Hochzeitsbericht
Teil 1
Der Hochzeitsmorgen und ein besonderer Augenblick
Endlich ist er da, DER Tag. Unser Hochzeitstag.
Wow, so viele sind gekommen. Familie, alte Freunde, ehemalige Kollegen… ich bin so gerührt. Der Raum ist voll mit lieben Menschen, die am Tag unserer Hochzeit an unserer Seite sein wollen…
Doch noch bevor die Hochzeit angefangen hat, sind plötzlich alle weg. Sie sind Musik hören, die mein Schatz irgendwo in der Ferne macht. Merkwürdig. Und ich bin noch nicht mal umgezogen. Wo ist überhaupt mein Kleid? Und die Kette? Hilfe, ich habe die Kette von meiner Mutter vergessen. Die wollte ich doch heute tragen. Panik. Und wieso zum Kuckuck habe ich ORANGEFARBENE (!) Unterwäsche dabei???
Dann verschwindet auch noch jemand. Wer? Keine Ahnung, ich habe ja offensichtlich genug mit mir selbst zu tun.
Die Hochzeit beginnt eine ganze Stunde später als geplant, und dann auch noch das: Meiner Schwiegermutter gefällt das Kleid nicht!
Was für ein Albtraum.
Ich wache auf und stelle fest, dass ich in meinem Bett liege. Es ist die Nacht vor der Hochzeit und alles ist gut. Es war tatsächlich alles nur ein Traum. Puh, noch mal Glück gehabt. Also, alles wieder auf Anfang spulen.
Ich liege eine Weile wach und frage mich, was das für ein lautes Rauschen ist. Regnet es? Na prima, es schüttet wie aus Eimern! Es hört sich an, als wären die Niagara Fälle direkt über uns. Wenn das so bleibt, na dann Prost Mahlzeit, denke ich noch, bevor ich wieder ins Land der Träume versinke.
Am Hochzeitsmorgen wachen wir tatsächlich pünktlich auf und es regnet nicht. Hallelujah, und ich hatte im Geiste meine perfekte Brautfrisur schon zu einem nassen Etwas zusammenfallen sehen. Dennoch, alles ist nass draußen und die heutige Regenwahrscheinlichkeit liegt bei 75 %! Nicht gerade beruhigend. Hätten wir nur gestern geheiratet, da war supertolles Bilderbuch-Sonnenwetter. Ich glaube Petrus wird alt, er hat das Datum verwechselt.
Trotz Aufregung brauche ich auch am Hochzeitsmorgen erst mal einen Kaffee zum Wachwerden. Ohne geht gar nix. Im Radio läuft „Es war ne geile Zeit…“. Moment mal. Ist das irgendwie eine versteckte Botschaft? Soll das heißen, dass die geile Zeit vorbei ist? Hmmm… Nee, sie fängt doch gerade erst an, oder täusche ich mich. Ich lasse kurz mein bisheriges Leben Revue passieren. Ja, es waren schon geile Zeiten dabei, aber es gab auch andere Zeiten, die weniger schön bis besch… waren.
Nichtsdestotrotz, heute fängt für mich, für uns, eine neue Zeit an, und zwar eine geile Zeit! Basta! Beschlossen und besiegelt.
Entgegen meiner Horrorfantasien der letzten Tage, in denen praktisch alles schief gelaufen ist, was nur schief laufen kann, läuft alles nach Plan. Ich bin pünktlich beim Friseur, wo meine Haare hochgesteckt werden und ich dezent geschminkt werde. Ich bin pünktlich und trocken (!) zurück, wo meine zukünftige Schwägerin mit Pepper auf mich wartet, um mir ins Kleid zu helfen. Mein Schatz ist mit seinem Bruder und Trauzeugen bereits auf dem Weg zu seinen Eltern, um sich dort fertig zu machen. Perfekt. Denn mein Schatz wollte weder das Kleid noch sonst irgendwas vorab sehen. Er wollte von mir überrascht werden, den Augenblick genießen, an dem er mich zum ersten Mal als Braut sieht.
Bevor ich nun aber das schwer erkämpfte Kleid anziehe, trinken meine zukünftige Schwägerin und ich noch ein Gläschen Sekt zum Einstimmen. Ja, so viel Zeit muss sein.
Und da ich jetzt eh nichts mehr groß beeinflussen kann, werde ich langsam ruhiger. Es kommt wie es kommt. Und vielleicht tut auch der Sekt seine Wirkung.
Dann ist es soweit. Ich bin fertig. Das Kleid passt, nichts ist gerissen und die Frisur lebt auch noch. Und als meine zukünftige Schwägerin ein „Du siehst toll aus“ von sich gibt, kann es von mir aus losgehen. Wie auf Bestellung höre ich, wie jemand die Haustüre aufschließt.
Jetzt ist er da, der Augenblick, in dem MEIN Bräutigam mich zum ersten Mal in meinem Kleid sehen wird. Erwartungsvoll und aufgeregt steht er unten im Flur, während ich mich bereit mache die Treppe hinunter zu schreiten…
Fortsetzung folgt…
Martina Hildebrand





