Kennt ihr auch dieses unglaublich tolle Gefühl, nachdem ihr euch aufraffen konntet das Chaos in eurem Büro zu beseitigen?
Ihr klopft euch stolz und zufrieden auf die Schulter, genießt die leere Fläche auf dem Schreibtisch, die verlockend zum Schreiben ruft, spürt diese Energie verbunden mit dem Gefühl der Aufgeräumtheit durch euren Körper fließen und versprecht reuevoll, es nie wieder soweit kommen zu lassen. Nie wieder soll dieses Chaos über euch hereinbrechen.
Doch dann kommt Freddy.
Freddy ist der beste Freund vom „Inneren Schweinehund“, was enorm viel über seine Fähigkeiten aussagt. Die beiden arbeiten Hand in Hand. Oh ja, so sieht es aus.
Freddy ist gerissen und arbeitet mit System.
Erst platziert er kleine Dinge wie Kugelschreiber, Bleistifte, Anspitzer und Lineale auf dem Schreibtisch so, dass es kaum auffällt, und irgendwie scheinen diese Dinge auch dort hinzugehören.
Dann lässt er hier einen Duden liegen und dort eine Zeitschrift, alles Dinge, die wir brauchen und die auf unserem Schreibtisch ihre Daseinsberechtigung haben. Alles ganz legitim.
Und während wir damit beschäftigt sind, ein Synonym herauszusuchen oder eine Idee aufzuschreiben, flüstert uns Freddy ins Ohr, dass wir genau jetzt etwas anderes dazwischenschieben sollten. Etwas, das wir längst tun wollten, das uns irgendwie immer wieder entfallen war. Auch hier hatte Freddy natürlich seine Finger im Spiel, in weiser Voraussicht, diesen Umstand genau für diesen Zweck gebrauchen zu können.
Wir nehmen das entsprechende Buch aus dem Regal und widmen uns spontan dieser Aufgabe. Bald wird dieses Buch - dank Freddy - auch seinen Platz auf dem Schreibtisch finden …
Nach und nach füllt sich der Schreibtisch auf diese Weise quasi unbemerkt.
Gerade wenn wir wahrnehmen, dass da etwas nicht stimmt, dass die vor Kurzem von uns eigenhändig geschaffene Ordnung auf den Kopf gestellt wird, wir uns an unser Versprechen erinnern es nie wieder soweit kommen zu lassen, lenkt uns Freddy geschickt ab.
Er hat das natürlich vorausgesehen, sogar darauf spekuliert, weil es die Sache für ihn spannender macht. Umgehend sorgt er dafür, dass uns etwas Wichtiges, Unaufschiebbares einfällt. Freddy ist da sehr kreativ. Und für den Fall, dass Freddy sein Repertoire ausgeschöpft haben sollte, ruft er seinen Freund zur Hilfe, den „Inneren Schweinehund“. Wie wir alle wissen, ist er der absolute Meister im Finden von Ausreden.
Wie festgewachsen sitzt er mit seinem dicken Schweinehintern auf seiner Couch, blickt uns mit großen Hundeaugen an und redet auf uns ein. Morgen sei auch noch ein Tag, wir sollten uns zwischendurch auch mal ausruhen, das hätten wir uns schließlich verdient. Ein Tässchen Kaffee und ein Stückchen Schokolade würde uns die Lebensgeister zurückbringen. Danach ginge alles wie von selbst.
Klingt verlockend, oder nicht? Schließlich haben wir ja selbst schon gemerkt, dass wir ein bisschen müde sind und ein kleines Päuschen brauchen könnten …
Und schon sind wir in die Schweinefalle getappt. Zack.
Vorsicht!!! Jetzt bloß nicht mit Kaffee und Schokolade NEBEN dem „Inneren Schweinehund“ auf der Couch Platz nehmen!
Wer es soweit kommen lässt, ist unweigerlich verloren.
Denn der beste Freund von Freddy ist nun in seinem Schweineelement. Er wächst und wird immer fetter. Tief und tiefer sinkt er mit seinem dicken Schweinehintern in die Polster. Und wir, die ahnungslos danebensitzen, erliegen der Schwerkraft, rollen gegen den „Inneren Schweinehund“ und stellen fest, dass dieser erstaunlich kuschelig ist …
Jetzt hat Chaos-Freddy sein Ziel erreicht: Während wir mit dem „Inneren Schweinehund“ kuscheln, geht für ihn der Spaß erst richtig los. Er läuft zur Hochform auf und lässt unser Büro im Chaos versinken.
Nachdem Freddy sich ausgetobt hat, lauert der hinter den Büchern darauf, dass wir erscheinen. Auf keinen Fall will er diesen einen Moment verpassen. Den Moment, in dem wir unser Büro betreten und uns unsere kuschelige Zufriedenheit bei DEM Anblick aus dem Gesicht fällt. Das ist der Moment, auf den Freddy hinarbeitet.
Erstaunlich, dass wir es überhaupt schaffen unser Büro immer wieder in Ordnung zu bringen, oder?
Nein, so erstaunlich ist das gar nicht. Wenn wir nämlich jetzt den Entschluss fassen aufzuräumen, lässt uns Freddy für eine Weile in Ruhe. Ja, mehr sogar. Er setzt sich neben seinen Freund, den „Inneren Schweinhund“, lenkt ihn ab und lässt uns freie Bahn zur Chaosbeseitigung.
Denn Freddy liebt die Herausforderung. Ein chaotisches Büro in noch mehr Chaos stürzen, das kann schließlich jeder. Doch eine wunderbare Ordnung in solch ein Chaos verwandeln, das kann nur Freddy.
So, und bevor ich jetzt die Spuren von meinem Chaos-Freddy beseitige, der dieses Mal besonders viel Spaß gehabt haben muss, setze ich mich noch mit einer Tasse Kaffee und einem Stückchen Schokolade neben dem „Inneren Schweinehund“ aufs Sofa und kuschel eine Runde. Wir wissen ja, danach geht alles wie von selbst.
Manchmal bleiben dunkle Wolken länger. Nie wieder scheinen sie sich aufzulösen. Eine geschlossene Wolkendecke im Einheitsgrau schiebt sich erbarmungslos über den Himmel. Eine graue Masse, in der sich kein Wölkchen vom anderen abhebt, weder schwarz noch weiß.
Nur hin und wieder verändert sich die Wolkenmasse. Dunkelgraue Wolken trüben unsere Welt noch mehr, während weiße sie für einen Moment erhellen. Und gelegentlich mogelt sich sogar die Sonne durch eine dünne graue Schicht hindurch. Doch jeder kleinste Windstoß schiebt graue Masse nach und die Welt ist wieder grau in grau.
Selten kommt es vor, dass die graue Wolkenmasse Lücken hat und uns einen blauen Himmel und eine strahlende Sonne präsentiert. Dann ist alles so wunderbar hell und freundlich.
Und ganz selten ist eine Lücke so groß, dass es so aussieht, als gäbe es gar keine Wolken. So, als hätte es niemals Wolken gegeben.
Blumen recken ihre gelben, orangefarbenen, roten, violetten und blauen Blüten und Kelche dem Himmel entgegen, öffnen sich ganz weit, genießen die wunderbare Wärme und das herrliche Licht, das sie umgibt und verströmen einen süßen betörenden Duft.
Bunte Schmetterlinge, verzaubert vom Duft der Blüten, breiten ihre Flügel aus, tanzen der Sonne entgegen, flattern von Blume zu Blume und kosten den herrlichen Nektar.
Fröhliche Kinder entdecken Schmetterlinge, rennen und hüpfen, schicken ihr Lachen hinaus in die Welt und berühren unendlich viele Herzen.
Für einen Augenblick fühlen wir uns selbst wie ein Kind, sind neugierige Entdecker, lassen uns von den Sonnenstrahlen kitzeln, lachen, sind ausgelassen und fröhlich …
Während dieses kostbaren Moments sind unsere Herzen geöffnet und alle Wolken vergessen.
Doch die Lücke zieht weiter.
Graue Wolkenmasse schiebt sie unerbittlich von uns fort.
Blumen schließen ihre Blüten, Schmetterlinge verstecken sich, das Kinderlachen zieht sich zurück ins Haus und uns bleibt nur die Erinnerung.
Und jeden Tag blicken wir hinauf in den Himmel, sehen den grauen Wolkenschwamm über unsere Köpfen ziehen, sehen das Licht und die Farben schwinden, und warten sehnsüchtig auf jene Himmelslücke, die unsere Herzen erneut zu öffnen vermag.
Heute ist es dunkel. Graue Wolkenmasse hängt tief am Himmel und drückt die Fröhlichkeit platt auf die Erde. Zusammengepappt liegt sie auf dem Boden, jeder Versuch sich aufzuraffen, scheitert.
Die Herren Unmut und Miesepeter nutzen die Chance und preschen hervor. Sie lieben dunkle Wolken und düstere Kulissen. Kämpferisch trampeln sie auf der Fröhlichkeitspappe herum. Zwei lichtscheue Gestalten, ein eingespieltes Team.
Der Miesepeter setzt sich die Krone auf und wirft dem Unmut das Zepter zu. Das Königreich ist ihres.
Gebieterisch befehlen sie Madame Melancholie und Madame Tristesse aus ihrem Versteck zu kriechen, und Meister Verdruss gleich mitzubringen. Sie alle latschen erbarmungslos auf der Pappe herum, gepresst aus einstiger Fröhlichkeit.
Schwermutwolken liegen über dem trostlosen Königreich und weinen leise und endlos …
Wolkenaussichten
Düstere Wolken schieben sich vor die Sonne und verdunkeln uns den Tag.
Die liebe Katinka hat vor ein paar Tagen, als es einfach nicht Frühling werden wollte, die Aktion „Wir-locken-den-Frühling“ ins Leben gerufen.
Mir fiel sofort meine Geschichte über das unzufriedene Frühlingswetter ein. Ich habe sie vor drei Jahren geschrieben und sie hier in den Blog gestellt. Aber zu dem Zeitpunkt tummelten sich noch nicht so viele Leser auf der Buchstabenwiese und da dachte ich, ich stelle sie einfach noch mal hier hinein. Ich finde sie einfach zu schön. Heute war zwar superdupertolles Frühlingswetter, aber es soll ja die nächsten Tage schon wieder schlechter werden, da kann es nicht schaden, noch ein bisschen zu locken.
Das unzufriedene Frühlingswetter
Wieder einmal hatte das Miese Wetter unbarmherzig das Frühlingswetter verdrängt. Und wieder einmal hatte das Frühlingswetter es satt, nur die zweite Himmelsgeige zu spielen. Diesmal aber, würde es sich gleich an der richtigen Stelle beschweren. So stand nun das Frühlingswetter vor keinem Geringeren als Petrus.
„Ich habe es satt, Petrus. Ständig wird das Miese Wetter bevorzugt. Wieso sind meine Auftritte auf der Himmelsbühne so kurz?“
Petrus saß an seinem Wolkenschreibtisch und schrieb mit schwarzer Schrift in sein goldenes Wetterbuch. „Die Menschen würden sonst übermütig werden“, murmelte er und sah nicht mal für den Bruchteil eines Wolkenbruchs von seinem Buch auf.
„Aber die Menschen wollen doch mehr von mir sehen. Sie lieben die Sonne und den blauen Himmel.“
„Die Menschen wissen nicht, was gut für sie ist“, brummelte Petrus vor sich hin und tauchte seine Feder erneut in die schwarze Tinte.
„Die Menschen lieben mich aber viel mehr als das Miese Wetter.“
„So soll es auch sein.“ Petrus ließ die Feder eifrig übers Papier gleiten.
„Aber wieso…?“
Petrus seufzte, legte die Feder beiseite und blickte das Frühlingswetter an: „Wenn die Menschen dich ständig sehen würden, dann würden sie deiner schnell überdrüssig werden.“
„Ach und des Miesen Wetters sind die Menschen noch nicht überdrüssig?“
„Dem Miesen Wetter macht das nichts aus, es braucht ja keine gute Laune.“ Petrus griff nach seiner Feder und begann erneut zu schreiben.
„Aber ich…“
„Himmel!“ Petrus knallte die Feder zurück auf den Wolkentisch und verdrehte die Augen. „Das Miese Wetter bringt die Menschen dazu, sich auf dich zu freuen und das braucht nun mal seine Zeit.“
„Aber…“
„Verstehst du denn nicht? Die Menschen würden zu viel des Guten nicht vertragen. So sind sie nun mal. Das Schlechte lehrt sie das Gute zu schätzen. Und jetzt raus hier oder sollen die Menschen ewig auf das Miese Wetter schimpfen?“
Petrus schmunzelte vor sich hin und tauchte seine Feder diesmal in goldene Tinte.
Heute hat Petrus mit besonders schöner goldener Tinte ins Wetterbuch geschrieben, deshalb gibt es jetzt noch ein paar aktuelle Frühlingsbilder.
Dieses Gänseblümchen hatte ich sogar schon vor zwei Tagen entdeckt.
Und seht mal, wie mein Schnittlauch inzwischen gewachsen ist. Die Kräuterhexe hat ihren Kräutergarten im Griff. Und die Rose hat den Winter auch gut überstanden.
Und diese farbigen Frühlingsbilder sind extra für Andrea, weil sie in der Schweiz noch ein bisschen länger auf den Frühling warten muss, als wir.
Tataaaaaa… nun ist es soweit. Die Enthüllung naht.
Auch wenn ihr gar nicht neugierig seid, wer sich hier versteckt hat…
… zeige ich euch trotzdem, wer unter dem Handschuh ist.
Wer es nicht wissen will, sollte also auf keinen Fall weiterlesen!
Ich denke, Katinka möchte schon endlich wissen, wer der kleine Kerl ohne Knie, mit dem Handschuh über dem Kopf, ist.
Und Andrea aus der fernen Schweiz ahnt sicher, wer sich da so schüchtern verbirgt.
Ich weiß nämlich, dass sie einen berühmten Kumpel von unserem neuen Mitbewohner kennt. Der tritt regelmäßig in einer Show auf, mit einem Doktor.
Ja, das hättet ihr wohl nicht gedacht, dass unser Kleiner einen Promi zum Kumpel hat und dass er ihm auch noch wie aus dem Gesicht geschnitten ist.
Anfangs wollte er uns seinen Namen nicht verraten. Aufgrund seiner Herkunft tippte meine Schwiegermutter auf „Eckart“ und Herr Buchstabenwiese auf „Ping“. Obwohl ich Ping schon passend und auch niedlich fand, hatte ich so eine Ahnung, dass es nicht der richtige Name sein konnte. Er reagierte einfach nicht auf Ping.
Mir fiel ein, dass ich seinen berühmten Kumpel vor 22 Monaten bei dieser Show kennen gelernt habe und diese Begegnung mich total glücklich gemacht hat. Und plötzlich wusste ich es. Dieser kleine Kerl heißt Felix! Felix, der Glückliche. Und das ist er also:
Dann habe ich ihm Bert vorgestellt. Ihr kennt doch Bert und seine Dialoge noch, oder?
Felix und Bert haben sich auf Anhieb verstanden.
Felix steht auch total auf Pepper. Er meinte, mit ihm könne man viel Spaß haben. Ich bin nicht sicher, ob Pepper das auch so sieht.
Aber was hat das jetzt mit der Überschrift zu tun, mit der Frage, ob du in deinem Element bist?
Euch ist sicher aufgefallen, dass Felix ein Pinguin ist. Na kommt schon, das sieht man doch. Und nun stellt euch einen Pinguin in der Wüste vor… wie beschwerlich es für ihn wäre, sich mit diesen kleinen Patschefüßen fortzubewegen. Wir würden sagen, er ist plump und unbeweglich.
Ein Pinguin gehört ja auch nicht in die Wüste?
Stimmt genau.
Deshalb stellt euch nun den gleichen Pinguin vor, wie er ins Wasser eintaucht. Wie wendig, schnell und elegant er sich auf einmal bewegen kann. Denn dort im Wasser ist er in seinem Element…
Und Felix, soll mich daran erinnern, dass es nicht immer an mir liegt, wenn etwas nicht so läuft wie es soll, wenn jeder Schritt beschwerlich ist. Denn vielleicht bin ich einfach nicht in meinem Element.
Er soll mir Mut machen, mit meinen Patschefüßen durch die Wüste zu laufen und mein Wasser zu suchen, mein Element, in dem ich mich rundum wohlfühlen kann.
Wer sie noch nicht kennt, diese wunderschöne Pinguin-Geschichte vom Comedy-Doktor, und wer gerne den berühmten Kumpel von Felix kennenlernen will, dem kann ich dieses kleine Video nur empfehlen:Pinguin-Geschichte
Die Sonne verschwand glühend hinter den Bergen. Ein langer Tag neigte sich dem Ende zu. Es war still geworden. Der Orkan, der tagelang auf ihrer kleinen Insel gewütet hatte, war vorüber. Friedliche Stille senkte sich auf das verwüstete Land und deckte es mit Erinnerungen zu.
Sabrina stand inmitten dieser Verwüstung, einsam und verloren. Sie konnte es nicht fassen. Der Sturm hatte sie hin- und hergerissen, ihr heftige Wunden zugefügt.
Es gab Momente, in denen sie glaubte, sie würde fortgerissen.
Momente, in denen sie sich dem Sturm wütend entgegenwarf und ihm zurief: „Hier hast du mich, nimm mich und trag mich davon. Dann hast du, was du willst. Aber hör endlich auf. Ich will und kann nicht mehr.“
Und dann gab es Momente, in denen sie sich vom Sturm willenlos treiben ließ, Momente, in denen sie einfach aufgab.
Doch der Sturm wollte sie nicht ganz. Er verschonte sie nicht, nein, bei Gott nicht. Er packte, schüttelte, missbrauchte sie aufs schändlichste, aber er nahm sie nicht mit.
Als er endlich von ihr abließ, fielen Angst, Wut und Trauer für einen Moment von Sabrina ab. Es war vorbei und sie hatte überlebt. Für einen Moment durchströmte sie Euphorie. Sie war erfüllt von einer unglaublichen Energie. Sie fühlte sich frei, glaubte fliegen zu können…
Doch dann stürzte sie hinab und schlug hart auf dem Boden auf. Jetzt erst sah, begriff sie das Ausmaß der Zerstörung.
Geliebte Menschen waren im Sturm verloren gegangen, ihr Haus, ihr Heim war zerstört, Bäume waren umgeknickt oder mit ihren Wurzeln aus der Erde herausgerissen worden. Sie selbst hatte tiefe Verletzungen davongetragen, von denen sie nicht wusste, wie sie jemals heilen sollten.
Die Erleichterung darüber, dass es vorbei war, wich einer unendlichen Leere. Sie hatte nichts mehr, außer ihr Leben.
Ihr Leben… dafür sollte sie dankbar sein. Sie wusste das, doch ihr Herz und ihre Seele konnten das nicht empfinden. Erschöpft sank sie inmitten der Verwüstung zu Boden. Unfähig sich zu bewegen, unfähig auch nur einen Gedanken zu fassen.
Sie war so müde, so unendlich müde…
Morgen, ja, morgen vielleicht, dachte sie und schloss die Augen…
Alma saß auf dem Ast eines Apfelbaumes und sah dem Treiben des Windes zu.
Wie er die Wolken über den Himmel scheuchte, an den Ästen der Bäume zerrte und Blätter durch die Luft schleuderte. Es war das ideale Wetter sich seinen Atem durch die Federn pusten zu lassen.
Alma spreizte ihre Flügel und flog dem Wind entgegen. Heftig zerrte er an ihren Federn während sie sich gegen ihn stemmte. Sie kam keinen Millimeter vorwärts. Für eine Weile sah es so aus, als stünde sie in der Luft. Und genau das war beabsichtigt.
Dann ließ sie sich plötzlich fallen und von dem Wind durch die Lüfte tragen. Hui, das kitzelte im Bauch. Was für ein Spaß.Sie durfte nur den richtigen Moment nicht verpassen. Den Moment, in dem sie das Ruder wieder selbst in die Hand nehmen musste, um nicht gegen einen Baum geschleudert zu werden. Gleich war es soweit…
Jetzt! Seitlich flog sie dem Wind davon, schlug einen Bogen und ließ sich erneut auf dem Apfelbaum nieder.
Alma liebte es, so durch die Lüfte zu segeln. Eine kleine Pause nur, dann würde sie das Spielchen von vorne beginnen.
Ach, es war herrlich ein Vogel zu sein.
Karl saß auf einem Ahornblatt am Straßenrand und hielt Ausschau. Seine Flügel zitterten vor Aufregung. Es erforderte Mut von dem kleinen Käfer, seinen gefährlichen Plan in die Tat umzusetzen. Viele Käfer hatten bei dieser Aktion ihre Flügel verloren oder sogar ihr Leben. Doch heute war genau das richtige Wetter für sein Vorhaben. Blauer Himmel, warme Temperaturen und nicht zu viel Wind.
In der Ferne sah Karl ein Motorrad heranbrausen. Dass zwei Menschen darauf saßen war ein Glücksfall. Es verdoppelte seine Chancen auf Erfolg. Karl ging in Startposition. Alle sechs Beinchen standen unter Spannung und die Flügel waren ausgestreckt. Das Motorrad kam näher. Es wurde langsamer. Perfekt. Alles lief nach Plan.
Jetzt oder nie. Karl stieß sich ab, erhob sich in die Lüfte und flog um sein Leben. Gleich war er mit dem Motorrad auf einer Höhe. Jetzt! Karl ließ sich auf die Schulter des Fahrers nieder, krallte seine behaarten Beinchen am Stoff fest und ließ die Flügel locker hängen. Ein Luftzug fuhr durch seine Flanken und nahm den Spießerstaub der letzten Jahre mit sich. Karl juchzte. Heidewitzka, Herr Käfer, war das ein Spaß. Seine Flügel flatterten im Wind und sein ganzer Körper vibrierte. Glücklich berauscht saß er da und genoss seine Freiheit.
Als das Motorrad anhielt, flog Karl taumelnd zum nächsten Baum und ließ sich erschöpft auf ein Blatt fallen. Seine Flügel fühlten sich zerrupft an und alles drehte sich, doch Karl war glücklich. Motorradsurfen war das Coolste, das es in der Käferwelt gab. Welch tierisches Vergnügen, sich die Luft durch die Flügel wehen zu lassen.