Der Zeitdieb III – Zeit ist Jetzt
Zeitdieb gibt Stunde zurück
28. Oktober 2007: Letzte Nacht brachte
mysteriöser Zeitdieb gestohlene Stunde zurück.
Ein Interview mit Baron von und zu Sommerwinter
„Herr Baron von und zu Sommerwinter, warum haben Sie sich an die Presse gewandt?“
„Weil der Zeitdieb mich gebeten hat, nach Rückgabe der gestohlenen Stunde den Menschen eine Botschaft zukommen zu lassen.“
„Herr Baron, Sie haben mich bereits gestern um das heutige Interview gebeten…“
„Na und?“
„Woher wussten Sie, dass der Zeitdieb die gestohlene Stunde heute Nacht zurückbringen würde?“
„Nun ja, Herr, äh…“
„Rastlos, Rudi Rastlos, von der Rapid Express.“
„Ja richtig, Herr Rastlos. Das tut hier nichts zur Sache.“
„Weil Sie doch der Zeitdieb sind?“
„Papperlapapp! Wenn ich der Zeitdieb wäre, hätte ich die Stunde diesmal nicht zurückgegeben.“
„Immerhin haben Sie bereits einmal…“
„Herr Rastig…“
„Rastlos!“
„Wie auch immer, der Zeitdieb hat mir eine Nachricht zukommen lassen.“
„Warum gerade Ihnen?“
„Wer wäre geeigneter als ich?“
„Wieso zeigt der Zeitdieb nun Reue?“
„Reue? So ein Quatsch.“
„Warum sonst, hat er die gestohlene Stunde zurückgegeben, Herr Baron?“
„Nun ja, der Zeitdieb will testen, ob die Menschen verstanden haben, was Zeit bedeutet.“
„Herr Baron, heißt das, der Zeitdieb wird erneut zuschlagen?“
„Möglicherweise… ja, ich gehe davon aus.“
„Aber die Stunde gehört uns, Herr Baron. Nicht Ihrem mysteriösen Zeitdieb. Er macht sich strafbar.“
„Tatsächlich, Herr Rast… äh Rastlos? Meines Wissens gibt es noch immer kein Gesetz, das es verbietet Zeit zu stehlen.“
„Aber was will der Zeitdieb denn mit seiner Tat erreichen?“
„Er will den Menschen die Zeit näher bringen. Wenn Sie mich fragen, ist das verlorene Zeit.“
„Herr Baron, halten Sie die Menschen etwa für dumm?“
„Nun ja, so würde ich das nicht nennen, eher gedankenlos, zu beschäftigt, zu selbstgefällig. Die Menschen glauben, sie könnten alles beherrschen, sogar die Zeit. Doch die Zeit lässt sich nicht beherrschen, sie ist sensibel, kostbar und kompliziert.“
„Zeit ist doch nur Zeit, sonst nichts.“
„Nun ja, das Sie das verstehen würden, Herr Rastlos, das habe ich auch nicht erwartet. Sehen Sie, die Zeit des Einzelnen ist beschränkt, doch gleichzeitig ist die Zeit unendlich. Sie schreitet unaufhörlich weiter. Immer in ihrem eigenen Takt, egal, was die Menschen tun oder nicht tun. Sie lässt sich nicht beirren. Wie viel Zeit der Mensch hat, wie er diese Zeit empfindet, liegt ganz am Menschen selbst. Wenn er durch die Zeit rast, ist sie schnell zu Ende. Vertrödelt der Mensch die Zeit, hinkt er immer hinterher. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit mit der Zeit zu leben.“
„Und welche, Herr Baron?“
„Im Hier und Jetzt zu leben. Weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft, sondern jetzt, denn das Leben passiert hier und jetzt, in diesem Augenblick.“
„Vielen Dank fürs Interview, Herr Baron von und zu Sommerwinter.“
„Immer wieder gern, Herr Rastlos. Wir sehen uns.“
„Herr Baron…“
„Herr Rastlos?“
„Wie lautet die Botschaft vom Zeitdieb?“
„Ach, die Botschaft… sie heißt: Zeit ist Jetzt.“
Martina Müller