Baron von und zu Sommerwinter unter Verdacht
Der Zeitdieb IV – Das Geheimnis
Zeitdieb brachte erneut gestohlene Stunde zurück
26. Oktober 2008: Endlich aufatmen!
Schmerzlich vermisste, für immer verloren geglaubte Stunde taucht aus der Versenkung auf. In der Nacht von Samstag auf Sonntag, gegen 3 Uhr, brachte der mysteriöse Zeitdieb erneut die gestohlene Stunde zurück. Einige Bürger des Landes glauben, dass der Baron von und zu Sommerwinter mit dem Zeitdieb unter einer Decke steckt.Jetzt ist durchgesickert, dass es sich um eine ganze Organisation handeln soll. Ist Herr Baron von und zu Sommerwinter der Kopf der Zeit-Bande?
Der Zeit-Baron stellt sich unseren Fragen.
„Herr Baron von und zu Sommerwinter, Gerüchten zufolge, soll es sich bei den Stundendiebstählen um eine viel größere Sache handeln, als bisher angenommen. Sind Sie der Kopf der Organisation für Zeitdiebstähle?“
„Nun ja, Herr äh… „
„Rastlos. RUDI Rastlos, von der Rapid Express.“
„Herr äh Rastlos. Sehen Sie, wenn der Tag lang ist, dann wird viel dummes Zeug geredet.“
„Dummes Zeug, Herr Baron?“
„In der Tat.“
„Woher wollen Sie das wissen? Weil Sie in Wahrheit doch der Zeitdieb sind?“
„Papperlapapp! Sie geben wohl nie auf, Herr Rastig…“
„RastLOS!“
„Wie? Ach ja… Herr Rastlos. Zeit wurde schon immer gestohlen. Dazu braucht es keine Organisation. Schauen Sie einfach mal in den Spiegel.“
„In den Spiegel?“
„Ja, auch Sie stehlen Zeit.“
„Ich muss doch sehr bitten, Herr Baron. Wem sollte ich wohl Zeit stehlen?“
„Mir, Herr Rastlos, mir.“
„Herr Baron! Wir wollen doch bei der Sache bleiben. Sie glauben also, es war ein Einzeltäter?“
„Nun ja, ehrlich gesagt… glaube ich gar nichts. Schließlich kann ich nicht wissen, wer die Stunde gestohlen hat, Herr äh…“
„Immerhin haben Sie bereits…“
„Ja, ja. Und? Sind die Menschen dadurch klüger geworden, Herr Rastlos?“
„Sind sie das, Herr Baron?“
„Natürlich nicht, Sie Zeitvergeuder! Da brauche ich nur Sie anzusehen.“
„Ähm…“
“Wussten Sie zum Beispiel, dass Zeit fließt, Herr Rastlos?“
„Ehrlich gesagt…“
„Nun ja, das überrascht mich nicht. Viele Menschen haben den Zeitfluss vergessen und lassen die kostbare Zeit unbemerkt wegfließen.“
„Zeitfluss… wegfließen…?“
„Ja, wegfließen! Und deshalb, Herr Rastlos, sollten Sie dem Zeitdieb dankbar sein, dass er die kostbare Stunde aufgefangen hat, bevor sie im Zeitstrom für immer verloren geht. Der Zeitdieb hat diese eine Stunde für uns im Zeittresor aufbewahrt und unversehrt zurückgegeben. Sehr anständig von ihm, wenn Sie mich fragen, unter diesen Umständen. Und noch etwas hat der Zeitbewahrer getan: Er hat Wünsche erfüllt!“
„Nun machen Sie aber mal einen Punkt, Herr Baron.“
„Doch, doch. Es gibt Menschen, die wünschen sich tatsächlich nichts sehnlicher, als einen Tag, der mehr als 24 Stunden hat. Na bitte, der Wunsch wurde erfüllt. Der heutige Tag hat 25 Stunden. Wenn das nichts ist… Dankbar sollten die Menschen dem Zeitdieb sein, dankbar, Herr Rastlos, statt ihn zu verfolgen.“
„Und wieso hat er so lange Zeit gebraucht, die Stunde zurückzugeben, Herr Baron?“
„Was heißt hier schon lang. Zeit ist relativ. Für den einen war die Zeit lang, für den anderen kurz.“
„Dennoch, Herr Baron, sollten wir nicht selbst über unsere Zeit bestimmen dürfen?“
„Können Sie doch, Herr Rastlos. Können Sie. JETZT haben Sie ihre Stunde zurück. Bestimmen Sie. Schade nur, dass SIE die Stunde so verschwenden.“
„So, tue ich das, Herr Baron?“
„Nun ja, Sie suchen den Zeitdieb, obwohl die Stunde wieder da ist… Ich will Ihnen ja nicht zu Nahe treten, Herr Rastlos, aber das ist in der Tat Zeitverschwendung. SIE werden Ihn nicht finden.“
„Wir werden sehen, Herr Baron, wir werden sehen.“
„Nun ja, wohl eher nicht, Herr Rastlos.“
„Eine letzte Frage, Herr Baron von und zu Sommerwinter.“
„Nur zu, wenn von Ihrer Stunde noch Zeit übrig ist, Herr Rastlos, nur zu…“
„Herr Baron, wie können wir verhindern, dass die Zeit unbemerkt WEGfließt?“
„Ganz einfach, Herr Rastlos. Aufmerksam sein. Etwas, das Ihnen vollkommen abgeht. Dem Augenblick mit ganzer Aufmerksamkeit begegnen, denn dann begegnen Sie dem Geheimnis erfüllter Zeit…“
Martina Müller