Ein Stöckchen für die Nerven

Abgelegt unter: Stoeckchen, Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 6:21 pm on Sonntag, Juni 28, 2009

Pepper © Martina Müller 2004 

Ein Stöckchen für die Nerven

Die Top Ten Liste der nervigsten Dinge aus meinem Alltag 

Eigentlich mache ich mir sonst keine Gedanken darüber, was ich alles nervig finde. Denn dann wäre ich ja genervt, obwohl ich in dem Moment gar nicht genervt sein müsste, weil das Nervige gerade nicht akut nerven würde. Ich bin sicher ihr wisst, was ich meine.

 

Wenn ich mich über etwas tierisch aufgeregt habe, und das zur vollsten Zufriedenheit meines inneren Krawallmännchens, dann kommt dieses nervige Etwas in eine Schublade, die ich dann ordentlich zuschubse. Und wenn sie nicht zugehen will, dann schubse ich solange bis sie zubleibt. Aber es gibt Schubladen, die gehen immer wieder auf. Na ja.

 

Und jetzt hat mich dieses selbst kreierte Stöckchen von der lieben Michaela an den Kopf getroffen und schwupps gehen ein paar Schubladen auf. Na, dann gucken wir doch mal hinein.

Meine Top Ten Liste der nervigsten Dinge im Alltag 

Platz 10

Besuch, der zu früh kommt, weil ich dann garantiert noch nicht fertig bin, und der dann auch noch blöd erstaunt fragt: „Wie, du bist noch nicht fertig?“ Nein, bin ich nicht. Das Leben ist schließlich kein Militär, bei dem ich zu jeder Zeit auf Kommando parat zu stehen habe. Aber du kannst gerne noch das Wohnzimmer saugen, wenn du schon mal da bist, während ich mich dann anziehe.

 

Platz 09

Fremde Leute, die glauben meinen Hund besser zu kennen als ich, obwohl sie ihn das erste Mal sehen, während ich seit fünf Jahren fast 24 Stunden am Tag mit ihm verbringe.

Platz 08

Hundebesitzer, die einen 60-Kilo-Rüden mit einem schmächtigen Teenie-Mädchen spazieren schicken, obwohl der Hund noch nicht komplett erzogen ist und das Mädchen den Rüden im Falle eines Falles nicht halten kann. Ich WEISS, dass sie ihn nicht halten kann. Es ist nämlich nicht witzig, wenn dieser massige Rüde sich losreißt und auf meinen 10-Kilo-Giftzwerg-Rüden – dem die ungleichen Größenverhältnisse offenbar schnuppe sind –  losgeht. Der Affentanz, den ich dann veranstalten muss, um meinen keifenden Rüden hinter mir zu halten, während der Riesenrüde versucht an mir vorbeizukommen, mag lustig aussehen, ist aber alles andere als spaßig. Hunde sind und bleiben Tiere, die in solchen Momenten für Worte nicht zugänglich sind. Das schafft man ja nicht mal bei testosteronüberfluteten Männern, die sich gerade die Köpfe einschlagen wollen. Wie könnte man das dann von einem Hund erwarten.

Platz 7

Fernsehwerbung, die den Film jedes Mal an der spannendsten, traurigsten oder romantischsten Szene unterbricht.

Boah, da hat man sich in die Szene hineingefühlt, die Tränen warten auf ihren großen Auftritt, die Hand tastet schon nach dem Taschentuch, gleich ist es soweit…

Z O N G! Szenenwechsel.

Du starrst fassungslos auf den Bildschirm und fragst dich, was ein Schokoriegel mit dem Untergang der Titanic zu tun hat.

„Gleich geht es weiter.“ Mühsam klettern die Worte deine Gehirnwindungen hoch und holen dich in die Realität zurück. Tapfer schluckst du die angestauten Tränen hinunter und entsorgst sie auf anderem Wege.

Geht der Film dann ENDLICH weiter, ist garantiert jede Stimmung verflogen. Ja, du kannst froh sein, wenn du dich überhaupt noch erinnerst, dass du diesen einen Film angeschaut hast und nicht auf einem anderen Programm hängen bleibst.   

Platz 6

PMS!!! Drei Buchstaben, die es in sich haben… mehr sage ich dazu nicht.

Platz 5

Fahrradfahrer, die auf einem Weg, den sich Fußgänger und Fahrradfahrer teilen müssen (ist bei uns im Dorf nun mal so), in einem Affentempo von hinten an meinem Hündchen und mir vorbeirasen und entweder zu dem Schlag „Isch `abe garr keine Klingel“ gehören oder glauben, eine Klingel beiße, wenn man sie auch nur schief anguckt.

Lieber Raser Fahrradfahrer, habe ich hinten vielleicht Augen oder Rückspiegel auf der Nase? Erstens gehört Ihnen dieser Weg NICHT alleine, zweitens ist unser Dorf kein weiterer Abschnitt der Tour de France und drittens könnte Klingeln Sie, mich und meinen Hund vor Schrammen, Prellungen, Knochenbrüchen, Gehirnprellungen und Schlimmeres bewahren. Hunde wechseln nämlich oftmals völlig abrupt die Richtung, wenn ein interessanter Geruch herüberweht. Das Klingeln nutzt allerdings nur dann etwas, wenn es FRÜHZEITIG ertönt, nicht erst wenn Sie mir schon fast in die Fersen gefahren sind. Es sei denn, es ist Ihr ausdrücklicher Wunsch, dass ich vor Schreck genau in ihr Fahrrad hüpfe. Aua.

Platz 4

Doofe Autofahrer, die auf einem schmalen Feldweg fahren, auf dem sie gar NICHT fahren dürfen

Feldweg © Martina Müller 2009

 Durchfahrt verboten © Martina Müller 2009 

und dann auch noch ungehalten reagieren, wenn ich nicht SOFORT, auf der Stelle, kopfüber ins Feld springe, um Platz zu machen, sondern erst meinen Hund in Sicherheit bringe und dann mich. Da WÜRDE ich manches Mal gerne ein Brett mit Nägeln auf die Fahrbahn legen. Piff! So!  Jetzt ist es raus!

Platz 3

Bügeln!!!

                            

Platz 2

Wenn MEIN perfekter Lippenstift, den ich endlich nach langer Suche unter Einsatz meines Lebens gefunden habe, vom Hersteller aus dem Programm genommen wird!!!! Nein, ich will keine der 198 anderen Farben, nur weil Ihnen, lieber Hersteller, gerade der Sinn nach Veränderungen steht! Ich will NUR meine Farbe. Denn sie ist die einzige auf der ganzen weiten Welt, die zu mir passt und ich hasse es mir einen neuen Lippenstift suchen zu müssen.

Und wieso gibt es überhaupt Lippenstifte, die nicht kussecht sind? Wer benutzt die eigentlich? So ein Lippenstift muss den ganzen Tag halten! Punkt. Da gibt es keine Diskussion. Wie beim Haarspray.

Meine Zunge fährt über die Lippen, der Lippenstift hält.

Ich knutsche meinen Schatz, der Lippenstift hält.

Ich esse Schokolade und trinke leckereren Kaffee dazu, der Lippenstift hält.

So muss das sein, lieber Hersteller, und zwar ohne die Lippen auszutrocknen!

Aber was nutzt mir der perfekte Lippenstift, wenn Sie MEINE Farbe aus dem Programm nehmen!!!

Platz 1

Technik, die nicht funktioniert!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!  Da könnte ich ausrasten. Ich liebe Technik, aber sie muss funktionieren.

 

Die absolute Krönung ist es, wenn Punkt 6 (PMS) mit einer der anderen 9 Punkte zusammentrifft…

 

So, nun schubse ich die Schubsladen wieder zu. Zack! Ich habe fertig.

 

Und jetzt soll ich noch mindestens zwei Blogger mit dem Stöckchen bewerfen. Na, wer meldet sich freiwillig und möchte mal seinen Frust von der Seele schreiben?

Keiner?

Dann werfe das Stöckchen einfach mal Richtung Wally und Martina (MinaLosa), um sie bei ihrer erfreulicherweise wieder gewonnenen Schreiblust zu unterstützen. Außerdem werfe ich noch ein paar weitere Stöckchen in die Runde, für alle, die einfach Lust darauf haben.

 

Martina Müller

Mit dem Motorrad in die Karibik…

Abgelegt unter: Gluecksmomente, Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 2:42 pm on Samstag, Juni 20, 2009

Brücke im Wald © Martina Müller 2009 

Mit dem Motorrad in die Karibik 

Es geschah an einem Sonntag. Genau genommen letzten Sonntag. Doch bevor ich anfange zu erzählen, muss ich noch etwas klarstellen: Ich habe mich nirgendwo hingeträumt, es ist wirklich und wahrhaftig passiert. Ich schwöre!

 

Es begann damit, dass wir beschlossen Motorrad zu fahren, obwohl dunkle Wolken den Himmel bevölkerten. Klar, die Sonne schien. Nur nicht hier. Wir würden uns eben auf die Suche nach Löchern in den Wolken begeben und dem Regen davonfahren. Nichts auf der Welt hätte uns vom Motorradfahren abhalten können, nachdem wir am Samstag bei IDEALEM! – BESSER-GEHT’S-NICHT -Motorradwetter nur knappe zwei Stunden Zeit dafür hatten. Wir fuhren in die Richtung, in der wir die Sonne vermuteten. Fünf Minuten später tropfte es auf mein Visier. Na Prima. Links herum sah es heller aus, also bogen wir ab und wurden richtig nass…

 

Aufgeben und nach Hause fahren?

Nee! Solange unsere Klamotten nicht durchnässt waren, war das für heute keine Option.

 

Wir cruisten kreuz und quer, wohin der Himmel uns führte, immer den helleren Stellen hinterher. Es hörte tatsächlich auf zu regnen und wir wurden eins mit dem Motorrad, der Straße, der Natur. Nach einiger Zeit fuhren wir einen kleinen Weg hinein und landeten auf einen Parkplatz mitten im Wald. Vor uns führte eine Holzbrücke über einen Bach auf einen See zu. Wow. Wo sind wir noch mal? Egal, auf jeden Fall ist es ein schöner Ort für eine Pause. Ja, die Sonne schien immer noch… woanders. Egal. Absteigen, Handschuhe aus, Helm ab, Kamera her.

 

Die Fotografin in mir forderte trotz des schlechten Lichts ihr Recht. Mit meiner kleinen Kamera bewaffnet stapfte ich also zur Brücke und knipste hier und knipste da: Wasser, Bäume, eine Bank, eine quirlige Labradorhündin, die im Bach einem Stöckchen hinterher hüpfte und schließlich vier ältere Damen, die es sich auf der Bank am Bach gemütlich machten.

 

Vier Damen auf der Bank © Martina Müller 2009

 

Diese vier Damen veranstalteten tatsächlich bei DEM Wetter ein PICKNICK im Wald. Sie legten eine Decke auf und eine Decke vor die Bank und packten Trink- und Knabberzeugs aus. Mir gefiel der Anblick, wie sie auf der Bank nebeneinander saßen und schwatzten. Es verlieh dem etwas düsteren Wald ein wenig Farbe. Doch da ist eine Frage, die sich mir im Nachhinein stellt: Befanden sich die vier Damen wirklich ZUFÄLLIG ausgerechnet zu der Zeit auf dieser Bank? Vielleicht saßen sie dort, weil sie auf etwas warteten… Hätte ich schon ahnen können, welch ein Anblick mir ein paar Minuten später noch zuteil werden würde? Nein, damit hätte ich einfach nicht rechnen können. Wer kommt denn auf so was?

 

Oder hätte ich etwas ahnen müssen, als tatsächlich die Sonne für ein paar Momente durch die Wolken lugte? Immerhin arbeite ich als Autorin auch mit solchen Wettermetaphern. Nein, auch an dieser Stelle hätte ich nicht den leisesten Hauch einer Ahnung haben können. Schließlich war das ja kein Roman.

 

Die Sonne bricht durch © Martina Müller 2009

 

Nachdem die Fotografenseele Ruhe hatte, stiefelten wir zurück zum Motorrad, packten die Kamera in den Tankrucksack und begannen uns für die Weiterfahrt fertigzumachen.

Da stieß mein Schatz mich an. Ich guckte ihn an und folgte seinem Blick Richtung Holzbrücke. Meine Augen wurden groß, mein Mund klappte auf und blieb für die nächsten Minuten so stehen.

 

Gerade noch im Wald, jetzt schon in der Karibik. Ich spüre feinen Sand unter den Füßen, höre die Wellen rauschen, die Sonne scheint am azurblauen Himmel und atemberaubende Surfer mit nass glänzenden Superbodys und weißen Zähnen lächeln mich an…

 

Ich glaub’ ich steh im Wald. Da kommt ein Gott von einem Mann, barfuss, nur in Badeshorts gekleidet, mit einem Surfbrett! unter dem Arm auf uns zu, als wäre das HIER in Deutschland, mitten im Wald, bei diesen Temperaturen, das Normalste der Welt. Irgendwer muss ihn direkt aus der Karibik hierher gebeamt haben. Anders kann ich es mir nicht erklären. Sein Gang ist so geschmeidig, als würden seine Fußsohlen nicht von kleinen spitzen Steinen auf hartem Boden traktiert, sondern, als würde er auf feinem Sand, durch die karibische Sonne spazieren. Wie selbstverständlich läuft er mit einem Lächeln und seinem leicht gebräunten Sixpack-Body an uns vorbei, auf seinen blauen Campingbus zu und entschwindet unseren Blicken…

 

Nein, ich habe keine Fotos gemacht. Als ob ich in dem Moment daran hätte denken können!

 

„Der kann es sich leisten, so herumzulaufen“, holt mein Schatz mich lächelnd aus meiner Trance. Sein Blick geht zu der Bank mit den vier Damen: „Die erinnern mich an eine Szene aus Private Practice oder an die Cola-Light-Werbung. Bestimmt haben sie sich extra auf die Bank gesetzt um den Anblick des Surfers nicht zu verpassen.“ Er lacht und ich muss mitlachen. Ich weiß genau, was er meint.

 

Während mein Schatz, mit Helm und Handschuhen bekleidet, bereit zum Weiterfahren ist, ist mein Geist, noch vollkommen verwirrt, in der Karibik gefangen. Ich stelle fest, dass ich zwar meine Handschuhe schon anhabe (wie auch immer die an meine Hände gekommen sind), aber den Helm noch nicht. Für alle, die das jetzt nicht verstehen, weil sie nicht Motorradfahren: In der Regel zieht man die Handschuhe zuletzt an, da der Verschluss am Helm sich logischerweise mit Motorradhandschuhen äußerst schwer bis gar nicht schließen lässt.

                                                      

Ich ziehe die Handschuhe also wieder aus, mache noch schnell in geistiger Umnachtung ein paar Fotos von dem Weg, den der Halbgott mit Surfbrett gegangen ist, ziehe Helm und Handschuhe an, setze mich zu meinem Schatz aufs Motorrad und schmiege mich an ihn. Ts, was ist schon ein Sixpack mit Surfbrett gegen meinen Schatz mit Motorrad.

 

See © Martina Müller 2009

 

Gut gelaunt fahren wir Richtung Heimat, trinken in einem Bistro noch einen Cappuccino, mampfen leckere Waffeln und freuen uns, dass der Tag doch noch so schön geworden ist. Die Sonne scheint jetzt nämlich nicht woanders, sondern tatsächlich hier.

 

Ja, so war das gewesen. Und wie ich so glückselig meinen Cappuccino schlürfte und meinen Schatz anstrahlte, dachte ich, was es doch für ein Glück war, dass dort nicht ein heißes Mädel im Bikini, mit Barbiefigur und Surfbrett entlang spaziert war.

So war es trotz anfänglichem Regen eine wunderbare Motorradtour geworden. Wer hätte gedacht, dass die Karibik, mit all ihren Vorzügen, gleich um die Ecke liegt…

 

Martina Müller

Ein tierisches Vergnügen

Abgelegt unter: Tierisches, Gluecksmomente, Alles, Geschichten — Buchstabenwiese at 8:27 pm on Montag, Juni 15, 2009

Marienkäfer © Martina Müller 2009 

Ein tierisches Vergnügen 

Karl saß auf einem Ahornblatt am Straßenrand und hielt Ausschau. Seine Flügel zitterten vor Aufregung. Es erforderte Mut von dem kleinen Käfer, seinen gefährlichen Plan in die Tat umzusetzen. Viele Käfer hatten bei dieser Aktion ihre Flügel verloren oder sogar ihr Leben. Doch heute war genau das richtige Wetter für sein Vorhaben. Blauer Himmel, warme Temperaturen und nicht zu viel Wind.

 

In der Ferne sah Karl ein Motorrad heranbrausen. Dass zwei Menschen darauf saßen war ein Glücksfall. Es verdoppelte seine Chancen auf Erfolg. Karl ging in Startposition. Alle sechs Beinchen standen unter Spannung und die Flügel waren ausgestreckt. Das Motorrad kam näher. Es wurde langsamer. Perfekt. Alles lief nach Plan.

Jetzt oder nie. Karl stieß sich ab, erhob sich in die Lüfte und flog um sein Leben. Gleich war er mit dem Motorrad auf einer Höhe. Jetzt! Karl ließ sich auf die Schulter des Fahrers nieder, krallte seine behaarten Beinchen am Stoff fest und ließ die Flügel locker hängen. Ein Luftzug fuhr durch seine Flanken und nahm den Spießerstaub der letzten Jahre mit sich. Karl juchzte. Heidewitzka, Herr Käfer, war das ein Spaß. Seine Flügel flatterten im Wind und sein ganzer Körper vibrierte. Glücklich berauscht saß er da und genoss seine Freiheit.  

 

Als das Motorrad anhielt, flog Karl taumelnd zum nächsten Baum und ließ sich erschöpft auf ein Blatt fallen. Seine Flügel fühlten sich zerrupft an und alles drehte sich, doch Karl war glücklich. Motorradsurfen war das Coolste, das es in der Käferwelt gab. Welch tierisches Vergnügen, sich die Luft durch die Flügel wehen zu lassen.

 

Motorradfahren © Martina Müller 2009

Martina Müller

Mein Leben wie es sein sollte…

Abgelegt unter: Traumhaftes, Gluecksmomente, Alles, Geschichten, Tagebuch — Buchstabenwiese at 2:01 am on Freitag, Juni 12, 2009

Traum © Martina Müller 2009 

Mein Leben wie es sein sollte 

Graue Wolken wandern über den Himmel. Bäume und Sträucher schwanken hin und her. Der Wind fegt durch die Blätter und Früchte der Ahornbäume vor unserem Haus. Die Straßen glänzen vom Regen. Dort wo der Asphalt der Last der vielen Autos nicht mehr standhalten konnte, bilden sich Pfützen. Tropfen rinnen an der Fensterscheibe hinunter, wie Tränen die Wangen.

In meinem Büro ist es düster wie an einem regnerischen Wintertag, obwohl es Juni ist.

Wie gut ist es ein Dach über dem Kopf zu haben. Es schützt mich vor dem fiesen Wetter da draußen und entlockt mir Träume von einem Leben wie es sein sollte.

 

Ich sitze am Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer und schreibe an meinem neusten Bestseller. Ich komme gut voran. Das Zimmer ist hell und freundlich. Ein riesiges Bücherregal verdeckt eine ganze Wand vom Boden bis zur Decke. Die fahrbare Leiter steht an der Stelle, an der ich zuletzt ein Buch über Kriminalistik entnommen habe. Ein prima Nachschlagewerk. Ich höre Pepper draußen bellen und blicke aus dem Fenster. Kläffend rennt er über den großen Rasen hinter einem Vogel her. Alles grünt und blüht so herrlich. Der Kirschbaum hängt dieses Jahr voller Früchte. Mein Blick wandert zum Schuppen. Dort steht mein Mann mit einem Putzlappen in der Hand und betrachtet stolz sein Motorrad. Es glänzt in der Sonne. Ich hingegen betrachte lieber die leicht gebräunten Muskeln meines Mannes. Ein wunderbarer Oberkörper mit breiten Schultern zum Anlehnen. Ich lächle. Als hätte er meinen Blick gespürt, blickt er zu mir nach oben und lächelt ebenfalls.

 

Es klopft an der Türe meines Arbeitszimmers. Meine überaus zufriedene und nette, umsorgende Hausperle bringt mir mit einem Lächeln Kräutertee.

„Ihr Lektor hat angerufen, ich habe ihm ausgerichtet, dass sie gerade schreiben und nicht gestört werden wollen und dass sie ihn später zurückrufen.“

„Ich danke Ihnen, Theresa, Sie sind die Beste.“ Ich lächle sie an, sie lächelt zurück, bevor sie das Zimmer wieder verlässt.

 

Ach, es ist herrlich hier. Ein Haus im Landhaus-Stil in einer wunderbaren Gegend. Hier haben wir alles, was wir brauchen und uns immer gewünscht haben. Am Wochenende kommen unsere Freunde zum Grillen. Wir werden Lachen und Quatschen und einfach Spaß haben.

 

Ich werfe erneut einen Blick zum Schuppen rüber. Mein Mann ist offensichtlich fertig mit Motorradputzen. Pepper sitzt nun bei ihm und lässt sich von seinen wunderbaren Händen kraulen. Hat der es gut. Am liebsten würde ich jetzt zu den beiden hinunterlaufen. Ich seufze. Ein paar Seiten muss ich noch schreiben und der Lektor wartet noch auf meinen Rückruf.

 

Aber später werde ich meinen Schatz fragen, ob er Lust hat unseren neuen kleinen Swimmingpool einzuweihen. Lächelnd wende ich mich wieder meinem Laptop zu und schreibe weiter…

 

               

Martina Müller

Schneeweißchen und Mohnrot

Abgelegt unter: Tierisches, Sinnig Unsinniges, Fotos, Alles — Buchstabenwiese at 3:07 pm on Dienstag, Juni 9, 2009

Schneeweißchen und Mohnrot  

Wusstet ihr, dass es weißen Mohn gibt?

 

Na kommt schon, jetzt sagt „Nein“! Lasst mich nicht so dumm dastehen.

Für mich war Mohn bisher immer rot, bis ich diesen hier entdeckt habe:

 

Mohnblumen weiß © Martina Müller 2009 

 

Mohnblumen weiß © Martina Müller 2009 

 

Und was hält unser kleiner Macho-Prinz vom weißen Mohn? Nichts. Er setzt sich mitten in den roten Mohn und hält die Nase in die Luft. 

 

Pepper im Mohn © Martina Müller 2009

 

Ist er nun vom Mohn berauscht oder schnuppert er Kamillentee?

 

Pepper im Mohn © Martina Müller 2009

 

Martina Müller

Kamillentee?

Abgelegt unter: Sinnig Unsinniges, Fotos, Gedankensplitter, Alles — Buchstabenwiese at 3:05 pm on Sonntag, Juni 7, 2009

 Kamille und Käfer© Martina Müller 2009

Kamillentee 

„Wenn es nach Kamillentee riecht,

 

dann ist entweder jemand krank

 

oder die Kamille blüht.“

 

 

Martina Müller

 

Zeitfragen…

Abgelegt unter: Zeit, Sinnig Unsinniges, Fotos, Gedankensplitter, Alles — Buchstabenwiese at 11:16 am on Freitag, Juni 5, 2009

Mohnblumen Zeit © Martina Müller 2009 

Zeitfragen 

Die Zeit, sie rast. Ungebremst ist sie in den Juni gestürmt.

 

Wenn es mir nicht gelingt, sie zu drosseln, dann saust sie durch den Monat hindurch, jagt die Tage, erlegt die Stunden in Windeseile und stürzt sich auf den Juli.

 

Mohnblumen leuchten in der Sonne und wiegen sich im Wind. Schmetterlinge flattern von Blüte zu Blüte, genießen den Frühlingsnektar.

 

Doch die Zeit blickt nicht nach rechts und nicht nach links, sie hetzt durch den Monat hindurch, ohne zu verweilen. Was kümmert sie der betörend süße Blütenduft oder das Frühlingsgezwitscher der Amsel. Die Zeit muss weiter.

 

Wie ein aufgezogener Spielzeugsoldat marschiert sie voran, durch Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Jahre, Jahrhunderte… Immer weiter und weiter.

 

Wieso nur hat sie es so eilig? Wo will sie hin? Und wer ist sie eigentlich, die Zeit?

Martina Müller