Hochzeitsbericht 3
Nun wird es aber höchste Zeit für den dritten und letzten Teil.
Ihr erinnert euch? Das Fotoshooting ist beendet, das Kleid ist noch unbefleckt, die Schuhe sind dank des Trauzeugen wieder weiß. Das heißt es wird ernst. Also, auf zur Mühle…
Teil 3
Glück, Glück und nochmals Glück oder einfach nur „Happy End“ *
Beschwingt und gut gelaunt erreichen wir die Mühle, vor deren Eingang unsere beiden Familien einträchtig auf uns warten. Ich sehe, wie sich Hälse recken und Fotoapparate gezückt werden und fühle mich wie ein Promi. Alle sind gespannt auf das Kleid.
Ich nehme Komplimente entgegen und genieße es im Mittelpunkt zu stehen. Doch noch mehr genieße ich es, wie wohlig es sich anfühlt inmitten meiner Familie zu sein.
Dann öffnen sich die Tore der Mühle…
Wow… Der brennende Kamin verbreitet Wärme und Gemütlichkeit und die Dekoration auf den Tischen sieht super aus. Was für eine wohlige Atmosphäre… ich könnte ewig hier stehen bleiben. Aber, in der ersten Etage der Mühle wartet noch eine wichtige Frage auf uns, die beantwortet werden will…
Zunächst möchte der Standesbeamte allerdings unsere Ausweise sehen. Auch die der Trauzeugen. Meine Schwester – meine Trauzeugin – guckt mich mit großen Augen an. Irgendeine Erkenntnis scheint sie gerade wie ein Blitz getroffen zu haben. Ich höre so was wie „Mein Ausweis“ und „andere Tasche“ und sehe sie hektisch in ihrer Handtasche herumwühlen. Ich schätze mal, dass sie genau weiß, dass sie ihren Ausweis dort nicht finden wird, aber insgeheim auf ein Wunder hofft. Aber Wunder dauern bekanntlich etwas länger. Und nun?
Erwartungsvoll blicken wir den Standesbeamten an. Doch der bleibt ruhig und gelassen und nickt freundlich. Offenbar hat er in seiner langjährigen Karriere als Ehestifter schon Schlimmeres erlebt.
Locker und humorvoll führt er uns durch das „Programm“. Ich unterschreibe das letzte Mal als Martina Müller, wir sagen an der richtigen Stelle „Ja“, lachen und wechseln die Ringe.
Der Standesbeamte wartet… und wartet… und wartet…
Äh, worauf eigentlich? Ein Kuss? Ach so, ja klar, DER Kuss. Alle lachen. Wir auch. Schmatz. Für die Fotografen noch mal? Aber sicher doch. Schmatz again.
Und nun ist es soweit: Die Unterschrift! Werde ich dem „Müller-Schreibimpuls“ widerstehen können? Ich konzentriere mich… atme nach Martina noch mal tief durch… und geschafft. Meine erste Unterschrift als Martina Hildebrand ist fehlerfrei vollbracht.
Unglaublich, nun bin ich Frau Hildebrand.
Kann das wirklich sein? Hat mein Schatz mich nicht gerade erst gefragt? War ich nicht gerade noch am Rande eines Nervenzusammenbruchs, weil ich noch kein Kleid habe? Also, wo ist die Zeitmaschine, die uns in die Zukunft katapultiert hat?
Alle gratulieren, umarmen uns und freuen sich von ganzem Herzen mit uns.
Und wir? Wir strahlen. Das ist genau der richtige Augenblick für Sekt. Raus geht’s.
Wir stoßen auf unser Glück an, lachen, reden miteinander und durcheinander und freuen uns, dass wir endlich mal wieder zu einem freudigen Anlass zusammengefunden haben. Es ist kostbar eine Familie zu haben, die zusammenhält, wenn es drauf ankommt. In guten wie in schlechten Zeiten. Ich glaube, ich bin der glücklichste Mensch auf Erden.
Wie, ich muss den Sekt schon wieder wegstellen… ich war doch gerade so glücklich. Fotos? Ach ja. Brautpaar mit Eltern, Brautpaar mit Trauzeugen, Brautpaar mit…
Und immer schön lachen. Also das fällt mir nun wirklich nicht schwer.
Und jetzt noch die beiden Herzballons. Erst zusammenbinden, damit sie sich auf dem Weg zum Himmel nicht verlieren und jetzt… jetzt lassen wir sie fliegen, auf ewig miteinander verbunden…
Nun aber rein in die kuschelige Kaminwärme der Mühle. Denn nun beginnt das „Vollstopf-Pappsatt-Programm“.
Erst mal ein heißes Süppchen. Lecker, lecker. Und nun noch was vom kalten Vorspeisen-Buffet, mmmhhh auch lecker. Oh ja, ich nehme gerne einen Wein. Den roten bitte. Danke. Das warme Buffet ist fertig? Okay, alle mal herhören, das Warme Buffet ist eröffnet. Mann ist das alles lecker. Öh, jetzt bin ich ja verheiratet, nun kann ich ruhig essen, oder? *grins* Nein, nun ist aber wirklich genug.
Was, das Dessert-Buffet ist hergerichtet? Okay, das passt noch. Wow, die Vanille und Straciatella Eisbombe sieht lecker aus. Mmmmhh, schmeckt auch lecker. Wo ist die Creme Kir Royal auf Cassissauce? Mmmmmmmhh, ist die himmlisch, da könnte ich mich reinlegen. Nein, die Mousse au Chocolat und den Salat von frischen Früchten mit Vanillesauce kann ich jetzt nicht mehr probieren. Rien ne va plus. Leider.
Mit leckerem Essen voll gestopft sehen alle zufrieden aus. Es wird gelacht und geredet, jeder mit jedem und alle miteinander. Meine drei kleinen Großneffen rennen und toben drinnen wie draußen und haben offenbar einen Riesenspaß. Auch die Hunde sehen zufrieden aus. Entgegen meiner vorhochzeitlichen Horrorphantasien läuft alles prima.
Kuchen? Upps, haben wir nicht gerade eben erst den Nachtisch gegessen? Erwähnte ich schon die Kir Royal Creme? Mmmmmmmmhhh…
Also, wer will… der Hochzeitskuchen wird angeschnitten. Natürlich liegt MEINE Hand dabei oben.
Neben dem leckeren Hochzeitsdoppelherz vom Konditor, gibt es noch selbst gemachte Kuchen und Torten. Und alles sieht so lecker aus. Schade, dass mein Bäuchlein noch so voll ist. Aber ein paar kleine Stückchen werden wohl noch reingehen, oder? *stopf* Was denn? Ich muss doch wenigstens alles probieren, wenn schon einige unserer Lieben für uns Kuchen und Torten machen…
Wo ist eigentlich mein frisch angetrauter Ehemann abgeblieben? Er wird sich doch nicht davongeschlichen haben, weil ich so viel gegessen habe? Ich glaube, ich werde mal nachsehen… Ah, da ist er ja. Er versucht sein Laptop an die „Mühlenmusikanlage“ anzuschließen. Und, klappt es? Nicht? Das ist aber doof. Soll heißen, wir können keine Musik machen? *schmoll* Das wäre wohl auch ZU perfekt gewesen. Dann tanzen wir den Hochzeitswalzer eben ohne Musik. Ja, mein liebster Ehemann, das muss sein. Wenigstens fürs Foto. Schließlich bin ich jetzt deine Frau…
ZACK! Die Klappe „Hochzeitsbericht in drei Teilen“ fällt.
Wir feiern jetzt noch ein bisschen ohne euch weiter und freuen uns auf die Hochzeitsnacht, die selbstverständlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.
Happy End and Happy Start

Ich hoffe, es hat euch gefallen so hautnah dabei zu sein und vielleicht hat euch ein wenig von unserem Glück erreicht und im Herzen und in der Seele berührt. Denn Glück ist ja zum Glück ansteckend…

Dann werfe ich doch gleich mal den Brautstrauß in die Runde. Mal sehen, wer ihn fängt…
Heh, ducken ist nicht erlaubt…
Martina Mül verflixt und zugenäht, das gibt’s doch gar nicht! Hildebrand
* Achtung! Der Bericht enthält eine Menge Glücksstoffe! Wer auf Glück allergisch reagiert, sollte besser nicht weiter lesen oder vorher seinen Arzt oder Apotheker fragen. Im Zweifelsfall tut’s auch eine Allergietablette.















