Was soll das eigentlich heißen?

Abgelegt unter: Gedankensplitter, Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 7:47 pm on Freitag, August 31, 2007

Was soll das eigentlich heißen?

„Eigentlich will ich schreiben.“ Was soll das eigentlich heißen? Hängt da nicht ein dickes Aber in der Luft? Hätte, wenn und aber, alles nur Gelaber?

Letzten Mittwoch habe ich mich mit einer lieben Schreibkollegin getroffen. Häufig gehen uns gleiche oder ähnliche Gedanken zur gleichen Zeit durch den Kopf, was mich immer wieder überrascht. So auch bei diesem Treffen.
Meine Seelenverwandte erklärte, dass sie in Kürze ein paar Tage mit sich alleine verbringen wird, um die Frage zu klären, wie ernst es ihr mit dem Schreiben sei. Merkwürdigerweise beschäftigt mich genau dieses Thema seit geraumer Zeit. Ich für meinen Teil bin längst zu dem Entschluss gekommen, dass ich eigentlich „nur“ schreiben will. Ich erzähle es ihr.  
Sie lächelt mich an: „Genau darum geht’s. Mich stört dieses Eigentlich.“
Ich war baff. Ich versuche es erneut: „Ich will eigentlich schreiben.“ So oft ich es auch versuchte, dieses Eigentlich schlich sich jedes Mal mit ein. Verflixt! Dieses Wort beeinflusste meine Synapsen.

Dabei hatte ich mich doch eigentlich längst entschieden. Wieso eigentlich immer eigentlich? Eigentlich will ich schreiben bedeutet doch, dass ich es nicht tue, obwohl ich es will. Aber wenn ich es will, was hat dann dieses Eigentlich da verloren? Warum formten meine Lippen nicht einfach: „Ich will schreiben!“? Hatte ich mich denn nicht wirklich dazu entschieden, sondern nur eigentlich?

Ich erörterte das Ganze am selben Abend mit meinem Schatz. Überraschenderweise meinte er, dass es auch endlich an der Zeit wäre, mich richtig für das Schreiben zu entscheiden… Hatte ich das denn nicht? …ich sollte es nicht nur wollen, sondern einfach tun. Äh? Ich grübelte und grübelte und grübelte und grübelte… …und wenn ich nicht gestorben bin, dann grübele ich noch heute…
Aber eigentlich hat er ja Recht. Sowohl dieses Eigentlich als auch dieses Will bedeutet, dass ich es zwar will, aber nicht tue, sondern möglicherweise irgendwann in der Zukunft tun werde, was wiederum bedeutet, ich lebe eigentlich *grummel* in der Zukunft. Aber in der Zukunft kann niemand leben; hat Baron von und zu Sommerwinter schon ausreichend erläutert.
Ja, lebe ich denn nicht wirklich, sondern nur eigentlich? Warum kann ich dieses E-Wort eigentlich nicht weglassen?
 
Das kann nur eins bedeuten: Meine Synapsen sind verhext, besessen vom E-Wort.
Ich muss sie befreien. Hier und jetzt!
„Ich schreibe.“ Na bitte, geht doch.
„Ich schreibe.“ Kurz und knapp, aussagekräftig und lebendig.
„Ich schreibe.“ Klingt doch eigentlich gut, oder nicht?

Martina Müller

Sam - der Neue

Abgelegt unter: Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 12:45 pm on Samstag, August 25, 2007

Sam – der Neue

Es ist vollbracht. Max wollte nicht mehr und wurde gestern von mir durch Sam ersetzt.
Vor zwei Wochen erst hatte ich Max wiederbelebt – gestern hat es ihn endgültig dahingerafft.

Max musste vor über einem Jahr vermutlich eine heftige Virenattacke über sich ergehen lassen und hat sich von diesem Angriff nie ganz erholt. Damals hatte ich alle meine Dateien auf Max gespeichert. ALLE! Nein, kein Backup. Ihr kennt das sicher: „Wollte ich immer mal machen.“
Meine Festplatte Max bestand damals auch nur aus einer Partition. Formatieren kam also nicht in Frage. Reparieren funktionierte nicht. Mein letzter Ausweg: Mein Neffe, der für mich beste Computerspezialist aller Zeiten. Wenn er es nicht schaffte, dann keiner.
Stundenlang versuchte er Windows notdürftig zu reparieren, mit allen möglichen Tools, nur um meine Daten zu retten. Er schaffte es, meine Daten auf meine zweite, kleinere Festplatte zu kopieren und verpasste Max eine zweite Partition. Mein Neffe ist ein Genie. Der Rest war dann ein Kinderspiel. Max wurde formatiert und neu bespielt. Innerhalb von drei Monaten drei Mal. Egal, Max lief.

Meine Daten habe ich ihm seitdem allerdings nie mehr anvertraut. Trotz zweiter Partition. Sorry Max. Ein ganzes Jahr lang hat er mich aber noch begleitet. Er stöhnte des Öfteren herzzerreißend: „SssssSSSSSssssSSSSSssss“, aber er blieb treu an meiner Seite. Schließlich jammern wir doch alle ab und zu und im Alter, wenn man auch noch angeschlagen ist, fällt halt vieles etwas schwerer.
Vor zwei Wochen allerdings machte Max erneut schlapp. Es gelang mir ihn noch mal zu formatieren, doch gestern war alles aus. Jeglicher Wiederbelebungsversuch scheiterte. Man muss auch Loslassen können, sagte ich mir, und schielte auf Sam, der geduldig auf seinen Einsatz wartete. Sam war größer und sah viel versprechend aus. Mein Schatz hatte ihn mir vor zwei Wochen überraschend mitgebracht – nachdem ich Max neu formatiert und bespielt hatte. Sams Zeit war gekommen.

Meine auch. Das erste Mal in meinem Leben würde ich eine Festplatte alleine aus- und einbauen.

„Und zieh den Stecker raus!“, war das Letzte, was ich von meinem Schatz hörte, bevor er ins Büro fuhr. Als ob ich blöd wäre! Grummel.
Stecker raus, Schraubendreher her. Mein Hündchen und ich standen schließlich vor dem Computerteil und rätselten wie dieses kompakte Ding wohl aufging. Ich schaute sogar unten drunter, während mein Hündchen das Ding einmal umrundete. Nichts. Ich starrte das Ding an und redete sogar mit ihm. „Du musst irgendwie aufgehen!“ Dann entdeckte ich sie, die kleine unscheinbare Schraube, die alles zusammenhielt. Und nach kurzer Zeit blickte ich auf ein ziemliches Kabelwirrwarr. Mein erster Impuls: Alles wieder zuschrauben. Mein zweiter Impuls: Nix da. Ich lass mich doch nicht von solch einem Ding unterkriegen. Doch wo war die Festplatte und welche war die richtige? Taschenlampe! Mist, ich brauche neue Batterien. Ah, „Maxtor“, das musste die richtige sein. Wie hatten die Max da bloß rein bekommen? Egal, wichtiger war: Wie kriege ich ihn da raus? Alle Stecker ausstecken, um die Raum füllenden Kabel vorübergehend zu beseitigen, schied aus. Nie im Leben würde ich das wieder zusammenkriegen. Also: Kabelbinder durchtrennen, die allernötigsten Stecker ausstecken und beschriften, eine kleine Portion Gewalt und die defekte Platte war raus. War ein bisschen wie Zahnziehen oder so ähnlich.

Nun war Sam dran. Wie bekam ich ihn an die Stelle von Max und zwar ohne Gewalt? Gar nicht. Es lässt sich eben nicht jeder einfach so ersetzen. Ich erwählte einen anderen Steckplatz. Ich nehme an, es ist egal wo er drinsteckt, Hauptsache er ist festgeschraubt und richtig verkabelt. So, alle Stecker überprüfen und zu das Ding. Na bitte, war gar nicht so schwer. Na ja.
Ran an den Strom und an das Ding. Wow, Sam funktionierte und wurde gleich erkannt. An mir ist eine Technikerin verloren gegangen. (Mich mal selbst lob, da niemand da war, der das tun konnte.) Ich wusste es ja schon immer. Ich liebe es nämlich Schrauben rein- und rauszudrehen.

Fragt mich nicht, wie ich es geschafft habe, die leere Festplatte zum Betriebssystemträger zu machen. Keine Ahnung wie, es hat nach einigem Gefummel funktioniert. Nun ist Sam frisch formatiert, partitioniert und voll gepackt mit dem Betriebssystem und allen meinen Programmen. Außerdem bewachen ihn zwei Bodyguards, ein dritter kommt noch hinzu. Ich hoffe Sam wird mir treu sein und mich lange begleiten.

Und Max? Na ja, man muss auch loslassen können. Ich finde er hat sich seine letzte Ruhe redlich verdient.

Hurrah, mein PC funktioniert wieder!


Martina Müller, Autorin und Technikerin ;-)

Ein Glücksdrache auf Tour

Abgelegt unter: Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 3:48 pm on Freitag, August 17, 2007

Ein Glücksdrache auf Tour

„Nevio und Monrose sind auch da.“ Uli wusste wie er mich kriegen konnte.
„Ja dann… dann komme ich natürlich mit.“
Dem zufriedenen Gesichtsausdruck meines Freundes nach zu urteilen, war das die Antwort, die er erwartet hatte.

Überredungskunst nennt man das wohl. Mein Freund musste nämlich am Wochenende arbeiten und wollte mich dabei haben. Er vertrat mit seinem Team und mit seinem Chef auf dem REWE Family Sommerfest die Universa auf dem Düsseldorfer Messegelände. Für diesen Samstag* würde er ein Teil der Tabaluga Glückstour 2007 sein.
Um eventuelle Zeiten des Nichtstuns ausfüllen zu können, packte ich meine Digitalkamera, ein Notizheft mit Stift und ein Buch in meinen Rucksack. Schließlich ging das Sommerfest von 11 Uhr bis 18 Uhr und ich wäre überwiegend auf mich allein gestellt.
Wie vertraut mir Tabaluga am Ende des Tages sein würde, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Um ca. 10 Uhr waren mein Freund und ich auf dem Messegelände angekommen. Um 10:10 Uhr stand ich mutterseelenallein im Universa-Tabalugazelt und wurde vom Tabaluga-Teamleiter im Tabaluga-T-Shirt gefragt, ob ich schon mal bei einer solchen Aktion mitgemacht hätte. Ich verneinte wahrheitsgemäß, worauf er meinte, wir würden eingewiesen, sobald alle unsere Leute da wären. Okay, dachte ich, ich gebe das einfach an meinen Schatz weiter, sobald er zurück war. Schließlich hatte ich ja nichts damit zu tun, ich war ausschließlich zum Vergnügen hier.

Der Sommer begann ausgerechnet an diesem Samstag und schien alles nachholen zu wollen, was er die letzten Wochen versäumt hatte. Es würde heiß werden, in jeder Hinsicht. Aufgrund des schönen Wetters würden ca. 100.000 Besucher erwartet, teilte uns der Tabaluga-Teamleiter mit. Wir könnten also alle helfenden Hände gebrauchen.
Ich wurde mit in die Aufgaben des Tabaluga-Universa-Teams eingewiesen, bekam ein Tablugashirt in die Hand gedrückt und saß schließlich im Tabalugashirt am Laptop, um die Kinder-Fotoaktion mit dem grünen Plüschdrachen vorzubereiten. Wie hätte ich den Hilferuf meines Schatzes ignorieren können. Mit Fotos und PC kannte ich mich schließlich bestens aus. Und eh ich mich versah, steckte ich mittendrin, in der Tabaluga-Fotoaktion. Pflichtbewusst sorgte ich dafür, dass das richtige Foto dem richtigen Kind zugeordnet wurde. Nichts auf der Welt hätte mich jetzt noch dazu gebracht, diese Aufgabe einem anderen zu übergeben. Die Fotoaktion war mein Baby und ich schien die Einzige zu sein, die den Überblick über die Zuordnung der Fotos hatte. Einmal angefangen, fühlte ich mich dafür verantwortlich, dass nichts schief ging.

Jede Stunde erschien der Plüsch-Tabaluga, umringt von Kindern, zum Fototermin, immer kurz nach voll. Nevio – wegen dem ich ja eigentlich hier war - sollte um 14:55 Uhr auftreten. Was soll ich sagen, ich habe ihn verpasst. 14:55 Uhr war definitiv die falsche Zeit für mich, zwischen 15 Uhr und 15:15 Uhr würde schließlich Tabaluga zum Fotografieren eintreffen… Ich kann es noch immer nicht glauben, dass ich – freiwillig - Nevio gegen einen grünen plüschigen Glücksdrachen eingetauscht habe. Nevio, so nah und doch so fern. Elendes Pflichtbewusstsein.

Kurz nach 17 Uhr sollte Tabaluga dann das letzte Mal mit Kindern fotografiert werden und 17:30 Uhr trat Monrose auf. Das müsste doch zu schaffen sein. Soweit die Theorie. Tabaluga bekam plötzlich Starallüren und verspätete sich. Unruhig blickte ich jede Sekunde auf die Uhr und hielt Ausschau nach grünem Plüsch. Endlich. Tabaluga schlurfte heran. Ein Blick auf die Uhr - noch könnte ich es schaffen. Dann war Tabaluga endlich weg, 17:35 Uhr, Monrose war schon auf der Bühne! Ein paar letzte Handgriffe – 17:45 Uhr.

Genug ist genug. Lauthals verkündete ich, dass ich nun Feierabend habe und bei Monrose zu finden sei. Ich zog das Tabaluga-T-Shirt aus, schnappte meinen Rucksack - in dem Notizheft, Stift und Buch noch genauso verstaut waren, wie ich sie morgens eingepackt hatte - und tauchte in der Menge unter. Dann stand ich endlich vor der Bühne. Senna, Bahar und Mandy gaben alles.
Ich hatte die letzte Popstars-Staffel verfolgt, die aus diesen drei Mädels Monrose geformt hatte. Ich hatte mit Senna, Bahar und Mandy gelacht, gezittert und geweint und nun standen sie praktisch vor mir und waren mir seltsam vertraut. Ich genoss die wenigen Minuten mit ihnen. Bei dem Lied „Hot Summer“ bekam ich eine Gänsehaut und hatte einen Kloß im Hals. Vier Lieder waren mir vergönnt plus Zugabe. Ein zweites Mal, kam ich in den Genuss von „Hot Summer“. Und wieder musste ich tief Luft holen. Der ganze Stress des Tages fiel einfach so von mir ab. Es war zu schön.

Fast 8 Stunden hatte ich schwitzend in diesem Glücksdrachenshirt verbracht und so gut wie nichts vom Sommerfest gesehen. Doch diese paar Minuten mit Monrose entschädigten für alles und gehörten mir nun ganz allein. Ich war froh, dass niemand bei mir war, der diesen Augenblick stören konnte.

Habe ich was dazugelernt? Ja: Ich bin wie ich bin und würde alles noch mal genauso machen, weil es mir auch Spaß gemacht hat Verantwortung zu übernehmen. Alles in allem war es ein schöner Tag, in jeder Hinsicht.


Erkenntnis des Tages:
Erst das Ende einer Geschichte entscheidet, ob sie gut ist.

* 04.08.2007

Stöckchen-Bekenntnisse

Abgelegt unter: Stoeckchen, Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 10:53 pm on Freitag, August 10, 2007

Stöckchen-Bekenntnisse

Meinem Hündchen erlaube ich dieses waghalsige Spiel nicht, aber Wally hat MIR das Stöckchen zugeworfen… ich musste einfach zugreifen. Stöckchen knabbernd sitze ich nun vor meinem Laptop und horche in mich hinein. Was habe ich wohl über mich zu erzählen?

Acht Punkte, die man über mich wissen sollte. Das interessiert mich jetzt aber auch:

1. Mein Name

Ich fange mit meinem Namen an, weil ich erstens ein logischer Mensch bin und zweitens das schon immer mal loswerden wollte.
 
Ich heiße Martina. Nur Martina. Nicht Martina Viktoria, Martina Elisabeth oder Martina Katharina… nein, einfach nur Martina. Mein Leben lang habe ich mich gefragt, warum sowohl meine Eltern als auch meine Geschwister je zwei Namen haben, während ich als Einzige in der Familie nur einen habe. Einen! Waren die Namen 1965 knapp geworden? Waren sie zu teuer? Haben Politiker zum Namen-Sparen aufgerufen oder gab es eine Namensteuer?
Nicht mal meine Mutter konnte mir seinerzeit eine ausreichende Erklärung geben. Ihr gefiel Martina einfach. Punkt.

Andererseits haben meine Geschwister einfach den Namen ihrer Paten an zweiter Stelle angehängt bekommen… Meine Patentante hieß Elfriede. Hmm… Ich mochte meine Patentante sehr, doch möchte ich deshalb Martina Elfriede heißen? Nein. Einfach Martina ist unter diesen Umständen wohl das kleinere Übel. Dabei hätte ich so gerne die Wahl gehabt, ob ich mich Martina oder Katharina oder Elisabeth nenne. Sieht so aus, als müsse ich mich einfach damit abfinden nur Martina zu heißen. *seufz*

2. Na gut, kommen wir zum nächsten Punkt: Zweimaligkeit

Obwohl ich eine Wasserfrau bin, also kein Zwilling, wohnen zwei Wesen in mir. Nennen wir die eine Mar und die andere Tina. Mar ist die Kritikerin. Sie ist pessimistisch angehaucht und findet garantiert immer ein Haar in der Suppe. Sie ist Expertin im Erfinden von Gründen, warum etwas schief gehen muss. Tina hingegen ist die Träumerin, sie sieht nur das Schöne, sie sieht alles so, als sähe sie es zum ersten Mal, unbeschwert und leicht. Sie tanzt und hüpft und liebt die Welt und die Menschen. Und wenn Tina gerade zum Höhenflug ansetzt kommt Mar mit erhobenem Zeigefinger hervorgeprescht und ermahnt sie. Mar holt Tina immer wieder auf den Boden zurück, erinnert sie an Vergangenes, bis Tina ganz traurig ist. Oft sind die Beiden unterschiedlicher Meinung und diskutieren solange bis sie erschöpft sind und gar nichts mehr wissen. Auf den ersten Blick wirkt Tina wesentlich sympathischer als Mar, doch Mar meint es nicht böse, sie möchte Tina nur vor Enttäuschungen und Verletzungen schützen. Im Grunde ist diese kleine Raubkatze ein unsicheres Schmusekätzchen.

3. Kinderträume:

Ich wollte immer Prinzessin werden. Daher habe ich mich schon als Kind auf diese Aufgabe vorbereitet. Ich hatte so einen roten Morgenmantel und da Rot ja DIE Farbe der Monarchen ist, habe ich dieses Gewand zum Auf-dem-Thron-sitzen-und-regieren angezogen. Wie, ihr hattet keinen Thron zu Hause? Also ich habe einfach einen Stuhl auf ein Sitzkissen – oder wie diese runden Sitzdinger aus Lederimitat hießen – gestellt und mich oben drauf gesetzt. Untertanen in Form von Puppen und Stofftieren gab es genug in meinem Zimmer.
Manchmal war ich auch Tierärztin und habe meine Stofftiere verbunden, aber Prinzessin war das, was ich wirklich werden wollte. Na ja, hat nicht ganz geklappt. Aber natürlich hatte ich einen Plan B: In Weiß heiraten und eine Familie gründen. Das hat immerhin zur Hälfte geklappt, auch wenn ich mittlerweile geschieden bin und mit meinem jetzigen Freund ein Leben in nicht legalisierter Form führe. Nicht gerade Prinzessinenlike. Aber was nicht ist, kann ja noch werden…

4. Perfektionismus:

Meine Liebe zur Logik erwähnte ich ja bereits, und wo Logik ist, ist logischerweise auch der Perfektionismus nicht weit.
Wie äußerte sich mein Schatz letztens: „Niemand ist perfekt, auch wenn du es fast bist.“ Süß gemeint. Leider bin ich alles andere als perfekt. Soll heißen, ich halte mich nicht für perfekt, sondern ich wäre es gerne. Stattdessen kann ich es mir nie recht machen. Kein Text ist gut genug, nichts was ich tue reicht aus mich zufrieden zu stellen. Ich fühle mich chaotisch und wäre so gerne diszipliniert und organisiert. *seufz* Doch langsam beginne ich, mich damit abzufinden und die Erde ist ne Scheibe…

5. Einige wissen es schon: Ich liebe Excel-Tabellen.

Warum das so ist, hat noch keiner erforscht. Vielleicht liegt es an der Sehnsucht, alles gut durchorganisiert zu haben… So habe ich es tatsächlich fertig gebracht, die gesamte Hausarbeit für jedes einzelne Zimmer in kleinste Einheiten zu unterteilen, mit dem Vermerk, was wie oft im Jahr, im Monat, in der Woche gemacht werden muss und zu einer Excel-Tabelle umzuarbeiten. Ich wollte endlich Ordnung und Regelmäßigkeit in mein Leben bringen… Hat nix genützt. Das Chaos herrscht nach wie vor. Dabei bin ich mit Stift und Block bewaffnet durchs ganze Haus marschiert und habe jedes Detail notiert.Dahinter steckt vermutlich der Gedanke, dass äußerliche Ordnung sich auf mein Inneres übertragen könnte. Mein vielleicht größter Wunsch: Ordnung in mein inneres Chaos zu bringen.

6. Es lebe die Technik

Außer Excel-Tabellen liebe ich es auch, technisch gut ausgerüstet zu sein. Am Liebsten hätte ich alles – von der Digitalkamera über den PC bis hin zum Fernseher und Videorekorder – auf dem neusten Stand der Technik. Nur das Beste mit allen Funktionen, die die Welt so hergibt. Leider weigert sich mein Portemonnaie da mitzumachen.Man könnte meinen ich sei ein Technikfreak. Bin ich nicht. Ich liebe es einfach alle Möglichkeiten zu haben (ohne wirklich alle zu nutzen) meinen kreativen Gelüsten gerecht zu werden. Einzige Voraussetzung: Es muss auch alles funktionieren! Ansonsten möchte ich den ganzen Technikkram an die Wand klatschen oder aus dem Fenster werfen. Ich hasse nichts mehr, als Technik die nicht funktioniert.

7. Geduld und Ungeduld

Das führt mich zum Thema Ungeduld. Es könnte glatt mein zweiter Vorname sein – mir fehlt ja eh noch einer. Wenn ein PC ewig braucht um eine Anwendung zu öffnen, könnte ich ausflippen, wenn Schnüre verknotet sind, möchte ich darauf herumtrampeln, wenn mir was auf der Seele brennt und mein Schatz nach Hause kommt, kann ich nicht warten bis er die Tasche abgesetzt hat, ich muss es ihm sofort erzählen, aber wenn ich am PC sitze und schreibe oder wenn ich male oder wenn ich fotografiere oder Fotos bearbeite oder wenn ich eine Fernbedienung, die ich vorher vor Wut auf den Boden geworfen habe, (Äh *räusper*, ich schwöre, ist erst einmal vorgekommen! Okay, da wäre noch die Glasscheibe, wo versehentlich ein Schuh durchgeflogen ist, aber das ist ca. 20 Jahre her!) wieder zusammensetze, dann habe ich eine Engelsgeduld. Ich bin also sowohl ungeduldig als auch geduldig. Das ist doch durchaus positiv, oder?

8. Spinnen

Was unbedingt zu den acht Dingen zählt, die man über mich wissen sollte: Ich habe eine Spinnenphobie. Mit den winzig kleinen Spinnen, für die man fast eine Lupe braucht, werde ich mittlerweile fertig, worauf ich sehr stolz bin. Meistens bringe ich sie eigenhändig an die frische Luft, wo sie hingehören. Auch bei diesen dürren bräunlichen Spinnen, die schon beim Angucken auseinander fallen, kann ich mich noch beherrschen. Doch sind sie schwarz und können sogar springen, dann kreische ich ohne Vorwarnung. Je größer eine Spinne desto schlimmer natürlich. Da kann mir die Sprache abhanden kommen und/oder mein Körper erstarren. Das ist einer der Gründe, warum ich niemals nach Australien fliegen würde: Zu viele Spinnen, die obendrein auch noch giftig sind.Folgende Anekdote verdeutlicht vielleicht meine „Beziehung“ zu den ekligen Achtbeinern:Vor einiger Zeit - an einem ansonsten schönen Morgen - passierte es: Eine dicke fette Spinne klebte unter der Decke meines Schlafzimmers. Ich kreischte und erstarrte. Da ich zu dieser Zeit Single war und mich somit keiner erlösen konnte, blieb mir nichts anderes übrig, als mich selbst zu retten. Ich fixierte das Ekeltier, während meine Synapsen panisch nach einer Lösung suchten. Klar war, dass ich unmöglich zur Arbeit fahren konnte, während dieses schwarze Riesending in meinem Schlafzimmer verweilte. Keinen Schritt mehr würde ich in dieses Zimmer tun, wenn diese Spinne nach Feierabend nicht mehr genau an diesem Platz wäre. Ich würde ausziehen müssen oder den Kammerjäger rufen. Die Spinne musste weg. Aber wie.

Zermatschen kam nicht in Frage. Zu groß und zu riskant. Auch der Staubsauger schied aus; sie könnte hinauskrabbeln. Ein Gefäß musste her. Ein Gefäß mit dem ich die Spinne aus der Wohnung befördern konnte. Aber es musste lang genug sein, damit ich ihr nicht zu nahe kam. Hatte ich nicht so eine Plastikdose für Spaghetti, sogar mit Deckel? Perfekt. Mit diesem transparenten Spaghettiteil kletterte ich auf einen Stuhl direkt unter der Spinne. Mir war zum Kreischen und Weglaufen. Dennoch war es das kleinere Übel. Der Gedanke diesem Krabbelungeheuer in meinem Bett zu begegnen, trieb mich an. Wohl eine Ewigkeit stand ich einsatzbereit auf dem Stuhl und wartete auf einen Mutanfall. Ich würde zu spät zur Arbeit kommen, die Zeit drängte. Mit einem Puls von mindestens 180, stülpte ich schließlich den Behälter über die Spinne. Geschafft. Doch noch hing sie an der Decke. Also schob ich den Behälter angeekelt ein wenig hin und her. Völlig unerwartet, obwohl beabsichtigt, verlor die Spinne ihren Halt und fiel hinab ins Spaghettiglas. Erschrocken kreischte ich um mein Leben und ließ fast den Behälter samt Spinne fallen. Im letzten Moment riss ich mich zusammen, hielt die Dose fest und klappte den Deckel zu. Bebend stieg ich vom Stuhl. Meine Beine zitterten. Was nun? Da ich noch im Schlafanzug war, konnte ich schlecht nach Draußen marschieren. Aber dieses Riesenungeheuer unbeaufsichtigt in der Wohnung lassen, während ich duschte, war ausgeschlossen. Natürlich war mir klar, dass sie den Deckel unmöglich öffnen konnte… trotzdem, man konnte nie vorsichtig genug sein! So stellte ich die Spinne hinaus in den Hausflur und beschloss sie später - weit weg vom Haus - im Grünen freizulassen. Was die Nachbarn wohl gedacht haben, als diese Spinne im Spaghettibehälter auf der Fußmatte vor meiner Türe stand? Egal, Hauptsache ich musste nicht ausziehen.

Heute habe ich für solche Fälle einen Retter im Haus, der mich vor diesen Ungeheuern beschützt. Obwohl ich ihm vertraue und ich mich beim Anblick einer Spinne ekle, muss ich allerdings mit eigenen Augen sehen, ob er die Spinne auch wirklich erwischt hat.

9. Vielfältigkeit oder Unentschlossenheit

9. ? Upps, ich hab ja schon acht… dieser Punkt fällt also aus…

FERTIG! Wer hätte gedacht, dass ich soviel über mich weiß.
Das heißt, ich kann das Stöcken nehmen und weiter werfen. Nee, weggucken hilft euch gar nix.

Ich werfe das Stöckchen an:

Martina „MinaLosa“ – von der ich weiß, dass sie mich trotz Zeitmangel nicht im Stich lassen wird

und an

„Eluin“ – von der ich hoffe, dass sie das Stöckchen fängt, weil ich mir die Daumen für sie platt gedrückt habe und weil sie gerade so glücklich ist die Klausur in „Genetik“ bestanden zu haben. Immerhin auch mein Erfolg. ;-)

Mehr Stöckchen kann ich nicht verteilen, weil die, die ich kenne entweder schon an einem Stöckchen herumkauen oder aber kein Weblog besitzen. Und außerdem sind mir beim Formatieren meiner Festplatte meine Favoriten mit den Webadressen abhanden gekommen *schnüff* Hätte ich mal eine Excel-Tabelle angelegt!

Herbstgefühle

Abgelegt unter: Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 8:52 pm on Mittwoch, August 1, 2007

Herbstgefühle

Neun Uhr morgens in Heinsberg. Die Sonne scheint, der Himmel leuchtet und die Welt ist in Ordnung. Ich öffne die Terrassentüre und lasse mein Hündchen hinaus in den Garten. Erstaunlich kühle Luft weht mir entgegen. Bevor Pepper dem Rasen eine warme Dusche gönnt, trottet er vorsichtig auf die Terrasse, streckt die Nase in die Luft und schnuppert. Das macht er jeden Morgen so. Was er wohl riecht? Ich tue es ihm nach. Mein Schnupperergebnis: Eine frische Herbstbrise vermischt mit einer dezenten Duftmarke namens „Landluft“. Herbstbrise? Heute ist der erste August, wir befinden uns mitten im Sommer und ich habe Herbstgefühle?

Ich liebe den Herbst und frage mich, warum ich ausgerechnet ihn als Lieblingsjahreszeit auserkoren habe. Schließlich ist er sozusagen der Beginn des Schlussakkords, der Anfang vom Ende. Wieso gefällt mir das? Die meisten Menschen lieben eher den Sommer, soweit ich weiß.

Für mich hat der Herbst etwas Besonderes, etwas Mystisches an sich. Er ist farbig und beständig. Der Himmel leuchtet eine Spur blauer als sonst, die Luft ist klarer und das Laub leuchtet in den verschiedensten Farben. Weil er nicht so heiß ist, empfinde ich den Herbst angenehmer als den Sommer. Natürlich mag ich auch den Frühling, wenn alles frisch und unverbraucht ist, nach und nach die Pflanzen erwachen und wachsen und der Sommer noch vor uns liegt und uns glauben lässt, dass alles möglich ist, dass das Beste noch vor uns liegt. Doch oft ist der Frühling zu kurz und der Sommer, von uns herbeigesehnt, steht früher vor der Tür als es gut ist.

Dabei weiß niemand, was der Sommer bringen wird, ob es ein guter oder weniger guter Sommer wird. Ob er zu heiß wird, der Boden austrocknet und die Felder verdorren oder ob er zu nass wird, das Korn verdirbt und das Land überflutet. Manchmal reinigt ein Gewitter die zu schwüle Sommerluft und richtet Schaden an.
Dieses Jahr ist der Sommer zum Beispiel äußerst launisch. An einem Tag ist es kühl, am nächsten wieder heiß. Mal scheint die Sonne, mal schüttet, mal gewittert es. Ein ständiges Auf und Ab. Letztes Jahr hingegen war es durchgehend heiß und viel zu trocken. Es war unerträglich, jeder Schritt vor die Türe bedeutete Folter für mich. So unterschiedlich und flatterhaft kann der Sommer sein. Und selten ist er so, wie man es sich wünscht.

Der Herbst hingegen kommt mir wesentlich beständiger vor. Es gibt viele Tage mit Sonnenschein, wolkenlosem Himmel und trotzdem angenehmen Temperaturen. Die Luft ist klar und frisch, nicht zu heiß und nicht zu kalt. Wir verbrennen nicht und wir erfrieren nicht. Ab und an frösteln wir vielleicht, doch immer wieder wärmen uns Sonnenstrahlen.
Klar gibt es auch Regen und mal einen Sturm und in den Bergen schneit es schon mal, und je mehr sich der Herbst dem Winter nähert desto öfter kommt es vor. Trotzdem liebe ich den Herbst.
Wenn es draußen mal stürmt, dann genieße ich es, gemütlich im warmen Zimmer im kuscheligen Sessel zu sitzen, einen heißen Kakao zu trinken und auf den turbulenten Sommer zurückzublicken. Ich genieße es, ein gutes Buch zu lesen und in andere Welten einzutauchen, ohne das Gefühl zu habe, ich könnte was versäumen. Ich genieße den kostbaren Moment der Ruhe und Wärme solange es geht.
Und rückt der kalte Winter und das Ende des Jahres dann unausweichlich näher, ist es an der Zeit das alte Jahr abzuschließen und mit Zuversicht auf einen neuen Frühling mit neuen Möglichkeiten zu hoffen.

Doch noch ist es nicht soweit. Noch ist es zu früh für Herbstgefühle.
Mein Blick fällt auf Pepper. Er hat mittlerweile seine Schnupperarie beendet und lässt dem Rasen die übliche warme Morgendusche zukommen. Gönnerhaft verteilt er dabei seinen Saft auf mehrere Rasenabschnitte, hebt mal das linke, mal das rechte Bein und stolziert schließlich lebensfroh zurück ins Haus. Von Herbstgefühlen keine Spur.
Ich schließe die Türe und genieße das Bewusstsein, einen freien Tag vor mir zu haben, egal ob Sommer oder Herbst.

1. August 2007    Martina Müller