Baron von und zu Sommerwinter unter Verdacht

Abgelegt unter: Der Zeit-Baron, Zeit, Sinnig Unsinniges, Alles, Geschichten — Buchstabenwiese at 8:00 am on Sonntag, Oktober 26, 2008

Der Sonnenuhr © Martina Müller 2008 

Der Zeitdieb IV – Das Geheimnis 

Zeitdieb brachte erneut gestohlene Stunde zurück

26. Oktober 2008: Endlich aufatmen!
Schmerzlich vermisste, für immer verloren geglaubte Stunde taucht aus der Versenkung auf. In der Nacht von Samstag auf Sonntag, gegen 3 Uhr, brachte der mysteriöse Zeitdieb erneut die gestohlene Stunde zurück. Einige Bürger des Landes glauben, dass der Baron von und zu Sommerwinter mit dem Zeitdieb unter einer Decke steckt.Jetzt ist durchgesickert, dass es sich um eine ganze Organisation handeln soll. Ist Herr Baron von und zu Sommerwinter der Kopf der Zeit-Bande?
Der Zeit-Baron stellt sich unseren Fragen. 

„Herr Baron von und zu Sommerwinter, Gerüchten zufolge, soll es sich bei den Stundendiebstählen um eine viel größere Sache handeln, als bisher angenommen. Sind Sie der Kopf der Organisation für Zeitdiebstähle?“

„Nun ja, Herr äh… „

„Rastlos. RUDI Rastlos, von der Rapid Express.“

„Herr äh Rastlos. Sehen Sie, wenn der Tag lang ist, dann wird viel dummes Zeug geredet.“

„Dummes Zeug, Herr Baron?“

„In der Tat.“

„Woher wollen Sie das wissen? Weil Sie in Wahrheit doch der Zeitdieb sind?“

„Papperlapapp! Sie geben wohl nie auf, Herr Rastig…“

„RastLOS!“

„Wie? Ach ja… Herr Rastlos. Zeit wurde schon immer gestohlen. Dazu braucht es keine Organisation. Schauen Sie einfach mal in den Spiegel.“

„In den Spiegel?“

„Ja, auch Sie stehlen Zeit.“

„Ich muss doch sehr bitten, Herr Baron. Wem sollte ich wohl Zeit stehlen?“

„Mir, Herr Rastlos, mir.“

„Herr Baron! Wir wollen doch bei der Sache bleiben. Sie glauben also, es war ein Einzeltäter?“

„Nun ja, ehrlich gesagt… glaube ich gar nichts. Schließlich kann ich nicht wissen, wer die Stunde gestohlen hat, Herr äh…“

„Immerhin haben Sie bereits…“

„Ja, ja. Und? Sind die Menschen dadurch klüger geworden, Herr Rastlos?“

„Sind sie das, Herr Baron?“

„Natürlich nicht, Sie Zeitvergeuder! Da brauche ich nur Sie anzusehen.“

„Ähm…“

“Wussten Sie zum Beispiel, dass Zeit fließt, Herr Rastlos?“

„Ehrlich gesagt…“

„Nun ja, das überrascht mich nicht. Viele Menschen haben den Zeitfluss vergessen und lassen die kostbare Zeit unbemerkt wegfließen.“

„Zeitfluss… wegfließen…?“

„Ja, wegfließen! Und deshalb, Herr Rastlos, sollten Sie dem Zeitdieb dankbar sein, dass er die kostbare Stunde aufgefangen hat, bevor sie im Zeitstrom für immer verloren geht. Der Zeitdieb hat diese eine Stunde für uns im Zeittresor aufbewahrt und unversehrt zurückgegeben. Sehr anständig von ihm, wenn Sie mich fragen, unter diesen Umständen. Und noch etwas hat der Zeitbewahrer getan: Er hat Wünsche erfüllt!“

„Nun machen Sie aber mal einen Punkt, Herr Baron.“

„Doch, doch. Es gibt Menschen, die wünschen sich tatsächlich nichts sehnlicher, als einen Tag, der mehr als 24 Stunden hat. Na bitte, der Wunsch wurde erfüllt. Der heutige Tag hat 25 Stunden. Wenn das nichts ist… Dankbar sollten die Menschen dem Zeitdieb sein, dankbar, Herr Rastlos, statt ihn zu verfolgen.“

„Und wieso hat er so lange Zeit gebraucht, die Stunde zurückzugeben, Herr Baron?“

„Was heißt hier schon lang. Zeit ist relativ. Für den einen war die Zeit lang, für den anderen kurz.“

„Dennoch, Herr Baron, sollten wir nicht selbst über unsere Zeit bestimmen dürfen?“

„Können Sie doch, Herr Rastlos. Können Sie. JETZT haben Sie ihre Stunde zurück. Bestimmen Sie. Schade nur, dass SIE die Stunde so verschwenden.“

„So, tue ich das, Herr Baron?“

„Nun ja, Sie suchen den Zeitdieb, obwohl die Stunde wieder da ist… Ich will Ihnen ja nicht zu Nahe treten, Herr Rastlos, aber das ist in der Tat Zeitverschwendung. SIE werden Ihn nicht finden.“

„Wir werden sehen, Herr Baron, wir werden sehen.“

„Nun ja, wohl eher nicht, Herr Rastlos.“

„Eine letzte Frage, Herr Baron von und zu Sommerwinter.“

„Nur zu, wenn von Ihrer Stunde noch Zeit übrig ist, Herr Rastlos, nur zu…“

„Herr Baron, wie können wir verhindern, dass die Zeit unbemerkt WEGfließt?“

„Ganz einfach, Herr Rastlos. Aufmerksam sein. Etwas, das Ihnen vollkommen abgeht. Dem Augenblick mit ganzer Aufmerksamkeit begegnen, denn dann begegnen Sie dem Geheimnis erfüllter Zeit…“

Martina Müller

Ich glaub ich steh im Wald…

Abgelegt unter: Gluecksmomente, Fotos, Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 1:00 pm on Dienstag, Oktober 21, 2008

Waldspaziergang © Martina Müller 2008 

Ich glaub’, ich steh’ im Wald 

Ein Teppich aus braunen Eichenblättern liegt einladend zu meinen Füßen. Ich kann nicht widerstehen, lasse den Alltag hinter mir und trete ein, in eine verzauberte Welt voller Ruhe und Frieden.  

Der Boden unter mir federt bei jedem Schritt. Frischer, würziger Nadelduft umweht meine Nase. Ich atme auf. Meine Augen leuchten beim Anblick der bunten Eichenblätter. Jedes Jahr bin ich fasziniert von den Farben des Herbstes. Es ist jedes Mal so, als erlebe ich den Herbst zum ersten Mal. Nie kann ich mich satt sehen an roten, gelben und braunen Blättern, die sich vom tiefblauen Himmel so wunderschön leuchtend abheben. 

„Tock-tock-tock“! Ein Klopfen hallt hoch oben durch die Baumkronen. Ein Specht auf der Suche nach dicken fetten leckeren Maden? Ich recke meinen Hals in die Höhe und lasse meinen Blick über die Baumstämme schweifen, ich kann aber nichts entdecken. Vögel zwitschern, Laub raschelt. Unermüdlich sucht die Fotografin in mir nach Motiven. So entdecke ich die merkwürdigsten Pilze: Braune, weiße, große, kleine, merkwürdig anmutende Formen… Einige stehen einzeln herum, andere in regelrechten Kolonien.  

Die Zeit scheint stehen zu bleiben. Mein Hirn schaltet um auf „Genießen“ und der ganze Sorgenballast fällt einfach so von meinen Schultern ab.  

Ich glaub’, ich steh’ im Wald und ich finde es himmlisch. 

Habt ihr vielleicht Lust auf einen kleinen Waldspaziergang an einem schönen Herbsttag?

Na dann los. Einfach auf die Mini-Bilder klicken und schon steht auch ihr im Wald.

Waldspaziergang 1 © Martina Müller 2008   Waldspaziergang 3 © Martina Müller 2008   Waldspaziergang 4 © Martina Müller 2008   Waldspaziergang 2 © Martina Müller 2008   Waldspaziergang 5 © Martina Müller 2008   Waldspaziergang 6 © Martina Müller 2008   Waldspaziergang 7 © Martina Müller 2008   Waldspaziergang 8 © Martina Müller 2008   Waldspaziergang 9 © Martina Müller 2008   Waldspaziergang 10 © Martina Müller 2008   Waldspaziergang 11 © Martina Müller 2008   Waldspaziergang 12 © Martina Müller 2008   Waldspaziergang 13 © Martina Müller 2008   Waldspaziergang 14 © Martina Müller 2008

Ich hoffe, ihr seid jetzt genauso erholt wie ich. Bei Bedarf, einfach noch mal gucken.

Martina Müller

Spuren im Abendrot…

Abgelegt unter: Fotos, Alles, Tagebuch, Allgemein — Buchstabenwiese at 4:48 pm on Dienstag, Oktober 14, 2008

Spuren im Abendrot… 

p1090178sonnenuntergang.JPG

Sonnenuntergang © Martina Müller 2008

…verwischt durch Nebelschleier. 

Nebel © Martina Müller 2008

Nebel © Martina Müller 2008

Eindrücke vom Wochenende, einfach mal so.  

Martina Müller

Ein Unterschied wie Tag und Nacht

Abgelegt unter: Sinnig Unsinniges, Gedankensplitter, Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 10:01 am on Freitag, Oktober 10, 2008

Pepper schläft © Martina Müller 

Ein Unterschied wie Tag und Nacht 

Draußen ist es dunkel. Noch. Die Straße vor unserem Haus ist leer und verlassen. Das ganze Dorf scheint noch zu schlafen. Nur im Haus schräg gegenüber ist Licht in der Küche. 

Es ist selten geworden, dass ich so früh aufstehen muss. Und müssen muss ich auch heute nicht. Mein Schatz muss heute ausnahmsweise so früh aufstehen und ich bin irgendwie zappelig. Tausend Gedanken kreisen unermüdlich durch meine Hirnwindungen. Gedanken um meinen Vater, Gedanken um unsere Zukunft. Gedanken eben. Sie scheinen das Kreisen zu mögen. Und dieses Kreisen bringt mein Herz aus dem Takt. 

Mein Schatz sitzt mit Schlitzaugen am Schreibtisch und hält sich an der Kaffeetasse fest. Auch er ist es nicht mehr gewohnt so früh aufzustehen. Im Vertrieb gehen die Uhren halt anders.
Als er mich sieht werden seine Augen größer: „Ich habe dir gar keinen Kaffee mit nach oben gebracht, du brauchst doch nicht aufstehen.“
„Ich hole mir selbst einen.“ Ich beschließe aufzubleiben. Er lächelt. Ich lächle zurück.  

Ich nutze die seltene Gelegenheit zuzusehen, wie der Tag erwacht. Ein Blick in den Himmel zeigt mir, dass das Erwachen beginnt. Er ist eine Nuance heller geworden. Einen richtigen Sonnenaufgang kann ich von hier aus leider nicht sehen. West-Seite.
Sonnenuntergänge… ja, die habe ich in den letzten Jahren, seit ich hier auf dem Land wohne, zur Genüge gesehen… Doch Sonnenaufgänge… zu sehen, wie ein neuer Tag voller Hoffnung beginnt… Nein. Vielleicht ist es endlich mal Zeit für Sonnenaufgänge… 

Ich muss verrückt sein. Doch genau das will ich jetzt. Einen Sonnenaufgang erleben. Ich stelle mich nach draußen. Vom Garten aus kann ich zwischen den Häusern den Himmel im Osten sehen. Nicht so schön, wie ich Sonnenuntergänge betrachten kann, aber immerhin. Ich lasse mir die kalte Luft um die Nase wehen und beobachte den Himmel. Ich sehe die rosaroten Wolken, ich sehe und höre die Krähen, die in Scharen Richtung Südosten fliegen. Verschiedene Vögel pfeifen rundum ihre Morgenlieder. Aus der Ferne höre ich Verkehrslärm, Menschen, die bereits auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle sind. Die einen sitzen vermutlich fröhlich pfeifend hinter dem Lenkrad, die anderen morgenmuffelig und miesepetrig.  

Während ich einfach nur dastehe, etwas fröstelnd um den Allerwertesten, kreist eine Frage in meinem Kopf.  

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang?  

Beide färben den Himmel rot. Manchmal ziemlich spektakulär mit einem Feuerwerk an Farben und manchmal schlicht und einfach, fast unbemerkt. Die Krähen fliegen in Scharen wenn die Sonne aufgeht, aber auch wenn sie untergeht.  

Und dann dämmert es mir.  

Es gibt einen gravierenden Unterschied. Während nach dem Sonnenuntergang Dunkelheit herrscht und die Welt grau erscheint, ist es nach dem Sonnenaufgang hell, die Sonne scheint, die Welt ist bunt, sie lebt… 

Inzwischen ist es hell geworden und der Einzige, der noch im Bett liegt, ist unser Hündchen. Für ihn sind Sonnenaufgänge uninteressant. Er nimmt es wie es kommt. 

Einen wunderschönen Guten Morgen euch allen. 

Martina Müller

Das Angstmonster…

Abgelegt unter: Schreib-Kraft, Tierisches, Alles, Geschichten — Buchstabenwiese at 7:22 pm on Mittwoch, Oktober 1, 2008

Das Angsmonster © Martina Müller 

Das Angstmonster 

Das Angstmonster ist tückisch. Es lauert. Es schleicht sich von hinten an, gleitet mit Samtpfoten auf dich zu. Lautlos. Still.  

Du spürst einen kalten Hauch im Nacken und einen Atemzug lang scheint die Welt stillzustehen. Du hörst nichts als den dumpfen Schlag deines Herzens.  

Plötzlich springt dich etwas an. Kalte, glitschige Fangarme gleiten über deine Haut. Du versuchst sie abzuschütteln. Vergeblich. Sie klammern sich fest und durchdringen deine Haut, durchdringen dein Fleisch. Dir wird übel. Das Angstmonster ist in dir. Wie ein fetter, schwerer Klumpen liegt es in deinem Magen.  

Dünne, fleischige Gliedmaßen schlängeln sich hinauf zum Rachen, winden sich weiter bis in die Luftröhre. Du würgst. Du ringst nach Luft. Unzählige Greifarme bemächtigen sich deines Körpers. Sie umschlingen dein Herz. Es klopft und hämmert wie wild, kämpft gegen die Monsterarme an. Es pocht und pocht.
Das Monster nistet sich ins Gehirn, blockiert deine Gedanken. Du spürst, wie es dich beherrscht, dich gefangen hält. Panik überrollt dich. Nie wieder wird es dich aus seinen Klauen lassen. Nie wieder wirst du frei sein.   

Du hasst es. Du willst es abschütteln. Du willst das Monster packen und rausreißen. Raus. Einfach nur raus. Saugnäpfe pfropfen sich überall in dir fest. Du willst schreien. Du willst es hinausschreien. Du schreist. Du schreist bis dein Blick in einer Flut von Tränen versinkt. Du schreist bis deine Tränen das Monster aus dir herausgespült haben. Du schreist bis du leer bist. Vollkommen leer. Leer und erschöpft.

Stille.

Es ist friedlich. Das Angstmonster ist fort. Fortgespült in die unendliche Weite des Meeres.  

Doch Du spürst, dass es da draußen lauert. Du weißt, es wird wiederkommen. Irgendwann… 

Martina Müller