Ich habe mir Gedanken gemacht. Über mich. Ich habe mich gefragt, was mit mir los ist.
Früher habe ich fast TÄGLICH in mein Kreativbuch geschrieben. Nicht immer etwas Weltbewegendes, aber Hauptsache geschrieben, als tägliche Übung.
Mein Kreativbuch ist ein bisschen wie ein Tagebuch. Hier halte ich Gedanken über verschiedene Themen fest, über das, was mich bewegt, interessiert, berührt. Es dient dazu meine Gedanken zu ordnen, überhaupt erst an Gedanken heranzukommen, die gut versteckt in den Tiefen meiner Gehirnmasse ihre Fäden spinnen. Unsichtbar, aber da. Auch Schreibübungen oder Ideen und Ansätze zu Geschichten sind hier zu finden.
Das eine oder andere konntet ihr, in Form gebracht, in meinem Blog lesen.
Doch seit geraumer Zeit schreibe ich nur sporadisch in dieses Buch. Mal liegen ein paar Tage zwischen zwei Einträgen, manchmal eine ganze Woche oder sogar zwei Wochen.
Es ist nicht so, als hätte ich nichts zu schreiben. Aber ich sitze davor und bin zu müde auch nur einen einzigen Gedanken zu fassen. Gerade aufgestanden könnte ich schon wieder ins Bett gehen. Ich bin zu müde zum Schreiben! Ich!!! Für die Schreiben ein Ventil ist, die schreibend am besten ihre Gefühle zum Ausdruck bringen kann.
Schreiben ist mein Leben. Wenn ich nicht mehr schreibe, nicht mehr schreiben kann, was bleibt mir dann???
Ich frage mich: „Lebst du schon oder überlebst du noch?“
Schlimmer, ich schleppe mich durch den Tag. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat. Alles scheint sinnlos.
Ich spüre, dass es mir nicht gut tut, nicht in meine Seele, mein Innerstes abzutauchen. Und trotzdem habe ich Angst davor. So große Angst, dass ich es lieber bleiben lasse. Ich habe Angst, dass mich all die traurigen, verzweifelten Gefühle überschwemmen, die sich da drinnen, in den letzten Jahren angestaut haben. Also versuche ich alles fest einzuschließen.
Doch wie soll ich dann schreiben?
Schreiben ist Gefühl pur. Ohne Gefühl fehlt beim Schreiben die wichtigste Zutat.
Als mein Paps gestorben ist, war das schlimm für mich, aber es war auch eine Erlösung für ihn und für uns, nach einem zwei Jahre langen Abschied auf Raten, zwischen Hoffen und Bangen.
Besonders das letzte Jahr vor seinem Tod war die Hölle. All das mit anzusehen, was mit ihm geschah, wie seine Persönlichkeit sich veränderte, wie er zuletzt nur noch schrie und schrie und schrie … Entscheidungen treffen zu müssen, die letztlich nur auf eins hinauslaufen konnten, den Tod von meinem Paps, und nichts, aber auch gar nichts tun können, das ging über meine Kräfte hinaus, obwohl meine Geschwister und ich gemeinsam die notwendigen Entscheidungen getroffen haben.
Aber es war doch mein Paps, um den es da ging, ich konnte ihn doch nicht im Stich lassen, da musste es doch eine andere Lösung geben. Doch die gab’s nicht. Ich konnte nichts, aber auch gar nichts tun, nur zusehen.
Erst war meine Mutter nach langer Krankheit gestorben, dann mein Paps. Erstaunlich, wie sich all der Kummer, all die Verzweiflung und Sorge, die ganze Angst und Wut, die das mit sich brachte in einen sachlichen Satz quetschen lässt. Mein Leben gehörte mir schon lange nicht mehr, trotz all der großen Schwierigkeiten, die es auch in meinem eigenen Leben gab.
Naiv, wie ich war, dachte ich, dass trotz der Trauer, mein Leben nun wieder mir gehörte und alles gut würde. Dass ich mich jetzt wieder um mich und mein eigenes Leben kümmern konnte. Das tat ich dann ja auch. Ich stürzte mich in mein Schreibstudium, das ich all die Jahre vernachlässigt hatte, und beendete es noch rechtzeitig in der mir verbliebenen Zeit. Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe. Eigentlich war es nicht möglich. Doch ich hatte plötzlich solch eine Energie und Euphorie, dass ich es tatsächlich hinbekommen habe. Ein paar Monate später haben Herr Buchstabenwiese und ich dann geheiratet.
All das konnte ich nun tun, ohne irgendwelche Hiobsbotschaften zu erhalten. Da war nur noch ab und zu der Schreckmoment, wenn das Telefon klingelte, bis mir einfiel, dass in dieser Hinsicht ja nichts mehr kommen konnte. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis das Klingeln des Telefons für mich nichts Angst einflößendes mehr war.
Mein Leben gehörte wieder mir. Nach all den Jahren, die geprägt waren von Krankheit, Abschieden, Trauer, Angst, Wut und Verzweiflung, wollte ich endlich wieder glücklich sein. Geweint und getobt hatte ich genug.
Aber das war gar nicht so einfach, sich plötzlich um sich selbst zu kümmern. Wer war die Person überhaupt, um die ich mich da kümmern sollte? Was wollte sie? Sie war mir fremd geworden.
Die Hochzeit, so schön sie auch war, forderte mir viel Kraft ab, Kraft, die ich eigentlich noch gar nicht hatte. Allein diese Kleiderfrage hätte mich fast zur Verzweiflung gebracht. Ich sollte Entscheidungen treffen und fühlte mich so völlig unvorbereitet. Da war plötzlich die Hochzeit und ich hatte keine Ahnung, wie sie aussehen sollte, was ich eigentlich wollte. Seit wann spielte das überhaupt eine Rolle?
Außerdem hatte ich Angst, an dem Tag traurig zu sein, weil meine Eltern an solch einem für mich wichtigen Tag nicht an meiner Seite sein würden. Ich weiß, wie sehr sie sich gefreut hätten, denn sie mochten Herrn Buchstabenwiese sehr, aber ich durfte an dem Tag nicht an sie denken. Eine traurige Braut, die vor der ganzen Familie heult, kam für mich nicht in Frage. Ich wollte strahlen, so wie es sich für eine Braut gehört. Es war der erste richtige freudige Anlass seit Jahren, bei dem die Familie beisammen sein würde. Also blendete ich diese Empfindungen aus und genoss den Tag. Alles ging gut, wie ihr wisst und es war ein sehr sehr schöner Tag für alle.
All die Monate waren so angefüllt mit Inhalt. Doch irgendwann war alles erledigt. Beerdigung, Studium, Hochzeit. Und dann kam die Leere.
Mein Leben gehörte mir, ich hatte Zeit. Ich hatte Zeit und wusste nichts damit anzufangen. Ich hatte zu viel Zeit zu denken, zu viel Zeit zu fühlen. Doch ich wollte nicht fühlen, nicht denken. Ich wollte nicht mehr trauern. Ich hatte alles so prima beiseitegeschoben, weil das Leben endlich wieder positiv sein sollte.
Obwohl ich genau weiß, das Verdrängen nicht gut ist, habe ich es getan.
Doch wer verdrängt, was ihn bewegt, erstarrt.
Denn jede Bewegung, jede Berührung könnte den Gefühlsvulkan, der innerlich brodelt, ausbrechen lassen. Und das gilt es zu vermeiden.
In dieser Erstarrung konnte ich meine heiß geliebte Adventszeit nicht richtig genießen, ich spürte kein Ankommen bei mir. Wie auch. Die Tore waren ja verriegelt und mit dicken Holzlatten zugenagelt. Sicherheitshalber.
Dann begann das neue Jahr und kurz darauf fiel ich in ein tiefes Loch. Ich versuchte herauszukrabbeln. In meiner Unfähigkeit mich zu bewegen, rutschte ich aber immer wieder herunter und jedes Mal ein Stückchen tiefer.
Ja, so war das.
Nun habe ich fünf DIN A4 Seiten handschriftlich in mein Kreativbuch geschrieben, ohne abzusetzen. Es floss einfach so heraus, voller Lebendigkeit. Ein gutes Gefühl.
Schon als ich heute Morgen aufstand, hatte ich ein anderes Gefühl als die Monate zuvor. Eigentlich war nichts anders, doch irgendwie schon. Es fiel mir leichter als sonst, überhaupt aufzustehen. Ich holte Herrn Buchstabenwiese und mir einen Kaffee, schaltete meinen PC an und las die Antwort von Iris auf meinen Kommentar: „Ich finde übrigens gar nicht, dass du soooo offen schreibst.“
Und sie hat recht. Genau das habe ich in der letzten Zeit nicht getan, weil die Türe zu mir selbst geschlossen war. Da kam mir ein Gedanke. Wenn ich nicht über das schreiben kann, was in meinem Inneren brodelt, dann schreibe ich eben darüber, dass ich nicht darüber schreiben kann. Und plötzlich floss eine ganze Menge heraus. Inklusive Tränen.
Was herausfloss, das habt ihr gerade gelesen und damit geht es mir gut.
Die Sonne verschwand glühend hinter den Bergen. Ein langer Tag neigte sich dem Ende zu. Es war still geworden. Der Orkan, der tagelang auf ihrer kleinen Insel gewütet hatte, war vorüber. Friedliche Stille senkte sich auf das verwüstete Land und deckte es mit Erinnerungen zu.
Sabrina stand inmitten dieser Verwüstung, einsam und verloren. Sie konnte es nicht fassen. Der Sturm hatte sie hin- und hergerissen, ihr heftige Wunden zugefügt.
Es gab Momente, in denen sie glaubte, sie würde fortgerissen.
Momente, in denen sie sich dem Sturm wütend entgegenwarf und ihm zurief: „Hier hast du mich, nimm mich und trag mich davon. Dann hast du, was du willst. Aber hör endlich auf. Ich will und kann nicht mehr.“
Und dann gab es Momente, in denen sie sich vom Sturm willenlos treiben ließ, Momente, in denen sie einfach aufgab.
Doch der Sturm wollte sie nicht ganz. Er verschonte sie nicht, nein, bei Gott nicht. Er packte, schüttelte, missbrauchte sie aufs schändlichste, aber er nahm sie nicht mit.
Als er endlich von ihr abließ, fielen Angst, Wut und Trauer für einen Moment von Sabrina ab. Es war vorbei und sie hatte überlebt. Für einen Moment durchströmte sie Euphorie. Sie war erfüllt von einer unglaublichen Energie. Sie fühlte sich frei, glaubte fliegen zu können…
Doch dann stürzte sie hinab und schlug hart auf dem Boden auf. Jetzt erst sah, begriff sie das Ausmaß der Zerstörung.
Geliebte Menschen waren im Sturm verloren gegangen, ihr Haus, ihr Heim war zerstört, Bäume waren umgeknickt oder mit ihren Wurzeln aus der Erde herausgerissen worden. Sie selbst hatte tiefe Verletzungen davongetragen, von denen sie nicht wusste, wie sie jemals heilen sollten.
Die Erleichterung darüber, dass es vorbei war, wich einer unendlichen Leere. Sie hatte nichts mehr, außer ihr Leben.
Ihr Leben… dafür sollte sie dankbar sein. Sie wusste das, doch ihr Herz und ihre Seele konnten das nicht empfinden. Erschöpft sank sie inmitten der Verwüstung zu Boden. Unfähig sich zu bewegen, unfähig auch nur einen Gedanken zu fassen.
Sie war so müde, so unendlich müde…
Morgen, ja, morgen vielleicht, dachte sie und schloss die Augen…
Schneegriesel bedeckt die Straße. Es sieht aus, als hätte jemand Puderzucker durch ein Sieb gestreut. Rein, weiß und unschuldig liegt sie da. Unberührt.
Er will noch nicht gehen, der Winter.
Warum auch. Ist der Februar doch SEIN Monat, ein Wintermonat.
So, wie ich ein Winterkind bin. Aus einem kuscheligen, warmen Nest wurde ich hinausgepresst, hineingeboren in eine kalte Welt.
Manchmal, wenn es zu eng wird, müssen wir die kuschelige Wärme verlassen, hinaus in eine größere Welt, auch wenn es kalt ist. Wie sonst sollten wir wachsen, uns entfalten, auf eigenen Füßen stehen, laufen lernen?
Anfangs kommt uns die Welt vielleicht zu groß und kalt vor. Doch wenn wir beginnen sie zu erobern, entdecken wir vielleicht den Frühling, der eine bunte und warme Welt entstehen lässt…
Das habe ich im November letzten Jahres geschrieben, gestern habe ich es hervorgekramt. Es passte einfach.
Doch dann habe ich was anderes gemacht, als zu schreiben. Und dabei blieb das Blatt nicht leer. Ich habe gezeichnet. Und zwar das hier:
„Hast du das gemacht?“, fragte mein Schatz mich gestern Abend mit großen Augen.
„Ja“, antwortete ich.
Nach einem Moment der Sprachlosigkeit, fragte er mich doch glatt, ob es dafür einen Trick gäbe. Also wirklich.
„Nee“, lachte ich, „du nimmst einfach einen Bleistift und zeichnest.“
Er war beeindruckt. *smile*
Diese Seite kannte er offenbar noch nicht an mir, und ich hatte sie auch vergessen.
Denn da gab es mal vor vielen Jahren, in einem anderen Leben wie mir scheint, ein junges Mädchen, das liebte Sarah Kay Bilder, und es liebte Bilder abzuzeichnen. Und wenn man dieses Mädchen nach einem Berufswunsch fragte, antwortete es: „Irgendwas mit Mathematik und Zeichnen“. Eine merkwürdige Kombination, nicht wahr? Aber eine genaue Vorstellung hatte das Mädchen nun mal nicht. Es wusste nur, dass es Mathe und Zeichnen liebte. So einfach war das…
Letztes Jahr in einer großen Buchhandlung entdeckte ich den kleinen Lesezeichenkalender von Sarah Kay für 2010. Ich musste lächeln und konnte nicht widerstehen ihn mitzunehmen. Und als ich gestern so dasaß und nichts Gescheites zu schreiben wusste, fiel mir unter anderem dieser Kalender in die Hand. Kurz darauf packte ich mein Kreativbuch weg und fing an zu zeichnen. Aber würde ich das überhaupt noch können? Würde bei meiner inneren Unruhe überhaupt was dabei rauskommen? Ich hatte Zweifel, doch am Ende war ich selbst überrascht.
Fazit: Manchmal kann Leere ganz schön füllend sein.
Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende mit füllender Leere,
Nachdem Katinka mich gefragt hat, ob ich noch immer auf dem Weihnachtsmarkt wäre *lach*, raffe ich mich auf und gebe nun endlich ein Lebenszeichen von mir. Danke für den Anstupser, Katinka.
Vielleicht tut es mir selbst auch gut, hier etwas zu schreiben. Irgendwie habe ich nämlich seit einiger Zeit einen ziemlichen Durchhänger. Zwei Weihnachtsgeschichten habe ich angefangen zu schreiben, sie aber nicht beendet. Noch nicht, jedenfalls. Überhaupt schreibe ich viel zu wenig. Ich schreibe nicht mal mehr täglich in mein Kreativbuch. Manchmal liegen ein bis zwei Wochen dazwischen und wenn ich anfange zu schreiben, merke ich, dass ich gar keine Lust dazu habe, zu müde bin und lasse es. Auch hier im Blog schreibe ich so wenig. Dabei liegt es nicht daran, dass ich euch nichts zu erzählen hätte… aber ich tue es einfach nicht. Warum?
Weihnachtsmusik, die ich so gerne zur Adventszeit mag, habe ich noch kaum gehört. Nicht mal einen weihnachtlichen Bildschirmhintergrund habe ich auf meinem PC. Auch das Plätzchenbacken war irgendwie anders als im letzten Jahr. Schmecken tun sie aber trotzdem.
Für mich ist die Adventszeit immer eine Zeit zur Ruhe zu kommen, ein bisschen melancholisch zu sein, rührende Geschichten zu lesen, zu schreiben, zu gucken, Wärme und Liebe in mir zu spüren und zu geben, ein bisschen das Gefühl von heiler Welt für mich zu empfinden. Ich brauche das einfach, um bei mir anzukommen.
Gerne hätte ich auch jetzt mehr das Gefühl von Advent/Ankunft in mir, aber so richtig will es mir nicht gelingen. Trotz der wunderschönen Weihnachtsdekoration bei uns Zuhause und obwohl ich diese Adventszeit mit all ihren Lichtern so sehr liebe. Irgendetwas blockiert mich.
Letztes Jahr war das völlig anders, obwohl mein Paps erst im November gestorben war. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb? war ich in Weihnachtsstimmung, und die Wärme in der Zeit tat mir so gut, trotz der Trauer. Doch dieses Jahr kommt es mir so vor, als lebe ich nur an der Oberfläche, nicht in der Tiefe und damit fühle ich mich nicht wohl. Es ist so, als ob ich neben mir stehe und alles an mir vorüberzieht. Und schwupps ist die Zeit vorüber und ich stehe noch immer an derselben Stelle wie vorher. Ich habe Ansprüche an mich selbst, die ich nicht erfüllen kann. Ich fühle mich einfach nicht stark genug, stoße an Grenzen, die ich nicht verstehe, das ärgert mich so.
Dabei ist es gar nicht so, dass es nicht wunderschöne Momente gäbe, die in mein Innerstes vordringen. Letzten Samstag zum Beispiel, bei unseren Autorenstammtisch, da hatten meine Stammtischfreunde eine Überraschung für mich vorbereitet… das war sooo schön und es hat mich so berührt. Einfach nur schön. Davon muss ich euch unbedingt später erzählen. Und auch mein Mann hat mich zu Nikolaus total überrascht. Das Leben hat wieder schöne Seiten, wunderschöne sogar.
Ich frage mich, was mit mir los ist.
Ob die letzten Jahre noch nachwirken?
Habe ich dieses Jahr zu viel verdrängt, weil ich endlich nur wieder fröhlich sein wollte, einfach genug hatte von all den geweinten und ungeweinten Tränen?
Mache ich mir im Hinterkopf zu viele Sorgen? Habe ich Angst, dass plötzlich alles wieder ganz schlimm wird? Lähmt mich diese Angst?
Habe ich kein Vertrauen mehr ins Leben oder zu mir selbst?
Ab sofort habe ich wieder mehr Zeit für meine Buchstabenwiese.
Und warum habe ich wieder mehr Zeit?
Na?
Genau!
Ich habe gestern Abend meine LETZTE Einsendeaufgabe für mein Schreibstudium abgeschlossen!!! Ein Exposé für einen Roman und die ersten fünf Seiten Text aus diesem noch nicht geschriebenen Roman.
Nach vier Jahren bin ich nun endlich fertig. FERTIG!
Ja, ich habe ein Jahr länger gebraucht, als vorgesehen, aber ich habe es geschafft.
Und ich bin sehr stolz auf mich, dass ich das Studium trotz all der traurigen und belastenden Ereignisse letztendlich erfolgreich zu Ende gebracht habe.
Viele brechen dieses Studium vorzeitig ab. Auch ich hatte diesen Gedanken hin und wieder. Besonders wenn Aufgaben kamen, denen ich mich nicht gewachsen fühlte. Aber etwas in mir wollte es so gerne schaffen. Und irgendwie habe ich die Aufgaben dann doch immer geschafft. Irgendwie habe ich mich durchgebissen.
Ich bin bei weitem auch nicht die Einzige, die länger gebraucht hat, als geplant. Es ist nämlich gar nicht so einfach, sich immer und immer und immer wieder neu zu motivieren und das Studium nicht schleifen zu lassen. Niemand treibt einen an. Das muss man immer wieder selbst tun. Und das, während man mit Kommentaren von Schlaumeiern zu kämpfen hat wie „Mach lieber was Anständiges“ oder „Wozu soll das gut sein, schreiben kann doch jeder“. Man bekommt schnell das Gefühl, dass man sich rechtfertigen muss für das, was man da studiert.
Kann nicht sein?
Doch kann!
Doch genauso könnte man sagen: Wozu trainiert ein Marathonläufer, laufen kann doch jeder! Vielleicht gehört ja auch ein wenig Technik, Übung und Durchhaltevermögen dazu…
Ich denke, alle die selbst schreiben, wissen wovon ich rede. Bei mir waren solche Kommentare Gott sei Dank die absolute Ausnahme. Und der wichtigste Mensch an meiner Seite hat sowieso immer an mich geglaubt, mehr als ich selbst. Er will gar nicht, dass ich etwas anderes mache als schreiben. Er findet nämlich, das ist genau das Richtige für mich. Danke Schatz! *knutsch*
In den letzten vier Jahren ist „neben“ dem Studium viel passiert. Ich habe, unter anderem, zwei liebe und für mich sehr wichtige Menschen durch Krankheit verloren. Erstaunlich wie sich all das Leid, das mich in dunkelste Tiefen gezogen hat, in nur einem Satz zusammenfassen lässt…
Gerade erst wird mir bewusst, was ich da eigentlich geschafft habe. Trotzdem.
Ich habe alle Aufgaben erledigt. Ich habe mein Studium fertig. Ich habe es durchgezogen. Ich habe gekämpft, nicht aufgegeben.
Und das war mir so verdammt wichtig!!!
Merkwürdig, wie wichtig, das wird mir erst jetzt bewusst…
Hey, kein Trübsal blasen!!!!!! Freut euch lieber mit mir! Ich habe fertig… Hurrah!
Martina Müller
P.S. Etwas muss ich noch loswerden: Danke an euch alle, die mich mit ihren aufbauenden und mitfühlenden Kommentaren hier immer so toll unterstützt haben. Auch das hat mir geholfen durchzuhalten.
So jetzt ist aber wirklich Schluss. Frohe Pfingsten wünsche ich euch.
Ich glaube, ich fliege. Gerade habe ich zwei Einsendeaufgaben für mein Schreibstudium eingetütet, die ich morgen auf den Weg nach Hamburg bringe.
Eine Kurzgeschichte mit 180 Zeilen („Schwarzer Nebel“) und der Anfang eines Kinderkrimis mit 120 Zeilen (1. Kapitel: „Das Gesicht am Fenster“). Und man höre bzw. lese und staune: Ich bin zufrieden mit meinen Texten. Nun bin ich gespannt, ob mein Studienleiter auch zufrieden mit mir ist.
Im Moment fühle ich mich, als könnte ich fliegen. Na so was, sollten meine Flügel langsam wieder wachsen? *schnüff*
Ich brauche also keinen „Roten Stier“ trinken, ich muss nur schreiben, um fliegen zu können. *smile*
Noch zwei Aufgaben und dann bin ich mit dem Studium fertig. WOW.
Erinnert ihr euch daran, als ich noch 17 Aufgaben in neun Monaten schaffen musste? Ich erzählte euch im September 2008 davon. 17 Aufgaben! Dann bekam ich einen Schub Ehrgeiz und alles schien möglich.
Dann starb im November 2008 mein Papa. Das und die schlimme Zeit davor, wieder ein Rückschlag. Das Schreiben blieb wieder auf der Strecke. Wie schon so oft davor.
Doch ich habe nicht aufgegeben. Dank Unterstützung von meinem Schatz, der immer, wenn ich das Studium abbrechen wollte, strikt dagegen war. Der stets an mich glaubte. Der immer wieder sagte: „Mach das fertig, alles andere kann liegen bleiben.“ Der sich zum wiederholten Male meine Texte anhört, auch wenn ich nur zwei Worte geändert habe. Auch bei der 5. überarbeiteten Version hat er bisher nie gemurrt, mich geduldig angehört und mir seine Meinung dazu gesagt.
Und Dank Wally, die mir auch immer wieder Mut machte, weiterzumachen. Sie ist für mich ein Vorbild, was das Studium betrifft, weil sie es schon geschafft hat. Sie hat es durchgezogen.
So hat er mich irgendwann wieder gepackt, der Ehrgeiz. Ich wollte/will das Studium schaffen und zwar ohne weitere Verlängerung. Ich finde vier Jahre sind lange genug für ein dreijähriges Studium, trotz aller Schicksalsschläge und Depressionen. Irgendwann muss man fertig werden. Und nun sind es nur noch zwei Aufgaben. Zwei!!! Ich kann das Ende schon sehen. Es winkt mir zu. Ich sehe die Ziellinie und kann es kaum fassen.
Noch bin ich nicht über die Ziellinie hinaus, aber es ist möglich. Mit jeder Aufgabe, die ich fertig habe, glaube ich ein Stückchen mehr an mich.
Nur noch zwei.
Diese Woche ist der Kurzkrimi mit 125 Zeilen an der Reihe. Immer wieder habe ich ihn verschoben, weil ich völlig blockiert war, wenn ich nur an den Krimi mit den engen Vorgaben dachte. Doch jetzt führt kein Weg mehr daran vorbei. Ich muss literarisch morden oder so was und den Mörder überführen. *seufz* Aber auch diesen Krimi werde ich bewältigen! So wie ich bisher alle Aufgaben bewältigt habe, von denen ich dachte: Das schaffe ich niemals. Und das waren einige.
Ich schaffe das!!!
Und nächste Woche mache ich mich an die Abschlussaufgabe. Ein Exposé zu einem Roman- oder Sachbuch-Manuskript und eine Textprobe von fünf Seiten. Dafür habe ich dann maximal zwei Wochen zur Verfügung. Wenn alles planmäßig verläuft und ich den Mörder rechtzeitig schnappen kann. Aber auch das werde ich schaffen, weil ich das schaffen will.
Fragt mich nicht, was in der Zwischenzeit seit Wochen hier alles liegen bleibt, wie voll der Wäschekorb ist, wie viele Hemden zum Bügeln auf mich warten…
Gedanken von den Gehirnzellen über die Nervenbahnen in meine Hand fließen lassen, einen Stift nehmen und Buchstabe für Buchstabe auf ein Blatt Papier formen?
Oder ist es mehr?
Ja. Schreiben ist mehr, viel mehr.
Schreiben verwandelt Gedanken und Gefühle in sichtbare, lesbare Worte. Es lässt die Seele hinaus gleiten, hinaus in die Welt, wo sie andere Seelen berührt.
Schreiben entfesselt die Seele, so dass sie ihre Flügel ausbreiten und sich hinauf in die Lüfte schwingen kann.
Schreiben ist träumen.
Schreiben ist lieben.
Schreiben ist leben.
Und egal über wen oder was wir schreiben, wir schreiben über uns, von uns, über das, was uns berührt, was uns bewegt.
Schreiben ist sich selbst begegnen.
Abgelegt unter: Schreib-Kraft, Alles, Tagebuch — Buchstabenwiese at 11:45 am on Freitag, Januar 30, 2009
Morast
Nebel zieht durch meinen Kopf, hüllt meine Gedanken ein. Nichts denken, um nichts zu fühlen. Meine Glieder sind schwer, jede Bewegung kostet unendlich viel Kraft. Meine Flügel habe ich verloren.
Doch ich muss weitergehen, immer weiter, schleppend schwer durch den Morast. Er will mich festhalten, er will, dass ich versinke, doch es gibt keinen anderen Weg. Ich muss da hindurch. Es ist der einzige Weg in die Freiheit, der einzige Weg zu neuen Flügeln.
Bei jedem Schritt umklammert der klebrige Schlamm gierig meine Füße, kriecht die Beine hinauf, haftet an mir. Nur widerwillig lässt er meinen Fuß los, giert auf den Augenblick, in dem ich ihn erneut in den Morast setzen muss.
Manches Mal scheint es mir, als hätte ich nicht die Kraft den Fuß wieder hinauszuziehen. Ich bleibe stehen, sinke tiefer und tiefer… und der Morast würde mit Wonne in Mund und Nase sickern, bis ich ersticke…wäre da nicht die Hand, die mich immer wieder hält und hinauszieht. Wenn sie mich berührt, kitzelt es im Rücken und für einen Moment glaube ich, dass mir neue Flügel wachsen.
Wie viel Weg liegt noch vor mir, bis ich wieder den festen Boden der Gegenwart unter meinen Füßen spüren, bis ich wieder hüpfen und springen kann? Bis ich den Morast der Vergangenheit hinter mich gelassen habe?
Manchmal wünschte ich, ich könnte ihn einfach überfliegen…