Neues von Baron von und zu Sommerwinter

Abgelegt unter: Zeit, Der Zeit-Baron, Sinnig Unsinniges, Gedankensplitter, Alles, Geschichten — Buchstabenwiese at 2:34 pm on Sonntag, März 25, 2007

Der Zeitdieb II – Gestohlene Zeit

Unglaublich: Zeitdieb hat erneut zugeschlagen
Am Morgen des 25. März 2007 wachten unzählige Mitbürger auf und stellten fest,
dass ihnen kostbare Zeit gestohlen wurde.
Aus gegebenen Anlass:
Ein Interview mit Baron von und zu Sommerwinter

“Herr Baron von und zu Sommerwinter, wie Sie sicher bereits wissen, wurde heute Nacht wieder einmal kostbare Zeit entwendet.”

“Tatsächlich? Um wie viel Zeit handelt es sich denn diesmal?”

“Die Tat trägt genau Ihre Handschrift, Herr Baron. Es handelt sich wieder einmal um eine ganze Stunde.”

“Nun ja, ich verstehe… nun glauben Sie, ich wäre dieser mysteriöse Zeitdieb.”

Immerhin haben Sie bereits…”

“Ich will Ihnen mal was sagen, Herr… wie war doch gleich Ihr Name?”

“Rastlos. Rudi Rastlos. Von der Rapid Express.”

Ja richtig, Herr Rastlos. Glauben Sie nicht, dass es Menschen gibt, die wesentlich mehr Interesse an gestohlener Zeit haben als ich?”

“Dennoch waren Sie es, der sich vor einem Jahr an der Zeit der Menschen bereichert hat.”

“Die Menschen hatten einen Denkzettel verdient. Und soll ich Ihnen mal was sagen, Herr Rastlos… sie haben es wieder verdient. Noch immer gehen die Menschen achtlos mit ihrer Zeit um und jammern gleichzeitig, dass sie keine Zeit haben.”

“Herr Baron von und zu Sommerwinter, heißt das, Sie geben zu, die…”

“Papperlapapp, nichts gebe ich zu! Auch wenn die Menschen sich nicht gebessert haben, sie immer noch im Laufschritt durch die Zeit rennen, der schöneren Zukunft entgegen, nur um - kaum angekommen - der nächsten schöneren Zukunft entgegenzuflüchten. Leider brechen diese schönen Zeiten für sie niemals an, weil sie es nicht schaffen, sich in der Gegenwart aufzuhalten und in der Zukunft lässt es sich nicht leben.”

“Also geschieht es den Menschen recht, dass ihnen erneut Zeit gestohlen wurde, Herr Baron?”

“Natürlich geschieht es ihnen recht, sie sind unverbesserlich. Nun ja, aber die Stunde ist ja nicht wirklich weg, zurzeit hat sie nur jemand anderes.”

“Herr Baron von und zu Sommerwinter, was macht Sie so sicher, dass der Zeitdieb die gestohlene Zeit nicht bereits aufgebraucht hat?”

“Der Zeitdieb wird mit dieser Stunde nichts anfangen können.”

“Wie das?”

“Nun ja, jeder hat nun mal seine eigene Zeit. Niemand kann die Zeit eines anderen leben. So ist das eben. Und wenn der Zeitdieb das merkt, wird er die gestohlene Zeit sicher zurückgeben. Nun muss ich mich aber meiner eigenen Zeit widmen, Herr Rastlos.”

“Äh, ja natürlich Herr Baron. Vielen Dank fürs Interview.”

“Herr Rastlos…”

“Herr Baron?”

“Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf… vergeuden Sie nicht soviel Zeit der einen Stunde hinterher zu jammern. Genießen Sie lieber die verbliebene Zeit.”

© Martina Müller 2007

 

Das unzufriedene Frühlingswetter

Abgelegt unter: Gedankensplitter, Alles, Geschichten, Allgemein — Buchstabenwiese at 5:14 pm on Montag, März 19, 2007

Das unzufriedene Frühlingswetter

Wieder einmal hatte das Miese Wetter unbarmherzig das Frühlingswetter verdrängt. Und wieder einmal hatte das Frühlingswetter es satt, nur die zweite Himmelsgeige zu spielen. Diesmal aber, würde es sich gleich an der richtigen Stelle beschweren. So stand nun das Frühlingswetter vor keinem Geringeren als Petrus.

„Ich habe es satt, Petrus. Ständig wird das Miese Wetter bevorzugt. Wieso sind meine Auftritte auf der Himmelsbühne so kurz?“
Petrus saß an seinem Wolkenschreibtisch und schrieb mit schwarzer Schrift in sein goldenes Wetterbuch. „Die Menschen würden sonst übermütig werden“, murmelte er und sah nicht mal für den Bruchteil eines Wolkenbruchs von seinem Buch auf.
„Aber die Menschen wollen doch mehr von mir sehen. Sie lieben die Sonne und den blauen Himmel.“
„Die Menschen wissen nicht, was gut für sie ist“, brummelte Petrus vor sich hin und tauchte seine Feder erneut in die schwarze Tinte.
„Die Menschen lieben mich aber viel mehr als das Miese Wetter.“
„So soll es auch sein.“ Petrus ließ die Feder eifrig übers Papier gleiten.
„Aber wieso…?“
Petrus seufzte, legte die Feder beiseite und blickte das Frühlingswetter an: „Wenn die Menschen dich ständig sehen würden, dann würden sie deiner schnell überdrüssig werden.“
„Ach und des Miesen Wetters sind die Menschen noch nicht überdrüssig?“
„Dem Miesen Wetter macht das nichts aus, es braucht ja keine gute Laune.“ Petrus griff nach seiner Feder und begann erneut zu schreiben.
„Aber ich…“
„Himmel!“ Petrus knallte die Feder zurück auf den Wolkentisch und verdrehte die Augen. „Das Miese Wetter bringt die Menschen dazu, sich auf dich zu freuen und das braucht nun mal seine Zeit.“
„Aber…“
„Verstehst du denn nicht: Die Menschen würden zu viel des Guten nicht vertragen. So sind sie nun mal. Das Schlechte lehrt sie das Gute zu schätzen. Und jetzt raus hier oder sollen die Menschen ewig auf das Miese Wetter schimpfen?“

Petrus schmunzelte vor sich hin und tauchte seine Feder diesmal in goldene Tinte. 

© Martina Müller 2007

Mut

Abgelegt unter: Gedankensplitter, Alles, Schlaue Sprüche — Buchstabenwiese at 2:28 am on Sonntag, März 18, 2007

Mut haben, bedeutet nicht keine Angst zu haben, sondern durch die Angst hindurch zu gehen.

© Martina Müller 2007