Wer bin ich?
Wer bin ich?
Was tut man, wenn man einen „Persönlichkeitstest“ macht und sich bei einigen Antworten partout nicht zwischen zweien entscheiden kann?
Richtig, man macht ihn einfach mehrmals, so wie ich.
Wundern sollte man sich allerdings nicht, wenn auch zwei verschiedene Figuren herauskommen.
Eigentlich kann man ja nicht gleichzeitig zwei Figuren sein, nicht wahr? Doch zum Glück kommt hier mein Lieblingswort zum Tragen, das so wunderbare Hintertürchen offenhält: Eigentlich. Ich liebe dieses Wort.
Na klar kann man, Mensch! Wer passt schon genau in ein Schema rein. Also, ich nicht.
Schlummert nicht in jedem von uns mehr als eine Figur? Die eine ist vorwitzig und spielt sich ständig in den Vordergrund, während die andere hin und wieder mal vorbeihuscht. Manch eine lässt sich nur dann blicken, wenn sie keiner sehen kann oder dann wenn wir sie gerade nicht brauchen können. Und ab und zu taucht mal eine auf, die wir am liebsten in die Wüste schicken würden. Und je mehr wir diese Figur ignorieren, desto stärker drängelt sie sich in den Vordergrund. Also beachten und respektieren wir sie am besten alle, so wissen wir wenigstens wo sie sind.
Die geheimnisvollen Grinsekatzen unter euch wissen um was es hier geht. Um den „Persönlichkeitstest“ von „Alice im Wunderland“. Klar, ganz so ernst sollte man ihn nicht nehmen. Aber vielleicht steckt ja doch ein Körnchen Wahrheit drin.
Schauen wir doch mal nach *Seziermesser wetz*.
Das ist die erste Figur, die sich in mir tummeln soll:
Strahlende Schönheit… aha.
Also, ich fühle mich jetzt zwar nicht hässlich (lassen wir die PMS-Phase mal außer acht), aber es gibt so viel schönere Frauen als mich und Schönheit ist ja auch irgendwie Geschmacksache. Außerdem bin ich der Meinung, dass Schönheit in erster Linie von Innen kommt. Die Ausstrahlung macht’s. Okay, es gibt Tage, da scheine ich diese Ausstrahlung zu haben, wenn es nur diese anderen, düsteren Tage nicht gäbe… *seufz*
Da fällt mir ein Erlebnis ein, das sich vor ein paar Jahren zugetragen hat: Als ich mich auf dem Weg zu meiner Mama im Aufzug eines Krankenhauses befand, sah mich ein älterer Herr an. Er betrachtete mich, lächelte und meinte, in meiner Gegenwart würde man sich gleich gesünder fühlen.
(Vielleicht sollte ich als Heilerin arbeiten. Ich bräuchte gar nichts tun, nur erscheinen.)
Ich habe es nie vergessen, denn so ein außergewöhnliches Kompliment bekommt man wohl eher selten von einem völlig fremden Menschen.
Dazu fällt mir ein, dass mein Paps mal zu jemandem gesagt hat, ich wäre immer fröhlich und würde viel lachen. Immer fröhlich bin ich ganz sicher nicht, aber offenbar hat er mich so gesehen.
Ich glaube ja, dass ALLE Menschen schön sind, wenn sie von Herzen lächeln.
Zurückhaltend? Ja, so wirke ich oft, obwohl ich im Inneren gerne anders wäre.
Manipulativ? Sagen wir es mal so: Auch wenn man zurückhaltend ist, kann man bekommen, was man will. Nicht immer, aber hier und da schon.
Jeder will mir zu Diensten sein? Wow, schön wär’s. Vielleicht sollte ich das ausdrucken und an alle verteilen, damit sie auch Bescheid wissen, dass sie das wollen.
Fazit:
Als Kind wollte ich immer eine schöne Prinzessin sein. Das war mein Berufswunsch Nr. 1. So hatte ich mir auch irgendwie einen Thron aus einem Stuhl, vielen Kissen und einem Sitzkissen gemacht, und ein roter Morgenmantel stellte meine königliche Robe dar. Meine Stofftiere und Puppen waren mir dann als Untertanen zu Diensten *grins*, wenn ich sie nicht gerade als Tierärztin versorgte.
Die weiße Königin könnte also durchaus eine Seite von mir sein.
Und das ist die zweite Figur:
Ich weiß nicht immer was ich will, aber sehr genau, was ich nicht will?
Ja Hallo, da fühle ich mich doch gleich Zuhause. Aber sowas von. Muss ich dazu noch mehr schreiben?
Ich lasse mir nichts vorschreiben…
Ja, äußerst ungern. Nicht mal das, was ich vielleicht sowieso wollte.
Dennoch tue ich manchmal Dinge, die ich nicht tun will, weil ich mich verpflichtet fühle oder um des lieben Friedens willen. Harmonie ist mir eben auch wichtig. Allerdings geht das manchmal auf Kosten meiner inneren Harmonie. Das gefällt mir natürlich nicht, aber ich lerne ja dazu und das bringt mich zum zweiten Teil des Satzes:
…wenn ich mir meiner erst sicher bin, kann mich nichts mehr aufhalten.
Passt perfekt. Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann kann ich auch anders als zurückhaltend sein.
Jeder sollte einmal einem weißen Kaninchen hinterherjagen.
Ja, das sollte er. Da begegnet man merkwürdigen Geschöpfen und sieht die Welt aus einem anderen Blickwinkel. Kann manchmal helfen.
Ich laufe ja regelmäßig dem weißen Kaninchen hinterher, immer wenn ich schreibe oder fotografiere. So bin ich schon einigen seltsamen Kreaturen begegnet.
Fazit:
Alice passt zu mir. Aber wie gesagt, in mir tummeln sich bestimmt noch mehr Figuren.
Jetzt würde ich auch gerne den Film ansehen. Da muss ich wohl mal die weiße Königin in mir raus lassen und Herrn Buchstabenwiese überzeugen…
Vielleicht fragt ihr euch: Warum hat sie den Test nicht einfach nur gemacht und das Ergebnis hier gepostet?
Ganz einfach: Das wäre mir zu langweilig gewesen, wo ich doch so gerne analysiere.
Und, zu welcher Figur passt das nun?
Na?
Ich würde sagen…
…lasst mich mal nachdenken…
…ja genau:
Zu mir! So bin ich eben.
Und nun muss ich mich beeilen, es ist schon spät, das weiße Kaninchen drängelt schon wieder…
Martina Hildebrand
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