Sein oder Nichtsein
Sein oder Nichtsein
„Wenn die Menschheit plötzlich weg wäre…“ So lautet die Überschrift eines Artikels, der am 07.11.2006 in AOL unter der Rubrik Leben & Leute erschienen ist. Der Verfasser dieses Artikels spielte das Spielchen „Was wäre wenn…“? Wie lange würde es dauern bis die Natur sich von den Menschen erholt hätte?
Nun frage ich mich: Sind wir Menschen wirklich nur eine lästige Krankheit, üble Schmarotzer, Parasiten der schlimmsten Sorte?
Ich fühle mich angegriffen. Ich bin ein Homo Sapiens, gehöre eindeutig zur Gattung Mensch, falle unter dem Gesamtbegriff Menschheit und will weder zu einem anderen Planeten gebeamt noch von einem heimtückischen Virus dahingerafft werden. Ich will hier bleiben, auf dem wundervollsten Planeten, den es gibt. Ich fühle mich nicht als böser elender Schmarotzer, der nur ein Ziel hat: Die gute alte Erde zu zerstören…
Allein der Mensch bringt es wohl fertig, sich selbst – wenn auch nur gedanklich – zum Wohl der Natur und Umwelt auszurotten.
Tiere fragen nicht, ob ihre Existenz gut für Natur und Umwelt ist. Sie existieren. Punkt. Wen es stört, der kann ja zum Mond fliegen.
Oder hat Sie schon mal eine Spinne gefragt, ob es Sie stört, wenn sie sich direkt über Ihrem Bett abseilt? Nein, die Spinne tut es einfach. Nachdem sie auf ihren acht behaarten Ekelbeinen unbemerkt ins Haus gekrabbelt ist, ohne anzuklingeln.
Auch die gemeine Wespe fragt nicht, ob sie unseren Frieden stört, wenn sie uns hektisch ins Gesicht summt und uns mit ihrem fiesen Stachel bedroht. Nein, skrupellos sticht sie uns - ganz nach Lust und Laune - feige in den Rücken. Obendrein scheint sie zu glauben, wir seien verpflichtet, unsere Lebensmittel mit ihr zu teilen, oder warum macht sie sich sonst ungefragt über unseren Kuchen her? Aber vergreifen Sie sich mal an ihrem Nest…
Und die Ochsenfrösche erst. Die quaken bzw. brüllen darauf, was Andere von ihrer Gefräßigkeit und Vermehrungsfreudigkeit halten. Es schert sie nicht die Bohne, wenn andere Tierarten dabei draufgehen.
Aber würden wir Menschen diese Tiere auch nur gedanklich komplett ausrotten wollen? Nein, natürlich nicht. Im Gegenteil. Jede Tierart, die auf ein Minimum zusammenschrumpft, wird von uns geschützt. Ungeachtet dessen, ob sie friedlich ist oder nicht. Der Mensch fühlt sich schuldig. Er wird quasi mit Schuldgefühlen geboren.
Dabei haben die guten alten Dinosaurier es eigenartigerweise ganz ohne unsere Hilfe geschafft auszusterben*! Trotzdem gibt es Leute, die würden sie am Liebsten wieder zum Leben erwecken. Also ich für meinen Teil, kann gut darauf verzichten, auf dem Speiseplan der tödlichen Fressmaschine Tyrannosaurus rex zu landen.
Natürlich trägt der Mensch auch die Schuld an der Klimaveränderung. Wir Menschen sind es schließlich, die Autofahren, statt den ganzen Tag wie Faultiere am Baum herumzuhängen.
Wir Menschen sind es auch, die Sprays benutzen, damit wir nicht wie die Paviane stinken**.
Und doch… In den 4,6 Milliarden Jahren, in denen unsere Erde vermutlich existiert, hat sich das Klima – wenn auch nicht so rasant wie heute - erstaunlicherweise laufend verändert. Und das, obwohl es uns Menschen im Vergleich zu 4,6 Milliarden Jahren noch gar nicht allzu lange gibt.
Natürlich lässt es sich nicht leugnen: Wir Menschen beeinflussen das Geschehen auf der Erde erheblich - immerhin leben wir hier***. Und natürlich hat die Menschheit nicht nur Gutes vollbracht - wir sind eben nur Menschen. Aber haben wir deshalb kein Recht hier zu sein? Wir sind doch ein Teil der Natur, der Umwelt, der Erde, des Weltalls. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Haben wir nicht das Recht Spuren zu hinterlassen, und können wir wirklich beurteilen, was gut und was schlecht ist? Kommt es nicht immer auf die Sichtweise an? Nicht nur die Kopfläuse würden ihre Nahrungsquelle verlieren, wenn es uns Menschen nicht mehr gäbe. Ob die das wohl gut fänden?
Einstein würde sicher sagen: Gut ist relativ.
Vermutlich werden wir sowieso irgendwann aussterben. Doch die Erde wird weiterexistieren und andere, veränderte Lebewesen beherbergen, für die der Mensch nicht mehr als ein ausgestorbener Dinosaurier sein wird, der irgendwann mal existiert hat. Und vermutlich sind wir auf der Erde - in der Unendlichkeit des Universums - nicht größer, als eine Bakterie es für uns ist – ohne Mikroskop versteht sich.
Und trotzdem gehören wir Menschen dazu - als winziger Teil einer grenzenlosen Gesamtheit.
11.11.2006 Martina Müller
* Die Möglichkeit von Zeitreisen wurde hierbei nicht berücksichtigt…
** Gelegentlich soll es aufgrund von Nichtbenutzung der genannten Sprays zu Verwechslungen mit Pavianen gekommen sein…
*** Die Verfasserin dieses Textes möchte sich ausdrücklich dafür entschuldigen, dass der Mensch an sich existiert, weist aber jegliche Verantwortung von sich … © Martina Müller / 2006