Nur gucken, nicht knuddeln
Nur gucken, nicht knuddeln
„Wird Eisbär Knut gefährlich wie Gorilla Bokito?“ So lautet die Überschrift eines Artikels von AOL am 21.05.2007.
Mir sträuben sich die nicht vorhandenen Nackenhaare. Knut, der herzallerliebste Knut, der niedlichste Eisbär aller Zeiten, unser Berliner Wonneproppen, verstoßen von seiner eigenen Mama, soll irgendwann gefährlich werden?
Auf die Gefahr hin, dass ich mit dieser „brandneuen Neuigkeit“ einigen Knut-Fetischisten das Herz breche: Natürlich wird Knut gefährlich werden! Was dachten Sie denn? Knut ist ein Eisbär, gelegentlich auch Polarbär genannt, kein Plüschbär.
Aktivieren Sie Ihre Synapsen, lassen Sie den Weichspüler aus dem Synapsentempel und sehen Sie, was Knut wirklich ist: Ein Raubtier, ein Fleischfresser, er ist sozusagen der Fleischverschlinger (Carnivora) des eisigen Nordens. Das tapsige Knütchen wird unaufhörlich zum Knut-Giganten mutieren. Ein heiratsfähiger Eisbärmann wiegt nämlich zwischen 300 und 800 Kilogramm und gilt neben dem Kodiakbären als das größte an Land lebende Raubtier der Erde, man kann ihn nicht zum Kuscheln mit ins Bett nehmen. Zumindest nicht, wenn man auf risikoärmere Schlankheitskuren steht, als auf diese erdrückende Knut-Knutsch-und-Kuschel-Kur.
Robben, die je nach Art zwischen 25 und 300 Kilogramm wiegen können, stehen auf dem Speiseplan der Eisbären übrigens ganz weit oben. Glück gehabt, werden Sie denken… Doch auch wenn wir als Homo sapiens nicht zum Beuteschema der Knut-Giganten zählen, wird sich ein Eisbär sicher nicht ins Fell machen, einen Menschen zu verspeisen. Auch der süße Knuddel-Knut wird da keine Ausnahme machen, wenn er ausgewachsen ist. Eisbärenmänner sind in der Regel Einzelgänger und machen gelegentlich nicht mal vor Kannibalismus halt.
Ich bezweifle also, dass unser Knut nur deshalb gefährlich wird, weil er von Menschenhand aufgezogen und verhätschelt wird. Egal, ob Klein-Knut sich nun für einen Eisbären oder einen Menschen halten wird: Er wird gefährlich sein.
Ob Groß-Knut nun genauso gefährlich sein wird wie Gorilla Bokito, bleibt abzuwarten. Wenn sie mich fragen: Er wird gefährlicher sein.
Während der Gorillamann sicher genervt war von der Anmache der Gorilla-Stalkerin, liegt bei Knut hingegen die Gefährlichkeit bereits in seinen Raubtiergenen.
Genießen wir also die Zeit mit Klein-Knut, der unser Herz mit seiner tapsigen Art erobert hat, solange es geht. Denn irgendwann wird aus Knuddel-Knut ein Raubtier-Knut und dann heißt es: Nur gucken, nicht knuddeln.
Martina Müller
- Informationen über Eisbären und Co.: Quelle Wikipedia