Nur gucken, nicht knuddeln

Abgelegt unter: Glosse, Alles, Allgemein — Buchstabenwiese at 12:14 am on Donnerstag, Mai 24, 2007

Nur gucken, nicht knuddeln

„Wird Eisbär Knut gefährlich wie Gorilla Bokito?“ So lautet die Überschrift eines Artikels von AOL am 21.05.2007.
Mir sträuben sich die nicht vorhandenen Nackenhaare. Knut, der herzallerliebste Knut, der niedlichste Eisbär aller Zeiten, unser Berliner Wonneproppen, verstoßen von seiner eigenen Mama, soll irgendwann gefährlich werden?

Auf die Gefahr hin, dass ich mit dieser „brandneuen Neuigkeit“ einigen Knut-Fetischisten das Herz breche: Natürlich wird Knut gefährlich werden! Was dachten Sie denn? Knut ist ein Eisbär, gelegentlich auch Polarbär genannt, kein Plüschbär.
Aktivieren Sie Ihre Synapsen, lassen Sie den Weichspüler aus dem Synapsentempel und sehen Sie, was Knut wirklich ist: Ein Raubtier, ein Fleischfresser, er ist sozusagen der Fleischverschlinger (Carnivora) des eisigen Nordens. Das tapsige Knütchen wird unaufhörlich zum Knut-Giganten mutieren. Ein heiratsfähiger Eisbärmann wiegt nämlich zwischen 300 und 800 Kilogramm und gilt neben dem Kodiakbären als das größte an Land lebende Raubtier der Erde, man kann ihn nicht zum Kuscheln mit ins Bett nehmen. Zumindest nicht, wenn man auf risikoärmere Schlankheitskuren steht, als auf diese erdrückende Knut-Knutsch-und-Kuschel-Kur.

Robben, die je nach Art zwischen 25 und 300 Kilogramm wiegen können, stehen auf dem Speiseplan der Eisbären übrigens ganz weit oben. Glück gehabt, werden Sie denken… Doch auch wenn wir als Homo sapiens nicht zum Beuteschema der Knut-Giganten zählen, wird sich ein Eisbär sicher nicht ins Fell machen, einen Menschen zu verspeisen. Auch der süße Knuddel-Knut wird da keine Ausnahme machen, wenn er ausgewachsen ist. Eisbärenmänner sind in der Regel Einzelgänger und machen gelegentlich nicht mal vor Kannibalismus halt.
Ich bezweifle also, dass unser Knut nur deshalb gefährlich wird, weil er von Menschenhand aufgezogen und verhätschelt wird. Egal, ob Klein-Knut sich nun für einen Eisbären oder einen Menschen halten wird: Er wird gefährlich sein.
Ob Groß-Knut nun genauso gefährlich sein wird wie Gorilla Bokito, bleibt abzuwarten. Wenn sie mich fragen: Er wird gefährlicher sein.

Während der Gorillamann sicher genervt war von der Anmache der Gorilla-Stalkerin, liegt bei Knut hingegen die Gefährlichkeit bereits in seinen Raubtiergenen.
Genießen wir also die Zeit mit Klein-Knut, der unser Herz mit seiner tapsigen Art erobert hat, solange es geht. Denn irgendwann wird aus Knuddel-Knut ein Raubtier-Knut und dann heißt es: Nur gucken, nicht knuddeln.

Martina Müller


- Informationen über Eisbären und Co.: Quelle Wikipedia

Ich und Probleme?

Abgelegt unter: Glosse, Gedankensplitter, Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 6:34 pm on Mittwoch, Mai 16, 2007

Ich und Probleme? 

„17-Jähriger saß mit Kopf der Mutter im Cafe“, so lautet die Überschrift eines Artikels von AOL vom 16.05.2007 in Zusammenarbeit mit Welt Online.
Erst kürzlich hatte ich ernsthaft über eine Psychotherapie nachgedacht, doch jetzt stellt sich mir die Frage: Habe ich wirklich Probleme?

Da suhle ich mich in Selbstmitleid, hänge heulend Zuhause herum, explodiere bei jeder Kleinigkeit, nur weil ich mit meinen Problemchen nicht mehr klarkomme. Doch was ist schon der vergebliche Kinderwunsch, anschließende Scheidung, erneute Trennung, Jobverlust, langjährige Beziehungskrise, Krebskrankheit der Mutter, Tod der Mutter, Schlaganfall des Vaters, Verlust des Elternhauses, finanzielle Krise, daraus resultierende Depressionen gegen die Köpfung der eigenen Mutter? Nichts. Plötzlich kommt mir der riesige unüberwindliche Berg vor wie ein winziger Hügel.

Da sehe ich die Welt grau in grau, verstehe den Sinn des Lebens nicht mehr und dieser 17-Jährige Japaner sitzt seelenruhig im Internet-Café und hört Musik. In aller Seelenruhe genießt er zwei Stunden lang Musik-Videos – mit dem Kopf seiner Mutter in der Schultasche.
Und bei Sonnenaufgang – der Junge hat Stil – soll er den Kopf dann in der Polizeiwache abgegeben haben. Ein netter Zug, wie ich finde. Erst gönnt er sich und der Mutter ein wenig Musik, dann sorgt er für Ordnung und Gerechtigkeit. Ob er mit Rap-Musik allerdings ihren Geschmack traf, bleibt zweifelhaft. Dennoch ist es bemerkenswert mit welcher Ruhe er vorging, obwohl er ein riesiges Problem mit sich herumtrug, während ich vollkommen aus dem Ruder laufe.

Angeblich soll sich der köpfende Japaner-Junge in psychiatrischer Behandlung befunden haben, weil er Schwierigkeiten gehabt habe, persönliche Beziehungen aufzubauen - was ich durchaus verstehen kann, wer verliert schon gerne seinen Kopf. Offenbar war die Behandlung auch nicht erfolgreich, denn ich bezweifle, dass Köpfen für den Aufbau von Beziehungen förderlich ist…

Und ich dachte, ich hätte Probleme… 

Martina Müller

Leere im Kopf?

Abgelegt unter: Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 6:09 pm on Samstag, Mai 5, 2007

Leere im Kopf?

Mein Kopf ist leer… Seit Tagen fällt mir nichts ein. Nichts, was es würdig wäre geschrieben zu werden. Absolute Leere. Vakuum. Hohlraum.

Getreu dem Motto „Wenn du nur Zitronen hast, mach Limonade draus“, dachte ich: Wenn dir schon nichts einfällt, dann schreib darüber, dass dir nichts einfällt. Leichter gesagt, als getan, wenn mir doch nichts einfällt… Wo sind die Zitronen?

Ich sollte es systematisch und logisch angehen. Als Autorin habe ich bereits im ersten Jahr meines Studiums die Bedeutung von W-Fragewörtern kennen gelernt. Und siehe da, spontan fließt auch schon ein WARUM? aus meinen Gehirnzellen.
WARUM fällt mir nichts ein? Es ist ja nicht so, dass gar keine Gedanken meinen Kopf durchwandern. Da sind eindeutig Geistesgüter, die unerlaubt durch meine Synapsen marschieren. Und zwar im Kreis. Wussten Sie, dass es tatsächlich Synapsen-Kreisverkehre gibt? Und diese Gedankengüter nutzen das schamlos aus. Mehr noch, sie haben einen Heidenspaß dabei, im Kreis zu rotieren und alles andere zu blockieren.

Doch bevor ich mich darüber aufregen kann, spüre ich wie ein WAS aus meiner linken Gehirnhälfte tröpfelt.
WAS sind das für Gedankenmonster, die alles blockieren?
Wenn ich das nur wüsste. Schließlich gebe ich mir alle Mühe, sie zu ignorieren, sie zu verdrängen. Doch statt zu verschwinden wachsen sie ins Unermessliche.

Schon meldet sich erneut die logische Seite meines Hirns und spuckt ein WIE aus.
WIE schaffe ich Platz für positive, kreative Ideen? WIE werde ich diese Gedankenkolosse los?
Ich muss sie irgendwie aus den Synapsen-Kreisverkehren locken und weiß auch schon wie: Ich werde sie umleiten. Aus dem Kreisverkehr hinaus lasse ich sie in meine Feder fließen und verbanne sie auf Papier - in ein Buch zum Zuschlagen…

Wer hätte das gedacht. So leer scheint es in meinem Kopf gar nicht gewesen zu sein. Gedankenstau nennt man das wohl. Also ran an die Feder und Freiheit für die Synapsen.

© Martina Müller / 2007