„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“
Zack! Bumm! Einfach so.
Kennt ihr das, dass Worte plötzlich eine andere Bedeutung für euch bekommen, als bisher?
Ihr glaubtet die Bedeutung einer Weisheit verstanden zu haben und auf einmal seht ihr sie mit anderen Augen?
So als sei sie durch den Duschkopf gleich ins Gehirn geflossen?
“Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.”
Ich mochte diesen Spruch nicht besonders, er war für mich gleichbedeutend mit all den elenden Pflichten, zu denen man keine Lust hat. Und stets sah ich den erhobenen Zeigefinger dabei. So in der Art: „Nu mach aber mal voran, sei nicht so faul!“
Daher wandelte ich ihn gerne ab in: „Was du heute kannst besorgen, dass verschiebe ruhig auf morgen.“
Doch an jenem Morgen unter der Dusche bekam ausgerechnet dieser blöde Spruch eine völlig andere Bedeutung für mich.
Schon seit geraumer Zeit plagt mich die Angst schwerwiegend zu erkranken, dass mir irgendwann ein Arzt sagt, da ist nix mehr zu machen.
Okay, dazu müsste mich erst mal ein Arzt zu Gesicht bekommen… Aber im Ernst, ich denke oft daran plötzlich zu sterben, ohne all die Dinge getan zu haben, die ich „irgendwann“ mal machen möchte. Was ist, wenn ich gar nicht mehr bis „irgendwann“ lebe? Was ist, wenn ich zu einem Zeitpunkt sterbe, an dem ich unglücklich bin? Was, wenn ich sterbe und ich habe kein einziges Buch geschrieben?
Nein, um ehrlich zu sein, finde ich diese Gedanken gar nicht so abwegig. Zu viele Menschen sind um mich herum schon durch Unfälle und Krankheiten gestorben. Einige davon viel zu jung. Mir ist bewusst, dass das Leben von einer Sekunde zur nächsten ausgelöscht werden kann. Bei jedem von uns. Einfach so. Schnipp.
Mir macht das Angst. Mal mehr, mal weniger. Und all die Meldungen über Krebserkrankungen, sonstige Krankheiten und Todesnachrichten, die von überall in den Medien auf uns einstürmen, geben mir das Gefühl, dass ich nicht immer verschont bleiben kann, wo es doch fast jeden zu treffen scheint. Es scheint einfach logisch zu sein, dass ich irgendwann dran bin.
Natürlich muss jeder irgendwann sterben. Irgendwann. Doch irgendwann kann schon im nächsten Moment sein.
Ist es da nicht riskant, all die Dinge, die man gerne noch getan hätte, immer wieder auf morgen zu verschieben, auf „irgendwann“?
Martina Hildebrand, angezogen und nachdenklich