Stöckchen-Bekenntnisse
Meinem Hündchen erlaube ich dieses waghalsige Spiel nicht, aber Wally hat MIR das Stöckchen zugeworfen… ich musste einfach zugreifen. Stöckchen knabbernd sitze ich nun vor meinem Laptop und horche in mich hinein. Was habe ich wohl über mich zu erzählen?
Acht Punkte, die man über mich wissen sollte. Das interessiert mich jetzt aber auch:
1. Mein Name
Ich fange mit meinem Namen an, weil ich erstens ein logischer Mensch bin und zweitens das schon immer mal loswerden wollte.
Ich heiße Martina. Nur Martina. Nicht Martina Viktoria, Martina Elisabeth oder Martina Katharina… nein, einfach nur Martina. Mein Leben lang habe ich mich gefragt, warum sowohl meine Eltern als auch meine Geschwister je zwei Namen haben, während ich als Einzige in der Familie nur einen habe. Einen! Waren die Namen 1965 knapp geworden? Waren sie zu teuer? Haben Politiker zum Namen-Sparen aufgerufen oder gab es eine Namensteuer?
Nicht mal meine Mutter konnte mir seinerzeit eine ausreichende Erklärung geben. Ihr gefiel Martina einfach. Punkt.
Andererseits haben meine Geschwister einfach den Namen ihrer Paten an zweiter Stelle angehängt bekommen… Meine Patentante hieß Elfriede. Hmm… Ich mochte meine Patentante sehr, doch möchte ich deshalb Martina Elfriede heißen? Nein. Einfach Martina ist unter diesen Umständen wohl das kleinere Übel. Dabei hätte ich so gerne die Wahl gehabt, ob ich mich Martina oder Katharina oder Elisabeth nenne. Sieht so aus, als müsse ich mich einfach damit abfinden nur Martina zu heißen. *seufz*
2. Na gut, kommen wir zum nächsten Punkt: Zweimaligkeit
Obwohl ich eine Wasserfrau bin, also kein Zwilling, wohnen zwei Wesen in mir. Nennen wir die eine Mar und die andere Tina. Mar ist die Kritikerin. Sie ist pessimistisch angehaucht und findet garantiert immer ein Haar in der Suppe. Sie ist Expertin im Erfinden von Gründen, warum etwas schief gehen muss. Tina hingegen ist die Träumerin, sie sieht nur das Schöne, sie sieht alles so, als sähe sie es zum ersten Mal, unbeschwert und leicht. Sie tanzt und hüpft und liebt die Welt und die Menschen. Und wenn Tina gerade zum Höhenflug ansetzt kommt Mar mit erhobenem Zeigefinger hervorgeprescht und ermahnt sie. Mar holt Tina immer wieder auf den Boden zurück, erinnert sie an Vergangenes, bis Tina ganz traurig ist. Oft sind die Beiden unterschiedlicher Meinung und diskutieren solange bis sie erschöpft sind und gar nichts mehr wissen. Auf den ersten Blick wirkt Tina wesentlich sympathischer als Mar, doch Mar meint es nicht böse, sie möchte Tina nur vor Enttäuschungen und Verletzungen schützen. Im Grunde ist diese kleine Raubkatze ein unsicheres Schmusekätzchen.
3. Kinderträume:
Ich wollte immer Prinzessin werden. Daher habe ich mich schon als Kind auf diese Aufgabe vorbereitet. Ich hatte so einen roten Morgenmantel und da Rot ja DIE Farbe der Monarchen ist, habe ich dieses Gewand zum Auf-dem-Thron-sitzen-und-regieren angezogen. Wie, ihr hattet keinen Thron zu Hause? Also ich habe einfach einen Stuhl auf ein Sitzkissen – oder wie diese runden Sitzdinger aus Lederimitat hießen – gestellt und mich oben drauf gesetzt. Untertanen in Form von Puppen und Stofftieren gab es genug in meinem Zimmer.
Manchmal war ich auch Tierärztin und habe meine Stofftiere verbunden, aber Prinzessin war das, was ich wirklich werden wollte. Na ja, hat nicht ganz geklappt. Aber natürlich hatte ich einen Plan B: In Weiß heiraten und eine Familie gründen. Das hat immerhin zur Hälfte geklappt, auch wenn ich mittlerweile geschieden bin und mit meinem jetzigen Freund ein Leben in nicht legalisierter Form führe. Nicht gerade Prinzessinenlike. Aber was nicht ist, kann ja noch werden…
4. Perfektionismus:
Meine Liebe zur Logik erwähnte ich ja bereits, und wo Logik ist, ist logischerweise auch der Perfektionismus nicht weit.
Wie äußerte sich mein Schatz letztens: „Niemand ist perfekt, auch wenn du es fast bist.“ Süß gemeint. Leider bin ich alles andere als perfekt. Soll heißen, ich halte mich nicht für perfekt, sondern ich wäre es gerne. Stattdessen kann ich es mir nie recht machen. Kein Text ist gut genug, nichts was ich tue reicht aus mich zufrieden zu stellen. Ich fühle mich chaotisch und wäre so gerne diszipliniert und organisiert. *seufz* Doch langsam beginne ich, mich damit abzufinden und die Erde ist ne Scheibe…
5. Einige wissen es schon: Ich liebe Excel-Tabellen.
Warum das so ist, hat noch keiner erforscht. Vielleicht liegt es an der Sehnsucht, alles gut durchorganisiert zu haben… So habe ich es tatsächlich fertig gebracht, die gesamte Hausarbeit für jedes einzelne Zimmer in kleinste Einheiten zu unterteilen, mit dem Vermerk, was wie oft im Jahr, im Monat, in der Woche gemacht werden muss und zu einer Excel-Tabelle umzuarbeiten. Ich wollte endlich Ordnung und Regelmäßigkeit in mein Leben bringen… Hat nix genützt. Das Chaos herrscht nach wie vor. Dabei bin ich mit Stift und Block bewaffnet durchs ganze Haus marschiert und habe jedes Detail notiert.Dahinter steckt vermutlich der Gedanke, dass äußerliche Ordnung sich auf mein Inneres übertragen könnte. Mein vielleicht größter Wunsch: Ordnung in mein inneres Chaos zu bringen.
6. Es lebe die Technik
Außer Excel-Tabellen liebe ich es auch, technisch gut ausgerüstet zu sein. Am Liebsten hätte ich alles – von der Digitalkamera über den PC bis hin zum Fernseher und Videorekorder – auf dem neusten Stand der Technik. Nur das Beste mit allen Funktionen, die die Welt so hergibt. Leider weigert sich mein Portemonnaie da mitzumachen.Man könnte meinen ich sei ein Technikfreak. Bin ich nicht. Ich liebe es einfach alle Möglichkeiten zu haben (ohne wirklich alle zu nutzen) meinen kreativen Gelüsten gerecht zu werden. Einzige Voraussetzung: Es muss auch alles funktionieren! Ansonsten möchte ich den ganzen Technikkram an die Wand klatschen oder aus dem Fenster werfen. Ich hasse nichts mehr, als Technik die nicht funktioniert.
7. Geduld und Ungeduld
Das führt mich zum Thema Ungeduld. Es könnte glatt mein zweiter Vorname sein – mir fehlt ja eh noch einer. Wenn ein PC ewig braucht um eine Anwendung zu öffnen, könnte ich ausflippen, wenn Schnüre verknotet sind, möchte ich darauf herumtrampeln, wenn mir was auf der Seele brennt und mein Schatz nach Hause kommt, kann ich nicht warten bis er die Tasche abgesetzt hat, ich muss es ihm sofort erzählen, aber wenn ich am PC sitze und schreibe oder wenn ich male oder wenn ich fotografiere oder Fotos bearbeite oder wenn ich eine Fernbedienung, die ich vorher vor Wut auf den Boden geworfen habe, (Äh *räusper*, ich schwöre, ist erst einmal vorgekommen! Okay, da wäre noch die Glasscheibe, wo versehentlich ein Schuh durchgeflogen ist, aber das ist ca. 20 Jahre her!) wieder zusammensetze, dann habe ich eine Engelsgeduld. Ich bin also sowohl ungeduldig als auch geduldig. Das ist doch durchaus positiv, oder?
8. Spinnen
Was unbedingt zu den acht Dingen zählt, die man über mich wissen sollte: Ich habe eine Spinnenphobie. Mit den winzig kleinen Spinnen, für die man fast eine Lupe braucht, werde ich mittlerweile fertig, worauf ich sehr stolz bin. Meistens bringe ich sie eigenhändig an die frische Luft, wo sie hingehören. Auch bei diesen dürren bräunlichen Spinnen, die schon beim Angucken auseinander fallen, kann ich mich noch beherrschen. Doch sind sie schwarz und können sogar springen, dann kreische ich ohne Vorwarnung. Je größer eine Spinne desto schlimmer natürlich. Da kann mir die Sprache abhanden kommen und/oder mein Körper erstarren. Das ist einer der Gründe, warum ich niemals nach Australien fliegen würde: Zu viele Spinnen, die obendrein auch noch giftig sind.Folgende Anekdote verdeutlicht vielleicht meine „Beziehung“ zu den ekligen Achtbeinern:Vor einiger Zeit - an einem ansonsten schönen Morgen - passierte es: Eine dicke fette Spinne klebte unter der Decke meines Schlafzimmers. Ich kreischte und erstarrte. Da ich zu dieser Zeit Single war und mich somit keiner erlösen konnte, blieb mir nichts anderes übrig, als mich selbst zu retten. Ich fixierte das Ekeltier, während meine Synapsen panisch nach einer Lösung suchten. Klar war, dass ich unmöglich zur Arbeit fahren konnte, während dieses schwarze Riesending in meinem Schlafzimmer verweilte. Keinen Schritt mehr würde ich in dieses Zimmer tun, wenn diese Spinne nach Feierabend nicht mehr genau an diesem Platz wäre. Ich würde ausziehen müssen oder den Kammerjäger rufen. Die Spinne musste weg. Aber wie.
Zermatschen kam nicht in Frage. Zu groß und zu riskant. Auch der Staubsauger schied aus; sie könnte hinauskrabbeln. Ein Gefäß musste her. Ein Gefäß mit dem ich die Spinne aus der Wohnung befördern konnte. Aber es musste lang genug sein, damit ich ihr nicht zu nahe kam. Hatte ich nicht so eine Plastikdose für Spaghetti, sogar mit Deckel? Perfekt. Mit diesem transparenten Spaghettiteil kletterte ich auf einen Stuhl direkt unter der Spinne. Mir war zum Kreischen und Weglaufen. Dennoch war es das kleinere Übel. Der Gedanke diesem Krabbelungeheuer in meinem Bett zu begegnen, trieb mich an. Wohl eine Ewigkeit stand ich einsatzbereit auf dem Stuhl und wartete auf einen Mutanfall. Ich würde zu spät zur Arbeit kommen, die Zeit drängte. Mit einem Puls von mindestens 180, stülpte ich schließlich den Behälter über die Spinne. Geschafft. Doch noch hing sie an der Decke. Also schob ich den Behälter angeekelt ein wenig hin und her. Völlig unerwartet, obwohl beabsichtigt, verlor die Spinne ihren Halt und fiel hinab ins Spaghettiglas. Erschrocken kreischte ich um mein Leben und ließ fast den Behälter samt Spinne fallen. Im letzten Moment riss ich mich zusammen, hielt die Dose fest und klappte den Deckel zu. Bebend stieg ich vom Stuhl. Meine Beine zitterten. Was nun? Da ich noch im Schlafanzug war, konnte ich schlecht nach Draußen marschieren. Aber dieses Riesenungeheuer unbeaufsichtigt in der Wohnung lassen, während ich duschte, war ausgeschlossen. Natürlich war mir klar, dass sie den Deckel unmöglich öffnen konnte… trotzdem, man konnte nie vorsichtig genug sein! So stellte ich die Spinne hinaus in den Hausflur und beschloss sie später - weit weg vom Haus - im Grünen freizulassen. Was die Nachbarn wohl gedacht haben, als diese Spinne im Spaghettibehälter auf der Fußmatte vor meiner Türe stand? Egal, Hauptsache ich musste nicht ausziehen.
Heute habe ich für solche Fälle einen Retter im Haus, der mich vor diesen Ungeheuern beschützt. Obwohl ich ihm vertraue und ich mich beim Anblick einer Spinne ekle, muss ich allerdings mit eigenen Augen sehen, ob er die Spinne auch wirklich erwischt hat.
9. Vielfältigkeit oder Unentschlossenheit
9. ? Upps, ich hab ja schon acht… dieser Punkt fällt also aus…
FERTIG! Wer hätte gedacht, dass ich soviel über mich weiß.
Das heißt, ich kann das Stöcken nehmen und weiter werfen. Nee, weggucken hilft euch gar nix.
Ich werfe das Stöckchen an:
Martina „MinaLosa“ – von der ich weiß, dass sie mich trotz Zeitmangel nicht im Stich lassen wird
und an
„Eluin“ – von der ich hoffe, dass sie das Stöckchen fängt, weil ich mir die Daumen für sie platt gedrückt habe und weil sie gerade so glücklich ist die Klausur in „Genetik“ bestanden zu haben. Immerhin auch mein Erfolg.
Mehr Stöckchen kann ich nicht verteilen, weil die, die ich kenne entweder schon an einem Stöckchen herumkauen oder aber kein Weblog besitzen. Und außerdem sind mir beim Formatieren meiner Festplatte meine Favoriten mit den Webadressen abhanden gekommen *schnüff* Hätte ich mal eine Excel-Tabelle angelegt!