Das Mülltonnendrama

Abgelegt unter: Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 9:19 pm on Mittwoch, März 26, 2008

Das Mülltonnendrama 

Stellt euch vor, ihr wollt eure geleerte Mülltonne von der Straße holen und sie ist nicht mehr da…  

Letzte Woche Dienstag wurden bei uns die Mülltonnen geleert. Diese Tatsache an sich ist natürlich noch kein Drama. Aber, wie leicht kann sich ein Drama entwickeln, wenn mehrere unglückliche Umstände zusammentreffen…

Normalerweise stelle ich die geleerte Mülltonne dann wieder an ihren Platz, wenn ich mit unserem Hündchen spazieren gehe. Doch an jenem Dienstag waren die Müllmänner spät dran, die Mülltonne noch nicht geleert und ich vergaß die Tonne erstmal.   
Am späten Nachmittag warf ich zufällig einen Blick aus dem Fenster. Mit Befremden erspähte ich, wie ein Mann in Uniform um unsere Mülltonne herumschlich, sie regelrecht kritisch begutachtete. Ich meine, was ist an einer grauen Mülltonne schon Besonderes? Kennst du eine, kennst du alle. Doch plötzlich wurde mir flau im Magen. War der vielleicht von der Polizei oder vom Ordnungsamt? Hatten wir uns vielleicht irgendeines Mülltonnenvergehens schuldig gemacht? Gleich fielen mir alle möglichen und unmöglichen Sünden ein… aber nein, eine Mülltonne kam nicht vor. Puh, Glück gehabt. Aber was konnte der dann von unserer Mülltonne wollen? Hatte einer was da drin versteckt? Sauerei. Oh Gott, da war bestimmt einer umgebracht worden. Bilder von zersägten Leichenteilen in verschiedene Säcke verteilt tauchten vor meinem inneren Auge auf. Schon wollte ich hinausrennen und beteuern, dass ich unschuldig bin, dass diese Leichenteile nicht von mir stammten, dass weder ich noch mein Schatz fähig wäre, auch nur einer Fliege was zuleide zu tun, da hielt ich plötzlich inne. Das sah doch eher nach einer Fliegeruniform aus, als nach Polizei. Na klar, das musste einer von den neuen Nachbarn, zwei Häuser weiter, sein. Aber was um Himmels Willen hatte ein Flieger mit unserer Mülltonne zu schaffen? Sie sprach ja nicht mal englisch.

Überraschend ließ der Mann von unserer Tonne ab und entfernte sich ärgerlich. Komisch, war unsere Mülltonne etwa frech geworden? Hmm… irgendwie blieb ein ungutes Gefühl. 

Seit ein neues Abfallentsorgungsunternehmen für uns zuständig ist, ziert ein Aufkleber mit Straßennamen und Hausnummer unsere Tonne. Heißt, sie kann eigentlich nicht versehentlich weggenommen werden. Mir kam der Gedanke, dass dieser Fliegermensch seine eigene Mülltonne suchen könnte und enttäuscht war, dass auf UNSERER Mülltonne auch UNSERE Hausnummer stand… Hmmm… vielleicht sollte ich unsere Tonne schnell in Sicherheit bringen… sie war inzwischen geleert und das ungute Gefühl in meinem Bauch wollte nicht verschwinden. Doch dann kam es anders, ich wurde abgelenkt und das Schicksal der Tonne war besiegelt.

Nach dem Abendspaziergang mit unserem Hündchen wollte mein Schatz dann endlich unsere Tonne nach Hause holen… endlich wieder daheim… schnüff… Zu spät, die Tonne war weg! Allein der Gedanke, dass jemand eine Mülltonne klauen würde, war so unvorstellbar, dass mein Schatz glaubte, sie noch gesehen zu haben, als er vom Spaziergang zurückkam. Typisches Mülltonnenklau-Verdrängungssymptom. Erst als er völlig unbedarft einen Müllbeutel in die Tonne werfen wollte, um sie anschließend an ihren Platz zu bringen, stellte er sich mutig der Wahrheit. Er guckte dumm aus der Wäsche und wurde all seines Mülltonnenvertrauens auf immer beraubt. Die Stelle, wo unsere über alles geliebte Tonne gestanden hatte war leer. 

Gestohlen, gemopst, geklaut! Wir waren sauer. Stinksauer! Was fiel denen ein, einfach unsere Tonne zu klauen? Wir fühlten uns bis ins Mark verletzt. Unser Vertrauen in die gute Nachbarschaft war bis auf die Grundmauern erschüttert. Mit Argusaugen betrachteten wir jedes Haus, das wir vom Fenster aus sehen konnten, als würde es bei unseren Blicken die Tonne wieder ausspucken. Plötzlich war jeder Nachbar verdächtig, jeder hinter den Türen konnte ein Dieb sein. Konnte DER Dieb sein. Der Mülltonnendieb. Wer konnte wohl so unverschämt sein und anderen Leuten die Mülltonne klauen? So was tut man einfach nicht. Es gehört ja wohl zum Anstand, die Mülltonne des Nachbarn zu respektieren. Wo sollte das hinführen, wenn solche einfachen Anstandsregeln nicht beachtet würden. Spontan fiel uns die Sendung „Höllische Nachbarn“ ein. So fängt das also an. Mit Mülltonnenklau.

So sehr wir auch die Straße mit unseren Blicken absuchten, die Mülltonne blieb verschwunden. Eine leise Hoffnung schlich sich in unsere Herzen, dass der Dieb seine Sünden über Nacht bereuen und uns die Mülltonne wieder vor die Türe stellen würde…
Doch der Dieb war kein reuiger Sünder, er war eiskalt. 

Wir überlegten, überall Zettel aufzuhängen: „Mülltonne schmerzlich vermisst, dunkelgrau, mit Deckel, 80 Liter groß…“ Wir verwarfen den Gedanken, riefen stattdessen die Abfallstelle an und meldeten den Mülltonnenklau.
„Ach“, sagte der Mann am anderen Ende, „geht das wieder los.“ Er hätte das noch nirgends so erlebt, aber in Heinsberg wären tatsächlich schon des Öfteren Mülltonnen geklaut worden.
Äh, was um Himmels willen macht man mit einer Mülltonne, wenn man schon eine hat???
Eine Antwort hierzu konnte uns der freundliche Herr am anderen Ende der Leitung auch nicht liefern. Es käme aber auch schon mal vor, dass eine Tonne beim Leeren in den Wagen fiele und geschreddert würde, meinte er noch. Er würde das nachprüfen und sich wieder melden.  

Und tatsächlich, es war eine Tonne geschreddert worden, vermutlich die des Diebes. Und als der Mann-ohne-Mülltonne merkte, dass seine Tonne verschwunden war, hatte er im Schutz der Dunkelheit unsere entwendet. Dieser Schuft! Klaut der einfach unsere Mülltonne. Blödmann! Wo kämen wir denn hin, wenn jeder, dem was abhanden kommt, sich kurzerhand woanders bedienen würde??? Er hätte ja schließlich auch bei der Abfallstelle anrufen und seine fehlende Mülltonne melden können.  

Ein Lob an die Mülltonnenbeauftragten muss ich an dieser Stelle noch loswerden. Vormittags angerufen, nachmittags hatten wir bereits die neue Tonne vor der Türe. Das nenne ich jetzt mal Service. Und den Mülltonnenklauer, den kriegen wir auch noch. 

Martina Müller

Frohe Ostern

Abgelegt unter: Fotos, Alles — Buchstabenwiese at 12:40 pm on Montag, März 24, 2008

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Frühlingsmalerei

Abgelegt unter: Fotos, Alles, Lyrik — Buchstabenwiese at 2:36 am on Mittwoch, März 19, 2008

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Frühlingsmalerei 

Der Frühling taucht den Pinsel
in helles, leuchtendes Grün,
betupft die tristen Zweige,
tupft ausgelassen und kühn.

Er spielt mit allen Farben,
und malt eine bunte Welt,
ein übermütiges Kind,
dem es farbenfroh gefällt.

Martina Müller

Ach, Frühling

Abgelegt unter: Alles, Lyrik, Tagebuch — Buchstabenwiese at 2:59 pm on Sonntag, März 16, 2008

Ach, Frühling

Ach, Frühling,
du lässt uns warten,
das Land ist nass,
der Himmel grau,
die Sonne ruht sich aus. 

Sag, Frühling,
wo versteckst du dich,
Rausch der Farben,
Bild der Liebe,
der wärmenden Strahlen?

Wo ist sie,
die gute Laune,
die Leichtigkeit,
mit der du forsch
das ganze Land durchstreifst?

So gedrückt,
niedergeschlagen,
ziehst dich zurück,
lässt uns allein
mit all deinen Tränen.

Martina Müller

Aller Anfang ist schwer

Abgelegt unter: Gedankensplitter, Alles, Geschichten, Tagebuch — Buchstabenwiese at 1:51 pm on Freitag, März 14, 2008

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Aller Anfang ist schwer 

„Ach Bert, heute geht es mir gar nicht gut.“

„Was ist denn los?“

„Wenn ich das wüsste. Heute ist ein Tag, wo einfach alles grau ist. Der Himmel, das Licht, meine Gedanken… Wieso ist das so?“

„Sieh mal, der Himmel ist grau, weil die Wolken die Sicht auf den wunderschönen blauen Himmel versperren und deshalb wirkt auch das Licht…“

„Bert!“

„Was denn?“

„Du weißt genau, dass ich das nicht meine.“

„Ach Kindchen. Es gibt eben solche und solche Tage. Hab ein wenig Geduld mit dir.“

„Geduld. Ph, ich will einfach nicht mehr, dass es so ist!“

„Das graue Wetter kann sich schon mal aufs Gemüt legen.“

„Dann soll es endlich weggehen, das graue Wetter.“

„Das wiederum können wir nicht beeinflussen und das weißt du auch.“

„Jaaa…“

„Also ist es völlig unnötig, dass du deine Kraft dafür verschwendest, dich übers Wetter aufzuregen.“

„Was soll ich denn sonst tun, Bert?“

„Tu das, was du immer predigst. Lächle. Lächle die Welt an und sie lächelt zurück.“

„Ach… Es ist eine Sache, das zu schreiben…“

„Glaubst du etwa nicht an das, was du schreibst?“

„Also Bert! Du guckst mir jeden Tag beim Schreiben zu… gerade du müsstest mich besser kennen.“

„Glaubst du nun dran oder nicht?“

„Sonst würde ich es doch nicht schreiben!“

„Dann lächle.“

„Und wenn mir nun gar nicht danach ist?“

„Tu es trotzdem.“

„Geht nicht.“

„Na, jetzt stellst du dich aber ein bisschen an! Es ist doch ganz einfach, die Mundwinkel nach oben zu ziehen. Grimassenschneiden, das kannst du doch auch. Gesichtsgelähmt bist du also nicht!”

„Was verstehst du schon davon, Bert. Du bist ja nur ein kleiner Bleistiftanspitzer aus Kunststoff, der zufällig aussieht wie ein Pinguin, der eigentlich noch nicht mal reden kann!“

„Und du bist nur ein Zellhaufen, der zufällig aussieht wie ein Mensch, der verrückt genug ist mit einem Pinguin aus Kunststoff zu reden, der eigentlich gar nicht reden kann!“

„Ph!“

„Selber ph…“

„…“

„…“

„Bert?“

„Ich kann nicht reden, schon vergessen?”

„Bee-hert…“

„Hm…“

„Bertilein…“

„Nenn mich nicht so, du weißt ich hasse das.“

„Es tut mir leid.“

„Mir auch.“

„Guck mal, Bert. Ich glaube die Sonne kommt raus.“

„Dann zeig endlich deinen Mundwinkeln die Welt von oben.“

„Ach Bert.“

„Na los.“

„Na schön… So?“

„Ein bisschen höher.“

„Besser?“

„Sagen wir mal so: Es ist ein Anfang und aller Anfang ist nun mal schwer, aber es ist ein Anfang.“ 

Martina Müller

 

Die Kraft

Abgelegt unter: Gedankensplitter, Alles, Geschichten, Tagebuch — Buchstabenwiese at 10:32 am on Donnerstag, März 13, 2008

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Die Kraft

„Na Bert, was guckst du mich so mit großen Augen an?“

„Ich bewundere dich.“

„So ein Quatsch.“

„Doch.“

„Wieso?“

„Dass du nach allem, was geschehen ist, noch immer so tapfer weiterkämpfst.“

„Ich und kämpfen?“

„Ja! Du und kämpfen. Du hoffst jeden Tag, wieder glücklich zu sein. Du hoffst jeden Tag auf die Liebe, auf ein besseres Leben. Du hast noch immer Vertrauen ins Leben. Und du schlägst dich jeden Tag tapfer durch, auch wenn es dir nicht gut geht.“

„Was habe ich denn für eine Wahl?“

„Du könntest aufgeben. Du könntest böse und ungerecht werden, du könntest Gift verspritzen. Stattdessen möchtest du noch immer die Menschen und das Leben lieben.“

„Ach Bert, aber manchmal, dann möchte ich nur weinen und alles ist so grau und dunkel. Und manchmal dann raste ich aus, dann weiß ich nicht mehr wer ich bin, möchte zerstören.“

„Das ist okay. Du hast Wut in dir. Wut, die raus möchte. Sie entsteht durch den Druck, der auf dir gelastet hat. Und Druck erzeugt Gegendruck. Doch unter all der Wut und Traurigkeit, bist du noch immer der liebenswerte Mensch, der an das Leben, die Liebe und die Menschen glaubt.“

„Glaubst du das wirklich?“

„Nein, ich weiß es. Denn das bist du und das ist es, was du an dir selbst am meisten liebst. Das ist es, womit du die Menschen um dich herum bezauberst. Dein Glaube an das Gute, an die Liebe.“

„Aber im Moment bezaubere ich niemanden.“

„Das stimmt nicht. Ja, du bist verletzt und du brauchst Zeit zu heilen, aber mich bezauberst du, weil ich DICH unter all den Narben und Verletzungen sehen kann und ich weiß, dass du jeden Tag ein bisschen wieder du selbst wirst. Jede Träne schließt einen kleinen Riss in deiner Seele. Jeder Wutausbruch befreit dich ein Stückchen von deiner Last.“

„Wieso glaubst du so an mich, Bert?“

„Weil ich jeden Tag sehe, wie du verzweifelt kämpfst. Und weil ich trotzdem zwischendurch das Leuchten in deinen Augen sehe und dein besonderes Lächeln. Auch wenn es nur kurz ist, aber es ist da. Und solange es da ist, ist nichts verloren, bist du nicht verloren. Es ist eine Kraft in dir, die dich nicht untergehen lässt. Die Kraft der Liebe. Und solange du lieben kannst, ist alles gut.“ 

Martina Müller

Braves Hündchen

Abgelegt unter: Tierisches, Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 1:42 pm on Dienstag, März 11, 2008

Braves Hündchen 

Wenn unser Hündchen, unser kleiner Prinz, morgens endlich aufgestanden ist, lasse ich ihn erst mal zum „Pippimachen“ in den Garten. Ja nun, er hat ja auch Druck. So auch heute. Ich mache ihm also die Terrassentüre auf und wusch habe ich gleich den ekligen Nieselregen im Gesicht. Brrr… ich gehe einen Schritt zurück. Pepper setzt sich erst Mal vor der Türe auf die Matte und sieht skeptisch nach draußen. Der Wind fegt und es nieselt. Ekliger geht’s kaum. Schnuppernd hält Pepper die Nase hoch und bleibt sitzen und sitzen und sitzen… und es nieselt und nieselt… 

„Na los“, ermuntere ich ihn mit schlechtem Gewissen, „geh schnell Pippi machen.“
Im Schneckentempo erhebt er sich und trottet nach draußen. Schnell mache ich die Türe zu, damit ich den Nieselregen nicht abbekomme und sehe dem armen Kerl hinterher.
Normalerweise läuft unser Hündchen erst mal bis zum Zaun und guckt, ob die weiße Schäferhunddame von Gegenüber nicht zu sehen ist, die er anhimmeln kann. Dann schnuppert er hier und da, hebt überall kurz sein Beinchen, damit auch gleich klar ist, wer hier der Herr im Garten ist, und guckt anschließend mit schnuppernder Nase ein wenig in der Weltgeschichte herum. Ist wohl so wie Zeitung lesen. Erschnuppern, wer hier schon vorbeigekommen ist usw. Wie gesagt, normalerweise.

Heute hingegen geht er schnurstracks auf den vorderen Teil des Rasens, hebt sein Beinchen so lange bis nix mehr rauspullert und kommt direkt zurück ins Haus. Nix mit Zeitung lesen. Er lässt sich trocken rubbeln und brummelt wohlig dabei.  

Mit Grausen denke ich daran, dass wir gleich rausmüssen. Aber ich glaube, es macht unserem Pepper nichts aus, wenn wir heute mit dem Spazierengehen noch ein wenig warten. Wasser von oben und dann auch noch Wind, das mag er genauso wenig wie ich. Braves Hündchen. *smile* 

Martina Müller

Vier Engel für Deutschland

Abgelegt unter: Alles, Tagebuch, Allgemein — Buchstabenwiese at 2:06 am on Freitag, März 7, 2008

Vier Engel für Deutschland 

Unser Hündchen steht vor dem Fernseher, die Ohren gehen hin und her, der Schwanz wackelt verhalten, er jammert und wufft abwechselnd. Eine junge Band performed gerade ihren Song beim Grand-Prix-Vorentscheid: Cinema Bizarre. Ich glaube Pepper findet sie auch bizarr. Ich teile seine Meinung. Ich glaube, so richtig begeistern kann er sich für diese sympathischen jungen Leute mit den merkwürdigen Haaren nicht. Sie haben eine tolle Einstellung, aber ihr Lied ist nicht mein Geschmack. Peppers auch nicht. Immerhin hat Cinema Bizarre es geschafft die Aufmerksamkeit unseres Hündchens zu erregen. Nur bei der Entscheidung nutzt es ihnen nichts. Am Ende gewinnen die No Angels. Sie vertreten uns beim Grand Prix in Belgrad. Zu Recht wie ich finde. Den Engeln sind Flügel gewachsen, die sie nach Belgrad tragen. Ich freue mich sehr für die Engel und für uns auch.  

Martina Müller

Da bin ich wieder…

Abgelegt unter: Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 7:57 pm on Mittwoch, März 5, 2008

Da bin ich wieder… 

Eine Auszeit habe ich gebraucht. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Auszeit schon beenden sollte… Andererseits, was ändert sich, wenn ich meinen PC nicht anrühre? 

Vielleicht fragt ihr euch, wovon ich eine Auszeit brauchte? Wenn ich das wüsste… Auszeit vom Weblog, vom Internet, vom PC, vom Schreiben? Auszeit von mir? Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich in der letzten Zeit der virtuellen Welt mehr Aufmerksamkeit zukommen ließ, als mir selbst. Eine gewisse Müdigkeit hatte von mir Besitz ergriffen. Als sei ich an einem Punkt, wo ich nicht mehr weiterkomme. Die Tage zuvor hatte ich viel geschrieben, mein Weblog gepflegt, andere Weblogs durchstreift, Kommentare geschrieben… mein Schreiben geschult.  

Und Samstag hatte ich plötzlich das Bedürfnis den PC gar nicht anzurühren… Keine Neugier, was sich in meinem oder den anderen Weblogs getan hatte. Kein Bedürfnis einen Text auf der Tastatur meines PCs zu tippen. Ich horchte in mich hinein… nichts. Kein Gefühl. Der PC blieb aus.
Für den einen oder anderen von euch vermutlich nichts Ungewöhnliches… für mich schon. Es gibt eigentlich kaum einen Tag, wo mein PC nicht wenigstens mal hochgefahren wird, um etwas nachzusehen oder einen kleinen Text zu schreiben… es sei denn, ich habe wirklich keine Zeit dazu. Doch am Samstag war es anders, ich war es müde, den PC anzuschmeißen. Ich bin ein paar Mal in mein Büro gegangen und habe ihn angeschaut. Dunkler Bildschirm, Stille, kein Leben, ein toter Gegenstand. Ich hätte nur den Knopf drücken brauchen und schon wäre er zum Leben erwacht. Doch es widerstrebte mir. Er blieb den ganzen Tag aus.    

Sonntag war es ähnlich. Ich genoss, dass er aus war. Ich genoss die Veränderung. Fast widerstrebend habe ich ihn am Sonntag dennoch hochgefahren, um meine Favoriten und Emailadressen zu sichern, da wir am Montag einen neuen Anbieter für Telefon und DSL bekommen sollten, man weiß ja nie. Ich nutzte die Gelegenheit und warf einen Blick in mein Weblog. Es interessierte mich nicht! Ich klickte andere Weblogs an, ich hatte keine Lust zu lesen, geschweige denn zu schreiben. Also sicherte ich, was ich sichern wollte und fuhr den PC runter. Für den Rest des Tages blieb er aus.  

Dass ich am Montag durch die Umstellung erst mal nicht ins Internet konnte, machte mir nichts aus. Wenn ich daran denke, dass ich vor ein paar Wochen fast durchgedreht bin, weil ich drei Tage nicht ins Internet konnte… jetzt war es mir egal. Ich kümmerte mich um die Installation des neuen Modems, schloss unseren alten Router an und wieder ab. Am Ende des Tages funktionierte Telefon und Internet zumindest für einen PC. Doch auch abends interessierte mich das Internet nicht sonderlich. Es interessierte mich nur, ob alles vernünftig funktionierte.  

Gestern bastelte ich dann stundenlang daran herum das Internet mit zwischengeschaltetem Router ans Laufen zu bringen, damit mein Schatz ebenfalls ins Internet kann. Abends hatte ich es geschafft und mein Schatz war glücklich nach Feierabend wieder im Internet herumstöbern zu können. Ich hingegen war einfach nur froh, dass es mir gelungen war, und zwar ohne eine Hotline zu bemühen.  

Während mein PC oben im Büro im Moment noch immer ohne Leben ist, sitze ich hier im Wohnzimmer, genieße die Sonne, die durchs Fenster scheint, höre Roger Cicero und schreibe diesen Text auf meinem Laptop, garantiert internetfrei. Aber ich habe mir fest vorgenommen, diesen Text noch heute ins Weblog zu stellen. Und immerhin macht es mir schon wieder Spaß auf einer Tastatur herumzuhacken.  

Trotzdem frage ich mich: „Was ist los mit mir? Wieso bin ich es müde, meiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen?“  

Ehrliche Antwort? Ich weiß es nicht. Ich bin nachdenklich, was das Schreiben betrifft, was mich betrifft. Frage mich, was ich will, was mich erfüllt. Ist es wirklich das Schreiben? Wer bin ich, wer will ich sein? Will ich immer nur so weitermachen?  

Noch weiß ich keine Antwort auf diese Fragen, doch ich bin davon überzeugt, dass die Pause mir gut getan hat. Auch wenn ich es noch nicht sehen kann, die Veränderung ist da, sie wächst in mir, wie ein Same unter der Erde, den man nicht sieht, der aber dennoch wächst. Und irgendwann bricht er hervor und wird zu einem wunderbaren Baum, der immer weiter wächst. Es braucht nur ein wenig Geduld. 

Also, ich wollt nur sagen: Ich bin wieder da… 

Martina Müller