Ruhe nach dem Sturm

Abgelegt unter: Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 8:22 pm on Freitag, Juli 20, 2007

Die Ruhe nach dem Sturm

Pepper und ich haben unsere Spaziergeh-Runde fast beendet. Heute ist es nicht so warm, aber ein wenig drückend, wie ich finde. Pepper scheint es egal zu sein. Er schnuppert unbeeindruckt jeden einzelnen Grashalm ab, ständig auf der Suche nach einer interessanten Duftmarke. Ist sie gefunden, wird der duftende Halm hektisch umrundet und angestrullert. Ich bin froh, kein Grashalm zu sein.

Plötzlich bemerke ich eine Veränderung im Tageslicht, reiße mich von dem äußerst wichtigen und interessanten Ritual des Markierens ab und werfe einen Blick in den Himmel. Ich beschließe, dass nicht jeder Grashalm eine warme Dusche braucht und lege einen Schritt zu. Heute Vormittag wirkte der wolkenlose Himmel schon ein wenig „verschleiert“, so als hätte man ihn in Milch getaucht. Jetzt aber scheint er sich mit Ruß vermischt zu haben, in der Ferne schimmert es bedrohlich düster. Auf gar keinen Fall will ich hier draußen sein, wenn das hier ankommt.
Ein leises Grummeln aus der Ferne bestärkt mich in meinem Vorhaben. So ziehe ich Pepper gnadenlos von einem offensichtlich besonders gut duftenden Halm weg und marschiere schnurstracks nach Hause.

Kaum sitze ich in meinem Büro am Computer, wird es Nacht. Unruhe überfällt mich. Das Licht im Flur flackert. Für einen Moment ist es still, dann bricht die Hölle los. Es blitzt, grollt, kracht und knallt. Ausgerechnet jetzt fällt mir dieser Bericht ein, in dem Menschen in einer Schutzhütte vom Blitz getroffen worden waren. Seit ich diesen Bericht im Fernsehen verfolgt habe, fühle ich mich nicht mal mehr im Haus sicher vor einem Gewitter und schon gar nicht in der ersten Etage, fast unterm Dach. Fest steht, ich muss runter ins Wohnzimmer. Schließlich weiß ja jedes Kind, dass der Blitz immer an der höchsten Stelle einschlägt. “Krawumm.” Ich zucke zusammen. Ich muss sofort die Fenster schließen, den PC herunterfahren und den Stecker rausziehen… halt, nicht so schnell! Ich sehe mich schon am Fensterhebel kleben, wo ich zuckend mein Leben beende. Ich warte lieber den nächsten Blitz ab. Jetzt! Unter Einsatz meines Lebens schnelle ich vor, ergreife den Hebel und verriegle das Fenster. “KRAAAWUMMMMM!” Instinktiv springe ich in die Hocke und kauere mich vorschriftsmäßig am Boden zusammen. Mein Hündchen, das bis jetzt auf seiner Decke im Büro geschlummert hat, guckt mich verstört an.
„Pepper, hier oben ist es zu gefährlich. Wir müssen schnell nach unten“, erkläre ich mehr mir als ihm und werde hektisch. Mein kluges Hündchen scheint zu verstehen und folgt mir nun überall hin: Ins Bad, ins Schlafzimmer, unter den Schreibtisch zum Stromabschalten und schließlich ins Erdgeschoß. Gerettet! Noch schnell den Fernseher ausstecken, den Kaffeeautomaten ausschalten, fertig.

Es blitzt und kracht noch immer ununterbrochen. Zusätzlich fegt nun ein Orkan durch die Bäume, während Wassermassen vom Himmel stürzen. Auf unserem Dach scheint sogar neuerdings ein Wasserfall zu entspringen und direkt vor unserer Terrassentüre in die Tiefe zu stürzen.
Pepper und ich kuscheln uns im Dunkeln auf der Couch aneinander und warten ab. Ganz still lassen wir das Ganze über uns ergehen.

Auf einmal wird es heller und aus dem Krachen und Knallen wird ein Grummeln und Brummeln. Endlich, das Gewitter zieht ab. Ich lausche noch eine Weile dem Gewittergrummeln hinterher und höre ein entferntes Tatütata. Dann wird es ruhig, da draußen. Es ist nass, aber still. Und Pepper? Ihn hat das Gewitter offensichtlich nicht beeindruckt. Eingerollt liegt er an mich gekuschelt und schläft.

Die Wanduhr tickt, eine seltsame Stille ist das plötzlich. Aber irgendwie auch himmlisch, diese Ruhe nach dem Sturm.

20. Juli 2007  Martina Müller

Ein Stück vom Himmel

Abgelegt unter: Gedankensplitter, Alles, Allgemein — Buchstabenwiese at 3:37 pm on Montag, Juli 9, 2007

Ein Stück vom Himmel

Wieder einmal starre ich auf den Bildschirm und grüble, ob Schreiben wirklich das Richtige für mich ist. Wer schreiben will, muss etwas zu sagen haben. Habe ich etwas zu sagen?
Wen sollten meine Gedankenflüge fesseln? Im Universum wimmelt es von Gedankenblasen, gefüllt mit den verschiedensten Ideen, Hirngespinsten, Luftschlössern, Träumereien und Phantasien. Es gibt viel kreativere und intelligentere Köpfe als meinen. Wer bin ich schon? Ein Durchschnittsmensch; ein Stück vom Himmel in einer riesigen Puzzlewelt.

Eine liebe Bekannte mailte mir vor ein paar Wochen diese Philosophie über den Sinn des Lebens: Die Welt gleiche einem riesigen Puzzle und fehlte auch nur ein einziges Teil, so wäre das Puzzle nicht vollständig. Selbst wenn es sich dabei nur um ein Stück vom Himmel handelte, das all den anderen Himmelsteilen gleicht, so würde etwas Wesentliches fehlen.

Vermutlich bin ich nur ein Stück vom Himmel in dieser bunten Puzzlewelt: Fehlte es – klaffte dort eine Lücke, doch ist es an seinem Platz – übersieht man es. Reicht mir das? Ich möchte gesehen werden, ich möchte etwas Besonderes sein. Ich möchte eins von den schönen Puzzleteilen sein, die mit ihren leuchtenden Farben die Blicke auf sich ziehen.
Aber möchte nicht jeder auf seine Art etwas Besonderes sein und gibt es nicht viel mehr Menschen, die nur davon träumen ein farbiges Puzzleteil zu sein? Und doch, was wäre schon ein Puzzle ohne den wunderschönen blauen Himmel?

Was wäre ein Star ohne Fans?

Was wäre eine Rose ohne die vielen gleich aussehenden Blütenblätter?

Was wäre ein König ohne Volk? In einem Königreich, in dem jeder König wäre, wäre Königsein nichts Besonderes mehr.

Nicht jeder kann also im Rampenlicht stehen. Das gäbe ein schönes Gedränge und Geschubse auf der Bühne und nichts würde funktionieren.

Vielleicht muss man es sich so vorstellen:
Neben all den bunten Teilen eines Puzzles sorgt der Himmel mit seiner Leuchtkraft für die richtige Kulisse. So gesehen, ist es vielleicht doch nicht so übel ein Stück vom Himmel zu sein.
Und wer weiß, vielleicht verirrt sich irgendwann ein bunter Ballon auf dieses Stück vom Himmel…
 

6. Juli 2007    Martina Müller

Es ist Sommer

Abgelegt unter: Gedankensplitter, Alles, Tagebuch, Allgemein — Buchstabenwiese at 4:29 pm on Mittwoch, Juli 4, 2007

Es ist Sommer

Mein Hündchen Pepper und ich gehen jeden Morgen spazieren. So ist das, wenn man einen Hund hat. Ob es regnet, stürmt oder schneit, ein Hund muss raus. Schlechtes Wetter? Gibt’s nicht, nur unpassende Kleidung. So machen wir uns auch heute fertig, um ein gewisses Geschäft zu erledigen.
Während ich die Schuhe anziehe versucht Pepper auf seine ganz eigene Art die Sache zu beschleunigen. Hibbelig quetscht er sich durch meine Beine, legt prüfend eine Pfote auf den Schuh und versperrt mir die Sicht auf die Schnürsenkel. Ich schiebe den vor Freude wackelnden Hund beiseite und schaffe es schließlich die Turnschuhe zuzuschnüren. Bevor es dann losgeht, werfe ich noch einen Blick nach draußen…

Es regnet.
„Pepper, ich glaube wir frühstücken zuerst.“
Pepper sieht mich ungläubig an, als ich in die Küche gehe, statt die Leine zu nehmen. Damit auch er versteht was los ist, gehe ich seufzend mit ihm ins Wohnzimmer und mache die Terrassentüre auf. Freudig wedelnd hüpft er hinter mir her und bleibt abrupt an der Türschwelle stehen. Er setzt sich und guckt nach draußen. Nicht mal die Nase streckt er in den Regen. Ich deute es als Zustimmung und mache das Frühstück.  

Es wird ein langes Frühstück. Ein Regenschauer jagt den nächsten. Als ich glaube, etwas Helles am Horizont zu sehen, beschließe ich diese Regenlücke zu nutzen.
„Komm, Pepper. Wir gehen schnell, bevor es wieder losgeht.“ Gehen? Pepper stellt seine Ohren auf. Sein Schwanz wedelt so heftig, dass der ganze Hund wackelt. Er ist einverstanden.
Als bekennende Pessimistin ziehe ich sicherheitshalber nicht nur die Regenjacke sondern auch noch die Regenhose an. Man weiß ja nie. Stellt sich nur noch die Frage: Kurze oder normale Spaziergeh-Runde? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, denke ich mir, und entscheide mich für die normale Runde. Wir können ja einen Schritt schneller gehen als sonst.

Soweit die Theorie. Pepper hat es nicht eilig. Er schnuppert hier, stöbert dort, steckt seine Nase tief ins Gras und prüft gelegentlich etwas Undefinierbares auf seinen Geschmack. Mein heftiges Zerren an der Leine beeindruckt ihn eher wenig bis gar nicht. Er ist ein Macho. In Rüdenmanier hebt er hier und dort und überall sein Beinchen und kommt sich cool dabei vor.
Hund müsste man sein. Pepper lebt im „Hier und Jetzt“ und genießt den Augenblick. Sein Motto: „Warum soll ich mich um etwas sorgen, von dem ich nicht weiß, ob es überhaupt eintrifft.“
Die dunklen Wolken am Himmel stören ihn nicht die Bohne. In aller Seelenruhe tut er, was ein Hund eben tun muss. Da ich weniger gelassen bin, trete ich den Rückzug an, sobald der gnädige Herr endlich sein Geschäft erledigt hat. Vielleicht schaffen wir es ja noch, trocken nach Hause zu kommen.
Plötzlich höre ich etwas Lautes auf uns zukommen. Irritiert bleibe ich stehen und lausche. Klingt wie ein Rauschen. Es scheint näher zu kommen. Und während ich noch lausche und überlege, was das sein könnte, werde ich bereits nass. Ein heftiger Regenschauer scheint regelrecht durch die Luft getrieben worden zu sein, genau auf uns zu. Und nun sind wir mitten drin. Es schüttet.

Auf einmal hat es Pepper eilig. Er übernimmt die Regie und zieht mich Richtung Heimat. Meine Regenhose entpuppt sich als undicht und meine Turnschuhe verwandeln sich in Wassertreter. Sie gehören ganz sicher nicht zur Kategorie „Sommerschuhe 2007 – garantiert wasserdicht“.
Zwei Minuten später stehen Pepper und ich triefend in unserer Diele und lassen die Fliesen an unserem Schicksal teilhaben.

Das also ist der Sommer 2007.
Ich gebe zu, ich bin kein Sommerfreund. Ich gebe auch zu, mir einen nicht so heißen Sommer gewünscht zu haben. Aber DAS Wetter habe ich nicht bestellt. Es ist schließlich SOMMER.

Erkenntnis des Tages: Auch im Sommer kann man nasse Füße bekommen.

Martina Müller