Eigentlich
Eigentlich
Ich blicke aus dem Fenster und sehe eigentlich nur Schwarz. Eigentlich, denn ein geheimnisvolles Licht durchbricht die Dunkelheit. Es schimmert irgendwo zwischen Gold und Orange. Sanft und seicht schwebt es in der Schwärze der Nacht, wie sanftes Mondlicht mit einem Hauch Apricot. So als würde Mondlicht durch ein leichtes Seidentuch hindurchschimmern. Betörend schön.
Doch im Schein dieses Lichtes regnet es. Wasserschnüre hängen vom Himmel bis zur Erde. Der Wind bläst und die Schnüre neigen sich nach rechts. Menschen in Anoraks tauchen vor meinem geistigen Auge auf. Ihre Schultern hoch- und ihre Köpfe eingezogen, versuchen sie sich zu schützen. Doch so sehr sie sich auch drehen und wenden, der Regen trifft sie kalt ins Gesicht.
Mich friert, bis ich merke, dass ich eigentlich im Trockenen sitze. Hier ist es warm und geschützt, kein Grund für eine Gänsehaut.
Mein Blick fällt auf die Scheibe. Tropfen in verschiedenen Größen hängen dort, getaucht in seidenes Orange. Doch dahinter ist es eigentlich nur Schwarz. Wäre da nicht die Laterne vor unserem Haus.
© Martina Müller 2007