Flohzirkus
Am Montag hatte ich eine Begegnung der besonderen Art. Sie war klein, schwarz und flink. Die Begegnung meine ich.
Bei einer Krauleinheit zum Wohle meines Hündchens, sah ich plötzlich etwas Kleines, Schwarzes durchs weiße Fell am Nacken flitzen. Nur kurz. Es war da und wieder weg. Glaubte wohl, es könnte sich vor mir verstecken. Alarmiert befahl ich meinem Hündchen still stehen zu bleiben und untersuchte das Nackenfell. Da, da war es wieder. Und wieder weg. Da, kurz bekam ich das Ding zu fassen, schwupp war es wieder weg. Das wird doch wohl nicht… Da, gleich hatte ich es… erwischt. Jetzt ist es auf den Fliesen, korrigiere: Es war auf den Fliesen. Es, genau genommen ER, sprang unmittelbar zurück ins Fell. Jetzt hatte ich Gewissheit. Nur eine Spezies konnte so springen: Ein Floh hatte es sich im Fell meines Hündchens bequem gemacht. Das erklärte auch, warum mein Hündchen den Abend zuvor plötzlich und scheinbar ohne Grund quiekte und aufsprang wie von der Tarantel gestochen. Von wegen Tarantel, vom Floh gestochen. Nicht mit mir, Freundchen!
Ein weiteres Mal suchte ich das Nackenfell ab, bekam diesen Blutsauger zu fassen und schnippte ihn auf die Fliesen. Doch bevor ich ihn zerdrücken konnte, sprang er und war weg. Weg? Wie, weg? Wo ist er hin? Ist er zurück ins Fell gesprungen oder ist er jetzt bei mir? Aaaaah… Keine Panik. Es gab einen Weg das herauszufinden. Ein Anti-Flohschampon-Bad. Nein, nicht ich, mein Hündchen natürlich.
Hunde-Handtücher aus dem Keller geholt, Schampon bereitgestellt, rein in die Wanne, mit dem Hündchen, Stöpsel in die Wanne (damit ich den Floh auch hinterher im Wasser schwimmen sehen kann!), Hündchen abgebraust und ordentlich Schampon aufs Hündchen verteilt. So, nun noch fünf Minuten einwirken lassen. Ein begossener Jack Russel, der gar nicht wusste wie ihm geschah, stand zitternd, aber brav in der Badewanne. Nein! Stopp! Nicht schütteln! Gut so… braver Hund… Noch zwei Minuten. Schließlich wollen wir doch sicher sein, dass der Floh auch sein Leben aushaucht. So, Zeit ist um. Ach, noch eine Sicherheitsminute. Jetzt aber. Hündchen abgebraust, Schütteln verhindert, raus aus der Wanne, Schütteln verhindert, rein in die Handtücher, Hündchen trocken gerubbelt, Schütteln erlaubt.
Ein kurzes Stoßgebet zum Himmel: Bitte lass mich den Floh finden, bitte lass mich den Floh finden…
Badewasser absuchen… da… nein, nur Dreck… weitersuchen… da, das könnte er sein… ein Stück Toilettenpapier abgerupft… was Kleines, Schwarzes rausgefischt… untersucht… erleichtert ausgeatmet… Ich hatte ihn erwischt, diesen Miniblutsauger! Dieser Floh stach mein Hündchen nicht mehr, und dieser Floh legte auch keine Eier in meine Wohnung. So! Flohzirkus beendet.
Natürlich habe ich noch am gleichen Tag die längst fällige Anti-Flohbehandlung zur Vorbeugung mit einem Spot-on-Produkt erledigt. Nun ist mein Hündchen wie neu. Frisch gebadet und behandelt. Vorsichtshalber habe ich noch ein paar Sprühstöße eines speziellen Anti-Flohmittels in der Wohnung verteilt. Nur zur Sicherheit. Schließlich wollen wir doch keinen Flohzirkus in der Wohnung.
Martina Müller