Ein Glücks-Stöckchen
Das Glücks-Stöckchen
Die liebe Michaela hat mir erneut ein Stöckchen zugeworfen. Diesmal geht es ums Glücklichsein. Nach den zehn nervigsten Dingen, sollen es nun zehn Dinge sein, die mich glücklich machen.
Da muss ich mal nachdenken, was macht mich glücklich?
Es gab eine Zeit, da hätte ich diese Frage nicht beantworten können. Sie gar nicht beantworten wollen. In dieser Zeit war mir das „Glücklichsein-Gefühl“ weitestgehend abhanden gekommen. Es lag verschüttet unter einem riesigen Berg von schlimmen Dingen, die zu schnell hintereinander und zum Teil auch gleichzeitig auf mich niedergeprasselt sind.

Irgendwann waren meine Kräfte aufgebraucht, doch aufgehört hat es trotzdem nicht. Meine Gefühlswelt schwankte da eher zwischen unendlicher Traurigkeit, unbändiger Wut, Hoffnungslosigkeit, Angst, Hilflosigkeit bis hin zur Gefühllosigkeit. Ich war froh oder auch nicht, wenn ich irgendwie durch den Tag kam und es ausnahmsweise mal keine Hiobsbotschaften gab. Glücklichsein war da eher zweitrangig und ein äußerst seltener Gast. Ich fühlte mich wie von einer Planierraupe platt gewalzt und noch mal gewalzt und noch mal und noch mal und noch mal… 
Meine Seele war in tausend Teile zersprungen, mein Herz völlig zerfetzt. Ich hatte den Glauben an alles verloren.
Doch jetzt, nachdem der enorme Druck von mir genommen ist, ich wieder durchatmen kann, verschiedene Dinge sich gebessert haben, ich die Welt um mich herum wieder wahrnehmen kann und wieder bereit bin immer ein Stückchen mehr am Leben teilzunehmen, gibt es auch wieder Dinge, die mich glücklich machen.
So, dann fange ich einfach mal an. Die Reihenfolge ist dabei ohne Bedeutung und außerdem glaube ich, dass sich die Dinge, die mich glücklich machen, auch von Zeit zu Zeit mal ändern können.
Das macht mich also zurzeit glücklich:
- Tage, an denen ich spüre, dass meine Kraft zurückkommt, um z.B. die alltäglichen Dinge im Haushalt zu erledigen.
- Motorradfahren mit meinem Schatz. Mich in die Motorradklamotten zu werfen, mich auf die Maschine zu schwingen und Vertrauen zu spüren. Vertrauen zu meinem Schatz und zum Leben, daran zu glauben, dass alles gut gehen wird. Einfach nur genießen.
- Mein Hündchen. Wenn ich sehe, wie fröhlich und interessiert er durch die Welt hüpft oder wie süß er manchmal beim Schlafen aussieht, muss ich unweigerlich lächeln. Es macht mich glücklich, wenn ich sehe, dass es ihm gut geht.
- Mit gutem Gewissen eine Tasse Kaffee und einen Riegel Schokolade genießen. Oder frische Erdbeeren mit Vanilleeis. Gummibärchen sind auch lecker.
- Der Gedanke an unsere bevorstehende Hochzeit.
- Wenn ich ein tolles Motiv zum Fotografieren entdeckt habe und ich beim Fotografieren Zeit und Raum vergesse.
- Das Schreiben, besonders wenn ich selbst der Meinung bin, dass mir ein Text oder eine Geschichte gut gelungen sind oder ich eine tolle Idee zum Schreiben habe.
- Ein gutes Gespräch mit einem netten Menschen.
- Ein richtig gutes Buch, ein schöner Film, ein klasse Lied.
- Mit meinem Schatz griechisch essen gehen.
Ich weiß, es sind schon zehn Dinge, aber das hier muss ich unbedingt auch noch aufführen:
- Ein Tag im Sternverlag in Düsseldorf oder in der Mayerschen Buchhandlung in Aachen, an dem ich auch noch ein Budget für Buchkäufe zur Verfügung habe. Himmlisch!

Ach, jetzt fällt mir noch viel mehr ein, aber das reicht wohl fürs Erste.
Und? Wer fängt das Stöckchen jetzt, wer will übers Glücklichsein nachdenken und dabei glücklich sein?
Ich werfe mal ein paar Stöckchen einfach so durch die Gegend. 
Ah, wie ich sehe fliegt ein Stöckchen schnurstracks zur Lilie, eins landet bei Wally vor die Füße, eins steuert das Katzenparadies bei Andrea an, eins fliegt zur Ika, die das Stöckchen hoffentlich nicht mit einem Stab für den Staffellauf verwechselt und eins schafft es sogar bis in die Schweiz, zur Andrea2007.
Ein paar weitere Stöckchen lass ich einfach mal hier herumliegen. Wer möchte darf sich gerne bedienen.

Martina Müller